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Ende Mai, das Thermometer steht bei 30 Grad, die Sonne scheint gemütlich vom Himmel. Ab jetzt beginnt – persönlich gesprochen – die Leidenszeit, insbesondere wenn die Temperaturen noch steigen, gepaart mit einer knackigen Luftfeuchtigkeit bei der man in Kombination mit der Hitze das Gefühl hat, als würde man sich durch eine allumfassende, schwül-feuchte Hitze-Wand bewegen. Um diesem entgegen zu wirken, haben die Japaner während dieser Zeit ein eigenes Spiel entwickelt: Wie effektiv kann man von einer (gekühlten) Klimazone zur Nächsten gelangen? Und die Japaner sind wahrliche Meister darin, auch wenn sie das mit der angemessenen Regelung der Klimaanlagen immer noch nicht richtig hinbekommen. Draußen sind es 35 Grad und, sei es im Kaufhaus oder im Zug, der Herr über die Klimaanlage muss ein Sadist sein, regelt er sie generell auf (gefühlt) leicht über dem Gefrierpunkt. Nicht, dass der Körper dadurch doppelt unter Schock gestellt wird (einmal durch die Hitze und durch das plötzliche Abkühlen), nein, generell kennen die Japaner auch keine Spielräume, sprich stufenweises Anpassen der Klimaregelung an die jeweiligen Temperaturen. Entweder ganz oder gar nicht.

Sommer in Japan bedeutet aber auch, dass dem regelmäßigem Training ein wenig an zuästzlichem Pfiff verpasst wird. Und der Feind heißt hier ganz klar: Schweiß. Himmel, man schwitzt, nein ölt, wie ein Arbeiter im Stahlwerk. Die Brühe läuft einem wie Wasser vom Körper, die Klamotten – bereits nach wenigen Durchgängen an Kata vollgesaugt – werden schwerer und die Zunahme von Flüssigkeit erhöht sich um ein Vielfaches. Zudem hat Schweiß die dumme Angewohnheit die Rutschfestigkeit der Füße komplett zu negieren. Daher kommt es öfter vor dass, wenn man nicht genug Acht gibt, Schläge und Paraden durch Wegrutschen zu komischen Verrenkungen führen können. Was spassig klingt, kann aber auch gerne nach hinten losgehen, insbesondere wenn man bereits voll in seiner Bewegung war. Aber genau da liegt ja auch der Reiz: Unterschiedliche Situationen erfordern ensprechende Anpassungen. Heutzutage ist es zu einem Großteil so, dass entweder auf Matten (Tatami, Kunststoff) oder Fußboden (Holz, Hallenboden) trainiert wird, jedoch die wenigstens Schulen wirklich einmal draußen – unter Realbedingungen – ihr Training durchführen. Eine Schule, welche dieses immer noch praktiziert, ist die Maniwa Nen-ryu, welche in regelmäßigen Abständen „Nodate-Keiko“ betreibt, also Keiko unter freiem Himmel. In der Yagyu Shingan-ryu (und in der Morishige-ryu) wird eine bestimmte Art des Gangs unterrichtet, bei der angenommen wird, dass man sich in einem Gewässer fortbewegen muss. Die Morishige-ryu lehrt z.B. das Laden der Waffe wenn der Träger selbst bis etwa Hüfthöhe im Wasser steht.

Sommer in Japan heißt daher nicht nur, dass man vermehrt auf seinen Flüssigkeitshaushalt Acht geben muss (Dehydratation, hallo!), sondern noch mehr auf die veränderten Umstände des Trainings und deren Einflüsse auf den eigenen Körper, bezogen auf Erschöpfung durch Hitze, Griffigkeit der eigenen Waffe, etc.

Ein Vorteil hat der Sommer allerdings: Das Bier nach dem Keiko schmeckt noch ein Stück besser.

In diesem Sinne, Prost!

Micha

Ps: anbei ein Snapshop aus dem örtlichen Budo-Magazin (Gekkan HIDEN) vom letzten Monat, aufgenommen im Februar beim jährlichen Kobudo Enbu Taikai der Nihon Kobudo Kyokai.

PPS: Die Große Enbu-Saison ist fürs Erste vorüber. Zum Herbst hin wird es noch einmal spannender, genauer gesagt Dank der Enbu am Kashima-Jingu sowie am Nitta-Jinja (Tokyo). Und dann steht auch das 90. Jubiläum des Sugino-Dojo in Kawasaki an. Hierfür laufen die Planungen ebenfalls auf Hochtouren. Dürfte spannend werden.

Keppan – „Siegelabdruck mit Blut; Unterschrift mit Blut. / Schnitt in den Finger und Besiegelung mit Blut.“ (Quelle: Wadoku.de).

Je nach Schule wird in den klassischen Kampfkünsten (und nicht nur dort), der offizielle Eintritt in die Schule mit der Durchführung des Keppan besiegelt. Manche verlangen dieses gleich am Anfang, andere erst im fortgeschrittenen Verlaufs des Studiums, andere wiederum haben diese Praxis komplett abgeschafft (wie z.B. die Kogen Itto-ryu). Im Falle der Katori Shinto-ryu unter Otake-sensei in Narita wird bei Eintritt ins Dojo das Keppan verlangt, obwohl es auch hier Ausnahmen gibt, insbesondere wenn es für die ausländischen Schüler nicht möglich ist, direkt in Japan Keppan abzulegen. Hierzu kann man auf Wikipedia lesen:

Historically, before beginning any training in Tenshin Shōden Katori Shintō-ryū, every prospective pupil had to sign an oath of allegiance to the school. The method was to make keppan (blood oath) in support of the following kisho or kishomon (pledge). This oath was a written one with the prospective member being required to sign his name in his own blood. The applicant would prick or cut a finger or sometimes the inner arm and with the blood drawn, sign the following pledge:

On becoming a member of the Tenshin Shōden Katori Shintō-ryū which has been transmitted by the Great Deity of the Katori Shrine, I herewith affirm my pledge that:

    1. I will not have the impertinence to discuss or demonstrate details of the ryū to either non-members or members, even if they are relatives;
    2. I will not engage in altercations or misuse the art against others;
    3. I will never engage in any kind of gambling nor frequent disreputable places.
    4. I will not cross swords with any followers of other martial traditions without authorization.

I hereby pledge to firmly adhere to each of the above articles. Should I break any of these articles I will submit to the punishment of the Great Deity of Katori and the Great Deity Marishiten. Herewith I solemnly swear and affix my blood seal to this oath to these Great Deities. […]

Andere Schulen hingegen verlangen (bzw. es kann sogar freigestellt sein) Keppan erst nach einigen Jahren des Trainings, wenn man sich zum einen aklimatisiert, die Grundschule der Schule absolviert und gezeigt hat, dass man jetzt bereit sei den nächsten Schritt zugehen. Oftmals ist dieser Schritt jener vom Omote zum Ura (Okuden)-Level der jeweiligen Schule.

Keppan während der Edo-Priode hatte unter bestimmtem Voraussetzungen einen wichtigen und nachvollziehbaren Sinn. Bewahrung des USP (unique selling proposition) der Schule, Verpflichtungen ihr gegenüber, usw. In Zeiten einer aufgeklärten Gesellschaft, in der man nicht mehr den Zorn der Gottheit Marishiten fürchten muss, in Zeiten von Youtube, Google und Co., wo sowieso ein jeder zu jeder Zeit alle möglichen Informationen zur Verfügung gestellt bekommt, scheint die Tradition des Keppan fast als eine Art Relikt aus einer anderen Zeit. Und das ist es, ohne Frage, insbesondere da Riten wie ein „Bluteid“ in der westlichen Gesellschaft als archaisch und grenzwertig angesehen werden.

Prekär wird es, wenn unter dem Vorbehalt der Verschlossenheit Keppan als Schutzschild benutzt wird, um sich abfallend von anderen Abwenden zu können, um darüber hinaus die eigene Position noch weiter hervorheben zu wollen. Kein Keppan, keine Kekse. Man stelle sich nur einmal vor: Person A (kein Keppan) trainiert intensiv für mehrere Jahre unter einem hervorragenden Lehrer. Keppan möchte er zwar machen, doch gab es bis jetzt nicht die Gelegenheit. Person B, mehr oder minder Anfänger, jedoch mit Keppan, wird nun aber – dank der Schulregeln – über Person A gestellt. Auf Grund von Erfahrung? Nein, sondern da Keppan als einziges Auswahlkriterium gewertet wird – und auch so kommuniziert wird. Wenn dann Phrasen folgen wie: „Ich (B) lasse mich von dir (A) nicht korrigieren, da ich Keppan habe und damit dein Sempai bin …“, kann einem die Zornesröte nur ins Gesicht steigen. Gleiches gilt dafür, wenn sich ein „Frischling“ (wenige Monate Trainingserfahrung) dazu aufmacht, eine Trainingsgruppe zu gründen und es nicht einsieht, wenn ein Älterer (ebenfalls Keppan) ihn korrigieren möchte, da „er ja jetzt seine eigene Gruppe hätte“.

Ein anderes Beispiel: Man nehme an, ein Junge von 11 – 12 Jahren kommt mit seiner Trainingsgruppe nach Japan. Alle machen Keppan, er ebenso. Die Frage ist hier: Macht es Sinn, bzw. ist es im Sinne der Schule, wenn ein Kind Keppan ablegt, welches vermutlich nicht im geringsten den Sinn hinter der Prozedur versteht? Natürlich, Rules are Rules, aber würde man sich hiermit als Verantwortlicher nicht selbst betrügen und zu einer stärkeren Verwässerung beitragen?

Ellis Amdur – Shihan der Araki-ryu und Toda-ha Buko-ryu – hat einige sehr gute Dinge zum Thema Keppan gesagt. Hier ein Auszug:

It seems to me that a lot of the problems you describe are exemplars of the degeneration of a ryu, not a problem with keppan. If a teacher has so many students (as some koryu have) that they do not even know them – and teaching is delegated to seniors in various dojos who have not even learned the entire curriculum, then its very likely that 80%+ will quit. Because they joined without any more seriousness than joining a sports club. If a teacher of a koryu is a man or woman of integrity, they a) make it difficult to join b) impress upon the prospective student the seriousness of joining. OTOH, keppan has this problem – a blood oath today may be, for most, a quaint cultural artifact. The keppan-sho has a catalogue, pro forma, in one sense, of every deity and power in the whole cosmos. It actually meant something awesome (in the original meaning of this word – affecting one with a sense of facing powers greater than one’s comprehension). Today, few are shaken spiritually when offering keppan. Consider this – you’ve just signed military papers, and you are on your way to a war zone. From this day forward, your life is changed, and no longer, in many ways, your own possession. You go to sleep that night-or try- and maybe you are too excited to sleep, or too shaken. But you can’t take it back. Today, not only do many sign a keppan-sho without any psychological valence or sense of the numinous, but many teachers do not regard it that way either. The problem isn’t keppan – the problem is the vitiation of what most koryu are today.”

Obwohl Keppan durchaus eine Berechtigung hat (ich persönlich bin ein Freund davon), sollte weitaus wichtiger aber der an den Tag gelegte Einsatz, Wille und die Hingabe sein, also die Einstellung zur jeweiligen Ryu. Keppan als fadenscheiniges Kontrollinstrument heranzuziehen zeugt vielleicht von Traditionsbewusstsein, aber gleichzeitig auch davon, dass man die Verantwortung über die Schülerschaft an eine „höhere Instanz“ abgibt, ohne wirklich zu wissen, was für eine Person da eigentlich vor einem sitzt.  Keppan als System zur hierarischen Einteilung der Mitglieder, als politisches Druckmittel oder als Vorwand um die Schule „clean“ zu halten ist unsinnig und schädigend ihrem Fortbestand gegenüber. Keppan sollte nicht als Pseudo-Vorraussetzung zum Studium der Koryu dienen, sondern (wenn es innerhalb der Schule praktiziert wird) den Kreis derer, die sich bereits commited haben , festigen, ohne dabei die Hauptfaktoren des Studiums aus den Augen zu verlieren.

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Hallo.

Nach langer Zeit (endlich?) mal wieder ein Artikel. Dieses Thema hat mir schon seit längerem unter den Finger gebrannt.

Dass dieser Blog momentan nicht übermäßig gepflegt wird liegt nicht daran, dass es nichts zu berichten gibt, sondern vielmehr an der Tatsache dass ich – durch Arbeit und andere Dinge – sehr eingespannt bin und nicht mehr die Zeit finde, aktiver hier zu schreiben. Das soll natürlich aber nicht heißen, dass dieser Blog komplett eingehen wird. Es mag nur etwas dauern. Und wer ein größeres Interesse hat, kann mich natürlich auch jederzeit per Email kontaktieren.

Yours in Budo,
Micha

Hallo,

am letzten Freitag war ich zu Gast bei der Morishige ryu unter der Leitung von Shimazu Kenji-sensei. Bei der Morishige ryu handelt es sich um eine Kunst die den Umgang mit diversen Feuerwaffen lehrt. Einer meiner Trainingskollegen der ebenfalls Mitglied der Morishige ryu ist, hatte sich bereit erklärt mir eine Einführung in diese ganz spezielle Art des Bujutsu zu geben. Bevor ich aber in die Details gehe, hier ein Video zur besseren Verdeutlichung. Aufgenommen am letzten Meiji Jingu Embu am 3. November 2011 in Tokyo:

Shitara-san, mein Trainingskollege und ich kamen gegen kurz nach 18 Uhr im Dojo an. Es war niemand da und so wurden zunächst einige Vorbereitungen getroffen: Heizstrahler aufgestellt (Es war wirklich SEHR kalt), Matten gefegt und umgezogen. Dann zeigte Shitara-san mir sein Gewehr. Leider habe ich das genaue Alter nicht mehr im Kopf, es handelte sich aber definitiv um eine antike Waffe. Er erklärte mir den Schießmechanismus und alle wichtigen Einzelheiten. Laut ihm braucht es nur 30 Minuten um einen ungeübten Neuling diese Techniken beizubringen. Nachdem er das Gewehr einmal auseinander genommen hatte um mir den Lauf zu zeigen (mit Schmiedemarke und Namensschriftzug des Schmiedes) begann er mit  Demonstration dreier Kata aus der Morishige ryu: Ichidan, Nidan, Yondan. In der Morishige ryu gibt es eine Vielzahl von Kata, alle mit unterschiedlichen Prinzipien und Wirkungsgraden. So gibt es z.B Kata für großkalibrige Waffen, Kanonen, Schießen aus dem Wasser oder von einer Burg herab, aus liegender Position oder vom Pferd mit einer Pistole als Bewaffnung.
Die Kata „Ichidan“ beginnt mit Reiho und dem Angrüßen der Waffe. Dann wird sich Richtung Ziel (Mato) bewegt. Hinknien, Waffe laden, Schießposition einnehmen, zielen, entsichern, feuern. Anschließend zurück zum Ausgangspunkt und abschließendes Reiho. Nachem er mir diese Kata demonstriert hatte, durfte ich selber Hand anlegen und den Lade- und Schießvorgang ausprobieren. Natürlich wurde nicht scharf geschossen – dafür gibt es, wie in Deutschland auch, Schießstände. Die meiste Zeit wird aber auf Festen (Matsuri) und Embu geschossen. Zur Grundschule gehört auch, dass man das Gewehr richtig halten kann – auch über einen längeren Zeitraum. 4 Kilo wollen halt auch richtig und effizient bewegt werden. Insbesondere der linke Arm steht unter starker Belastung. Hierfür gibt es dann auch eine Art Suburi, bei der im sitzenden Zustand das Gewehr auf eine bestimmte Art und Weise geladen wird. Im Anschluss zeigte mir Shitara-san dann noch einige Besonderheiten: So wird das Tachi, welches die Schützen bei sich tragen, als Auflagefläche genutzt. Dabei wird das Tachi in den Boden gesteckt und das Gewehr wird entweder auf der Tsuba abgelegt oder aber ein spezieller Aufsatz in Form eines „Y“ wird auf das Ende der Tsuka gesteckt und dort dann das Gewehr abgelegt. Auch gibt es die Möglichkeit, dass sich ein Waffenbruder hinkniet und das Gewehr auf dessen Schulter abgelegt wird. Dieses wird aber nur bei Rüstungs-Trägern angewendet. Kimono würden wohl zu leicht in Flammen aufgehen. Demonstrationen des schnellen Schießend und wie man dem gewaltigen Rückstoß entgegen wirken kann rundeten die Einführung ab.
Nach ungefähr 90 Minuten kam Shimazu-sensei.
Das Besondere an dem Training: Neben der Moroshige ryu trainiert parallel auch die Yagyu Shingan ryu. Shimazu-sensei ist auch hier leitender Lehrer und betreut während dieser Trainingseinheit beide Gruppen nebeneinander.
Shimazu-sensei ist ein Mann von kleinem Wuchs, aber mit einer Austrahlung – unglaublich. Und ein echt lustiger Kerl. Man verzeihe mir dieses Urteil, aber manche Menschen hinterlassen einfach einen bleibenden Eindruck bei mir. Shimazu-sensei ist solch eine Persönlichkeit. Seine Art zu unterrichten, die kleinen Dinge die er aufs Einfachste zu vermitteln vermag und diese Kraft! Er wurde 1938 geboren, fegt aber auch jetzt noch jeden von der Matte. Und als er dann einige der Schwerttechniken aus der YSR demonstrierte war es um mich geschehen. Unglaubliches Körpergefühl, starke Austrahlung, eine Technik jenseits von Gut und Böse. Alle standen staunend um ihm herum, als er mir seine Saya ins Gesicht warf – er demonstrierte nämlich einige der kleinen Gemeinheiten mit denen die Yagyu Shingan ryu aufwarten kann. Wirklich fiese Sachen und das Interessante war die Verbindung der Waffentechniken zum Taijutsu. So wird zB das Schwert in der Yagyu Shingan ryu auch beidhändig eingesetzt, spich es wird  mal verkehrt herum gegriffen, sodass die linke Hand an der Tsuba sitzt.
Obwohl das folgende Video schon etwas älter ist, spiegelt es dennoch gut wieder was mir am Freitag widerfahren ist:

Es war wirklich ein absolut toller Abend. Sensei hat bereitwillig Fragen beantwortet und seine Demonstrationen waren einfach klasse. Soviel Erfahrung – da fühlt man sich wirklich wie ein kleines Flämmchen, nicht der Rede wert und unbedeutend. Aber Shimazu-sensei, sein Feuer konnte man ganz genau in seinen Augen sehen.

Ein beeindruckender Mann.

Mal schauen, wann ich seiner Einladung zu einem Training nachkommen kann…

Yours in Budo,
Micha

Manchmal passieren wirklich echt abgefahrene Sachen.
Wie heute zum Beispiel:

Hatte mich mit einem Bekannten in Shinjuku verabredet. Wer den Bahnhof kennt, weiß wie groß dieser ist. Ich war früh dran, bin an einem anderen Banhof umgestiegen und *zack*, wer stand da? Mein Bekannter! Falscher Ort, falsche Zeit, richtiger Riecher.

Jedenfalls hatten wir uns ein wenig festgequatscht und wollten eigentlich ins Kabukicho, eins der Rotlichtviertel Tokyo´s, auch wenn der Begriff nach unserem westlichen Verständnis eher unpassend gewählt ist.

Jedenfalls gehen wir Richtung Ausgang, einer von… gefühlten 20 und gerade als wir die Treppe nach oben erklommen kam uns eine Gruppe von älteren Japanern entgegen. Ich war vorher beim Training und hatte meine Schwerttasche dabei – einer der Japaner seine ebenfalls. Ich höre nur „Iaido!!!“ und sehe ein Lächeln. Ich daraufhin: „Stimmt! Guten Abend! Dürfte ich fragen, welche Schule sie betreiben?“ – „Muso Shinden ryu“ – „Ach, was ein Zufall! Ich habe auch Shinden gelernt, bin Shodan.“ – „Oh, interessant! Der Herr hier neben mir ist 8. Dan“ (hier ist mir/uns sprichwörtlich die Kinnlade runtergefallen) – „Freut mich, Sie kennen zu lernen. Mein Freund hier ist Shinden ryu 3. Dan. Er ist gerade in Japan um Urlaub zu machen.“ – „Oh, dass ist aber schön! Woher kommen Sie denn?“ – „Wir sind aus Deutschland.“ Der 8. Dan erhebt die Stimme: „Ich liebe Dich!“ – „Vielen Dank“  (meine bescheidene Antwort). Ein anderer, älterer Herr daraufhin: „Ah, Deutschland. Ishido-sensei, nicht wahr?“ – „Ah, Ishido-sensei aus Kawasaki? Ja! Aber ich selbst habe in Saitama gelernt“ – „Bei Yamazaki-sensei?“ – „Nein, bei Nakamura-sensei, 7. Dan aus Kazo“ …. „Na, dann weiterhin viel Erfolg! Ganbatte kudasai!“ – „Vielen Dank!“ (meine Verbeugung war wirklich seeehr tief…“)

Ich war so perplex, dass ich absolut keine Ahnung habe, wie der gute Name des 8.Dan lautet. Muss jetzt Nachforschungen anstellen. In solch Momenten schießen einem die wildesten Gedanken durch den Kopf. Mein Erster: Versau das ja nicht mit der Höflichkeitssprache! Ging nochmal gut…

Was mir im Nachhinein ein wenig zu denken gibt, ist das Kommentar bzgl. Ishido-sensei. An meine Braunschweiger Freunde: Rockt weiter, Jungs! Die wissen über euch Bescheid hier!

Ehrlich: Solch Geschichten sind wirklich sehr, sehr selten.

Wo stehe ich im Dojo?

Diese Frage mag auf den ersten Blick ein wenig schwammig erscheinen, doch gibt sie uns die Möglichkeit zu einigen interessanten Beobachtungen und Denkansätzen in Bezug auf das japanische Gesellschaftssystem und ihrer Anwendung, bspw. im Dojo.

Die japanische Gesellschaft unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von einer – man verzeihe mir die saloppe Verallgemeinerung – westlichen Kultur und ihrer Denkweise. Ist in einer westlichen Gesellschaft das Individualbewusstsein stark ausgeprägt (Ich stehe im Mittelpunkt), ist im japanischen Gegenstück die Gruppe und das dazugehörige Gruppenbewusstsein die vorherrschende Kraft (Wir als Ganzes). Dieses Gruppenprinzip spiegelt sich in den beiden Worten Uchi 内 und Soto 外 wieder. Uchi bezeichnet den inneren Kreis, also die Gruppe an sich und Soto all diejenigen, die dieser Gruppe nicht angehören. Solch Gruppen finden sich überall, angefangen bei der Familie, der Firma, dem Nachbarschaftsclub oder dem Dojo. Solch Gruppenzugehörigkeiten halten nicht selten ein lebenlang und die Bindung zwischen den Mitgliedern hat außerhalb der Gruppe oftmals eine positive Wirkung auf das Handeln bzw. den Verlauf der eigenen Entwicklung. So ist es nicht unüblich, dass Mitglieder der Gruppe untereinander Vermittlungsgeschäfte tätigen um sich gegenseitig z.B. eine bessere Anstellung zu verschaffen. Stichwort hierfür wäre wohl das allgemein bekannte Vitamin B. Oftmals ist es auch so, dass man beim Erstkontakt direkt gefragt wird, bei welcher Firma man angestellt ist oder welche Universität man zur Zeit besucht. Dieses soll von Anfang an die Gruppenzugehörigkeit identifizieren und (bei identischer Zugehörigkeit) noch vorhandene Mauern einreißen und neue Möglichkeiten bieten. Denn wie oben schon erwähnt sind Gruppenzugehörigkeiten langlebig, und so kann es passieren, dass man mit Menschen in Kontakt tritt, die ebenfalls dieser Gruppe angehören, jetzt vielleicht nur keine aktive Rolle mehr einnehmen (ein Beispiel wäre die Universität).
Ein weiterer Aspekt der hierbei erwähnt werden muss, ist das sogenannte Sempai 先輩 – Kohai 後輩 – System. Hierbei handelt es sich um streng hierarchisches auf Erfahrung bzw. auf Zugehörigkeit zur Gruppe aufgebautes System, bei dem der Ältere, also der Sempai und damit derjenige der länger Mitglied der Gruppe ist, über den Kohai, den Jüngeren, wacht und ihn in die Gruppe integriert und für sie sozialisiert. Er vermittelt Regeln, Werte und Normen und stellt sicher, dass der Jüngere den Anforderungen stand hält und als vollwertiges Mitglied den angestammten Platz in der Gruppe einnehmen kann. Der Kohai wiederum versucht diesen Anforderungen gerecht zu werden und integriert sich in die Gruppe durch z.B. Mehrarbeit, Verrichtung niederer Aufgaben oder der Tatsache, am Anfang nicht im Mittelpunkt zu stehen. Dieses trifft inbesondere auch in den Kampfkünsten zu, dazu aber später mehr.
Jeder Kohai wird irgendwann ein Sempai und jeder Sempai war irgendwann mal ein Kohai. Bei diesem System spielt nicht das biologische Alter eine Rolle, sondern einzig und allein die Zugehörigkeit zur Gruppe.
Gehen wir das Ganze Thema nun aus Sicht eines Schülers im Dojo an, so lassen sich einige Dinge herauskristalisieren. Hier einige Beispiele:

  • Benutzte Waffen werden nie von Älteren weggebracht sondern immer von den jüngsten Mitgliedern im Dojo
  • Das Dojo wird vor Beginn des Trainings von den Jünsten geputzt. Oftmals erscheinen diese bis zu einer Stunde früher um das beim letzten Mal gelernte zu wiederholen und für Ordnung im Dojo zu sorgen
  • Bei (kleinen) Feierlichkeiten im Dojo werden die Jüngsten damit beauftragt, Einkaufen zu gehen und die Tische aufzustellen
  • Bei Feiern im allgemeinen trägt der Jüngere Sorge um das Wohl des Älteren und sorgt für dessen leibliches und persönliches Wohl (Nachbestellung von Essen und Trinken, Zigaretten, usw.)
  • Bei außerdojo Aktivitäten (Reisen) trägt der Jüngere nicht nur seine eigenen Sachen sondern oftmals noch die der Lehrer oder der Sempai, meistens die Waffentaschen
  • Als Neuling hält man per se den Unterricht der anderen auf. Sensei muss sich extra Zeit nehmen und kann somit den Älteren nichts vermitteln. Daher wird nur ab und an etwas erklärt und dann für längere Zeit nichts gesagt. Der Schüler muss sich selbst eingehend mit der Technik auseinander setzen

Diese Liste lässt sich beliebig weiter führen, doch möge dieses für den Zweck der Sache genügen.
Wie man sieht, ist der Entwicklungsprozess und auch das Tätigkeitsfeld und die damit einhergehenden Erwartungen strikt festgelegt und es wird erwartet, diesen nachzukommen. Integration ist hier das Stichwort. Man wird angehalten, ein gesundes Gruppenbewusstsein zu entwickeln. Die Tätigkeiten dienen nicht dem eigenen Zweck sondern immer dem Zweck der Gruppe und der Erhaltung der Harmonie in dieser Gruppe. Wird diese gestört, gerät das ganze Gruppengefühl aus den Fugen. Manchmal mögen sie stumpfsinnig und vielleicht auch erniedrigend wirken, doch zielen sie auf ein bestimmtes Ziel, der Erhaltung des Gruppengefühls und das Überwinden der eigenen Engstirnigkeit, um sich von einer Ich bezogenen Persönlichkeit zu einer auf die Gruppe orientierte zu entwickeln. Durch den Dienst an der eigenen Gruppe soll die Mutter-Gruppe, also das japanische Volk an sich, profitieren und wachsen, da hier wieder nicht das Individuum im Mittelpunkt steht sondern die Ziele und das Gefüge der Gruppe.

In unserem westlichen Kulturkreis und ich beziehe mich jetzt explizit auf Deutschland, gibt es solche starken Bindungen und Gruppengefüge nicht. Jedenfalls nicht in dem Maße. Schaut man sich die hiesigen Dojo-Strukturen an, erkennt man grobe Unterschiede zwischen Deutschland und Japan. Oftmals fehlt in Deutschland ein Lehrer mit langer Erfahrung (+40 Jahre Erfahrung in einer Kampfkunst) und eine weitere Schicht an Seniorschülern. Wenn jemand unter diese Kategorie fallen würde, dann am ehesten Frank Thiele-sensei mit seiner starken Bindung zu Hirano-sensei. Prinzipiell ist dieses Phänomen auch kein Wunder: Kampfkunst, insbesondere das Koryu-Bujutsu, ist erst in den letzten 15-20 Jahren wirklich aktiv in Deutschland geworden. So ist die Katori Shinto ryu rund 15 Jahre aktiv und die Moto-ha Yoshin ryu rund 7 Jahre. Derartige Strukturen wie sie in Japan zu finden sind, sind dementsprechend nicht zu finden. Wie auch? Wichtig ist, dass die Verbindung nach Japan in einer stetigen Wechselwirkung stehen: Im Idealfall kommt Sensei einmal im Jahr nach Deutschland und eine Gruppe um den deutschen Verteter fliegt ein oder mehrmals nach Japan um sich weiterbilden zu lassen. Hierbei ist es dann auch wichtig, die Unterschiede im eigenen Training und der eigenen Dojo-Struktur zu erkennen. Oftmals ist japanisches Training härter und fordernder. Dies liegt nicht nur an dem höheren Level der Mitglieder in Japan, sondern auch an der oftmals sehr starken kulturellen Prägung. Und hier kommt wieder das eigene Ich ins Spiel: Manch japanischer Lehrer/Senior sieht zwischen einem japanischen und einem ausländischen Studenten keinen Unterschied. Wenn der Japaner sich nicht entsprechend benimmt, hagelt es Züchtigung und Zurechtweisung. Gleiches gilt für den Ausländer, im Guten wie im Schlechten. Da man Teil der Gruppe ist, spielt es keine Rolle welcher Nationalität man angehört. Im Ideallfall gibt es nur die Identität mit der Schule, nicht mit der Nationalität.

Wichtig ist, den kulturellen Kontext der Schule nicht zu vergessen. Die Worte SenseiSempaiKohai sind nicht nur leere Container, sondern spiegeln Prinzipien und Verhaltensweisen wieder. Uchi und Soto bilden auf der anderen Seite eine strikte Abtrennung zwischen einzelnen Gruppen und Interessenverbänden. Die eigene Verantwortung als Schüler darf nicht vernachlässigt werden und spiegelt sie sich auch nur im Kleinen wieder. Jeder Dienst an der Gruppe fördert ihr Vorankommen und Wachstum. Titel und Namen sind nicht von Bedeutung. Wichtig ist ein gesundes Miteinander mit klar definierten Regeln und Verhaltenweisen. Ein Dojo ist eben kein Kinderspielplatz sondern ein in sich geschlossenes Gesellschaftssystem. Dies möge man, vielleicht auch nur im Ansatz, im eigenen Training bedenken.

Es macht schon viel aus, wenn man beim nächsten gemeinsamen Trinken einfach eine Kiste Bier beisteuert. Die Gruppe wird es einem danken…

     大雨 – Ooame – starker Regen

Es ist kurz nach vier, der Regen prasselt in unbändigen Reihen vom Himmel herab auf das Gelände des Katori-Schreins in der Präfektur Chiba. Es ist schon nahezu dunkel geworden und es liegt eine fast mystische Ruhe über diesem Platz. Nein – eigentlich ist es nicht die Ruhe des Platzes, sondern die meine. Entspannt und mit einem Lächeln – ja, diese Situation hatte wirklich etwas komisches an sich, ging ich in Richtung Hauptschrein: In der einen Hand den Regenschirm, mehr schlecht als recht schützend und in der anderen den hochgezogegenen Hakama – schließlich möchte man nicht voller Matsch in eines der größten Shinto-Heiligtümer Japans eintreten…

Der Wind pfeift, der Regen ist unaufhaltbar vorangeschritten und erste kleine Seen sind erkennbar. Wir sitzen im Schrein und sind Teil einer Shinto-Zeremonie. Im Zuge jeden Gasshukus – also einer Art „Trainingslager“ – findet alljählich auch diese Art der Zeremonie am Katori-Schrein statt. Nur dass es dieses Jahr der Wettergott nicht wirklich gut mit uns meinte. Draußen stürmte und regnete aus Kübeln, die Krähen saßen scheiend auf den Dächern der umliegenden Gebäude und die Blätter der Bäume untermalten dieses kleine Orchester mit lautem Rasseln im Takte der Windböen.

Eigentlich war eine Vorführung zu Ehren der Gottheit vor dem Schrein angedacht. Nur dieses hätte bei dem Wetter nicht wirklich dem Status einer Gottheit entsprochen. Also wurde in kurzer Absprache mit der Organisation das Ganze in ein naheliegendes Gebäude verschoben. Dort, in Ausrichtung auf das Hauptgebäude des Katori-Jingu, wurde nun der Gottheit die seit Jahrhunderten überlieferte Kunst vom Katori-Schrein dargeboten. Es war wirklich ein bemerkendes Gefühl, welches mich in diesem Moment durchströmte. Selten zuvor wurde mein Körper beim Anblick meines Lehrers so durchgerüttel wie jetzt bei der Vorführung. Sein Kiai ging mir bis ins Mark und verweilte dort eine Weile bis meine innere und vermutlich auch äußerlich sichtbare Anspannung nachließ. Es war, als hätte für einen Moment Stille geherrscht, als hätte der Atem der Welt für einen Zug inne gehalten um nur die Gottheit und diesen Herren dort in zweisamer Ruhe darbieten  zu lassen.

Ich selbst durfte mit einem Freund aus Belgien ebenfalls der Gottheit unsere Kunst vorführen. Ich muss gestehen, es war meine erste öffentliche Vorführung in Japan und – persönlich gesehen – eine kleine Ehre. Wahrlich: Diese ganze Situation war mehr als sureal. All das Getöse von draußen drang nach innen und wir stimmten mit lautem, hallenden Kiai in dieses Singsang ein. Und selbst 2,3 Zuschauer verweilten für einen Moment vor dem kleinen Schauspiel und fragten sich vermutlich, was diese Herren dort oben gerade veranstalten. Ja, Kampfkunst – gerade das Koryu Bujutsu – ist in Japan weitesgehend unbekannt. Für manche sind wir einfach nur Samurai-Cosplayer und für andere – na ja, ihr könnt es euch denken…

Der geneigte Leser verzeihe mir bitte die manchmal etwas vielleicht zu bildlich gewählte Darstellung, doch es hat wirklich wie aus Eimern gegossen. Alles in Allem war das Gasshuku wirklich sehr gut. Es wurde gut trainiert – natürlich im Hombu-Dojo und im Beisein von Iizasa-soke sowie natürlich gut gegessen und getrunken. Wie jedes Jahr wurde das Gasshuku mit einem Besuch in einem gut 200 Jahre alten Unagi-Restaurant (Aal) eröffnet. Welch Gaumenschmauß! Der Tisch des abendlichen Banketts wurde reichlich gedeckt und Soke erzählte die ein oder andere Anekdote. Die Stimmung war gut und das Nijikai – also die Veranstaltung nach der eigentlichen Veranstaltung und nebenbei fast noch wichtiger als erstere – ging bis in die Nacht hinein. Es folgte ein kurzer Schlaf, ein gutes japanischen Frühstück und eine kleine Wanderung von 40 Minuten zu Fuß vom Ryokan zum Hombu-Dojo. Vier Ausländer, nur bekleidet in Hakama und Dogi – welch Anblick! Komischerweise waren gerade die Touristen es, die ungläublig dreinblickten. Den Einheimischen war dieses Schauspiel nicht unbekannt…
Es ging weiter mit ein paar Stunden Training – dieses Mal lag der Fokus auf den Langwaffen und dem Iai – und einem anschließendem Essen, wieder im Beisein des Soke und – wenn ich richtig verstanden habe – auch dessen Nachfolger. Dieser hat auf mich einen sehr netten Eindruck gemacht und er wird hoffentlich irgendwann auch wieder unterrichten.
Zu guter Letzt wurde das Dojo gereinigt und wieder verschlossen. Anschließend wurde dem Grab des Begründers noch ein kurzer Besuch abgestattet und die Heimreise konnte angetreten werden.


Für mich war es das zweite Gasshuku, aber das erste mit solch einer hohen Teilnehmerzahl. 13 Teilnehmer, davon 5 Ausländer, sowas hat man wirklich selten. Alle haben fleißig und konzentriert trainiert, auch wenn es den Anschein hatte, dass das Training im Hombu-Dojo in Anwesenheit von Soke gleich noch eine Spur – wie sagt man – intensiver ist. Ich war jedenfalls am Ende des Wochenendes mental und körperlich sehr, sehr müde. Aber es hat sich gelohnt!

Yours in Budo,

Micha


Hallo,

heute war ein wirklich besonderer Tag im Sugino-Dojo in Kawasaki: Die En ryu 円流 gab sich die Ehre und besuchte unser Dojo um ein gemeinsames Kôryûkai 交流会 abzuhalten. Das Wort Kôryû 交流 bedeutet dabei „Austausch“ und kai 会 „Treffen“ oder „Zusammenkunft“. Masaki-sensei und einiger seiner Schüler kamen, um uns einen Einblick in ihre Schule zu geben. Gezeigt wurden verschiedene Teile des Curriculums, darunter Kama-jutsu, Jojutsu, Taijutsu, Iaijutsu und einige andere Dinge. Im Anschluss demonstrieren die Mitglieder des Sugino-Dojo einen Teil des Curriculums der Shinto ryû 神道流. Da bist zum anschließenden Essen noch etwas Zeit blieb, ging es dann ans fachsimpeln und ausprobieren: Techniken wurden gezeigt, erläutert und im freundlichen Austausch wurde über die Matte geworfen, die Luft geschnitten und viel gelacht und erfahren. Alle hatten sichtlich Spaß und die Mitglieder der En ryu waren sehr freundlich und zuvorkommend. Ja – ich muss wirklich sagen: Jujutsu gefällt mir wahrlich! Insbesondere auch deren Jojutsu war sehr beeindruckend. Masaki-sensei bot eine wirklich eindrucksvolle Vorstellung.

Die En ryu ist noch relativ jung. Leider habe ich nicht wirklich viele Informationen, aber sie basiert auf der Asayama Ichiden ryu sowie der Muhi ryu. Kein Wunder: hatte mich schon gefragt, woher ich manche Kamae und Techniken kannte. Daher war meine Überraschung umso größer als im nachfolgenden Gespräch dieses geklärt worden ist.
Die Schule ist beheimatet in der Präfektur Kanagawa und ist so gut wie unbekannt. Keine Informationen im Netz, nichts auf Youtube. Sehr charmant wie ich finde…

Nach getaner Arbeit ging es dann zum gemeinsamen Feiern in ein nahegelegenes Restaurant. Bei gutem Essen und gutem Sake wurde dieser wundervolle Tag gebührend zelebriert. Beide Schulen werden im kommenden Jahr ein großes Embu zusammen machen – darauf freue ich mich schon sehr. Dann gibt es vielleicht auch ein paar bewegte Bilder.
Alle waren so nett und zuvorkommend, richtig herzlich und freundschaftlich. So muss gute Kampfkunst aussehen: Schweißtreibend im Dojo, erfrischend danach. Keiko hört halt nicht an der Dojo-Tür auf…

Ich für meinen Teil hatte ungemein viel Spaß und habe viel gelernt. Und im Dezember werde ich mich im voller Länger von ihrem Training überzeugen können…

Yours in Budo,

Micha

Hallo,

nun folgt endlich das kleine Review zum Lehrgang in Itzehoe. Zu Gast war Yasumoto Akiyoshi-sensei, Soke der Moto-ha yoshin ryu, um eben jene Schule über mehrere Tage zu unterrichten. Knapp 50 Schüler aus sechs verschiedenen Ländern hatten sich eingefunden, darunter eine große Gruppe aus Schottland sowie einige weitere Personen aus Dänemark, der Schweiz, der Ukraine und Italien. Knapp die Hälfte der Schüler kam aber aus heimischen Gefilden, genauer gesagt aus dem Dojo von Tim Weigel, 4. Dan Moto-ha yoshin ryu, Träger der okuden no maki und Inhaber des Yoshinkan Dojo in Itzehoe. Wir drei Südländer, also jene die südlich von Hamburg wohnen, sind am Freitag Abend angereist. Das eigentliche Seminar ging von Donnerstag bis Montag.

Während unserer Zeit in Itzehoe wurde intensiv die Grundschule der Moto-ha yoshin ryu trainiert: Kihon no kata, Kihon oku no kata sowie einige Techniken der Yoshin no kata. Auf Grund des fortgeschrittenen Alters und dem Gesundheitsbefinden Yasumoto-senseis führte dieser die Techniken vor dem Üben nicht aus. Dieses übernahm Tim Weigel assistiert von einem seiner Seniorschüler. Yasumoto-sensei ging daher die meiste Zeit durch die Reihen und korrigierte viele kleine Fehler und versuchte alle Schüler auf eine neue Ebene in ihrem Studium zu bringen. Small points, wie Sensei zu sagen pflegte, lagen ihm besonders am Herzen. Trotzdem konnte man beobachten, dass Yasumoto-sensei sich immer noch gut und präzise bewegen konnte. Jeden Hebel, jeden Wurf konnte er auf anschauliche Art und Weise den Schülern näher bringen. Auch Aspekte wie Haltung, Blick und die innere Einstellung waren ihm äußerst wichtig. Kleinere Anekdoten brachte er an jeder Ecke der Matte und erweckte den Eindruck eines Mannes, der wirklich viel in seinem Leben erlebt hatte.

Das Training mit den anderen klappte problemlos. Es wurde viel gedreht, gehebelt, geworfen und gelacht. Die vielen Sprachen vermischten sich später zu einer einzigen, universell verständlichen Sprache. Durch das gemeinsame Training verständigte man sich blind, ohne Worte und unnötige Floskeln. Es war ein richtig angenehmes Training.

Der Samstag Abend wurde in einem örtlichen Restaurant verbracht und bei allerlei leckerem Essen gab es das ein oder andere Gespräch über Gott und die Welt. Am Sonntag gab es dann noch einmal eine große Portion guten Trainings sowie im Anschluss diverse Kyu-bzw. Dan-Prüfungen.

Alles in allem bleibt nur eins zu sagen: Vielen Dank für das tolle Seminar! Die Stimmung war durchweg gut und alle waren sehr sympathisch und zuvorkommend. Itzehoe ist immer eine Reise wert.

Aber: das war noch nicht alles! Ein kleines (persönliches) Highlight fand am Dienstag in den Hallen des Aikido-Zen e.V. statt: Yasumoto-sensei gab sein Abschlusstraining bei uns in Bremen! Mit unseren Gästen aus Itzehoe waren wir knapp 20 Teilnehmer. Freunde aus Münster und Bremen waren zu Gast und genossen dieses kleine Einführungstraining in die Moto-ha yoshin ryu. Geübt wurde die Kihon no kata und alle bemühten sich, die Techniken nach bestem Können durchzuführen. Natürlich kamen die Teilnehmer auch in den Genuss die Schule „live und in Farbe“ anhand einer sehr beeindruckenden Vorführung erleben zu dürfen. Vielen Dank auch dafür!
Der Abend wurde dann ganz gemütlich in einem örtlichen Restaurant beendet. Alle waren kaputt und man sah noch diverse Köpfe rauchen – obwohl das eigentliche Training schon einige Zeit vorüber war.

Ich bedanke mich recht herzlich bei Yasumoto-sensei, der sich die Zeit genommen hat bei uns in Bremen vorbeizuschauen. Man hat selten die Gelegenheit, unter so einem guten Lehrer Kampfkunst studieren zu können. Mein Dank gilt insbesondere auch Tim Weigel für die tolle Organisation des Seminars in Itzehoe und die Vermittlung zwischen Yasumoto-sensei und den Mitgliedern des Aikido-Zen Dojo. Es war toll! Vielen, vielen Dank!

Yours in Budo,

Micha

Hallo,

am vergangenen Wochenende war es endlich soweit: Der zweite Moto-ha yôshin ryû Lehrgang in Bremen hat stattgefunden. Tim Weigel, chuden no maki und 4. Dan aus Itzehoe kam mit vier seiner Schüler nach Bremen um einen kleinen Einblick in das Curriculum der Schule zu geben. Die 12 Teilnehmer kamen größtenteils aus den Reihen des Aikido-Zen-Dojo, welches auch Ausrichter war, sowie von befreundeten Dojo, überwiegend aber alle Mitglieder der Tenshin Shôden Katori Shintô ryû.

Der Lehrgang unterteilte sich in den Hauptteil Moto-ha yôshin ryû wie auch eine Einführung in das Iaijutsu der Kanshin ryû. Letztere wurde erst das zweite Mal in Deutschland gezeigt.

Das Samstagstraining begann um 10:00 Uhr. Nach einem kurzem Aufwärmprogramm und einer Einführung in die Fallschule ging es an die ersten Techniken der Moto-ha yôshin ryû. Geübt wurden verschiedene Techniken (Waza) und Abwandlungen (Henka) der ersten beiden Kata. Im Zuge des Tages wurde das Gebiet der waffenlosen Techniken auch verlassen und man konnte einen Einblick in den Kampf mit dem Tanto und dem Hanbo bekommen. Die erste Einheit endete um 14:00 Uhr. Nach einer kleinen Stärkung ging es um 16:00 Uhr weiter.

Dieses Mal stand der Bo sowie das Schwert im Vordergrund. Die Bojutsu-Kata waren sehr dynamisch, direkt und kompromisslos. So wie es sich gehört. Ein weiterer Teil der Einheit bestand dann im Üben zweier Kata der Kanshin ryû. Tim Weigel ist einer der wenigen nicht-japanischen Schüler der Kanshin ryû. Die Techniken sind auf den erste Blick sehr ungewöhnlich. Auf den zweiten aber sehr realitätsbezogen und anwendbar. Faustschläge gehören ebenso dazu wie Schläge mit dem ungezogenen Schwert auf des Gegners Hände um diesen zu kontrollieren. Obwohl auch einige Anfänger im Iai anwesend waren, hatten alle viel Spaß an den knackigen Techniken der Kanshin ryû.

Um 19:00 Uhr endete die zweite Einheit und der Abend wurde gemütlich in einem Restaurant nicht weit ab vom Dojo verabschiedet.

Am Sonntag begann das Training wieder um 10:00 Uhr. Diese Einheit sollte dann bis 13:00 Uhr gehen. Die Übungen vom Vortrag wurden wiederholt und es wurden wieder Kata der Kanshin ryû geübt. Als Abschluss gab es dann noch eine schöne Hojojutsu-Technik (Fesselungskunst).

Alles in allem war es ein wirklich schönes Seminar. Jeder hatte viel Spaß und war mit Fleiß und der richtigen Einstellung bei der Sache. Die Stimmung war durchweg super und das Feedback am Sonntag tat ihr übriges. Ich hoffe, dass Tim Weigel und seine Schüler uns auch in Zukunft besuchen werden. Selten hat man die Gelegenheit mit solch netten Leuten unter so einem guten Lehrer zu üben. Vielen Dank!




Hallo,

ein Trainingskollege von mir ist für ein Jahr nach Hokkaido gegangen.

Seine Erfahrungen vom Training und Leben auf Hokkaido schildert er hier:

Meifumadou – Der Weiße Pfad der Hölle

Treffender Titel für das Leben auf Hokkaido… 🙂

An dieser Stelle wünsche ich Ihm alles Gute und hoffe das er seinen Weg finden wird. Auch wenn dieser auf den ersten Blick voller Steine sein sollte…

Yours in Budo,
Micha

"Wäre ich ein Tautropfen, so würde ich auf der Spitze eines Blattes Zuflucht suchen. Aber da ich ein Mensch bin, habe ich keinen Ort auf der ganzen Welt." - Saigo Takamori
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