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Hallo,

heute war ich mit einem Freund in Kanda, genauer gesagt eigentlich in Jimbocho. Das Viertel ist bekannt für allerlei Antiquariate für jedes nur erdenkliche Thema. Kein Wunder, dass sich dort auch der ein oder andere Laden findet, in dem der geneigte Anhänger der schönen Künste auch zum Zuge kommt.

Tja, und das kam heute dabei raus:

Ganz rechts: „Nakamura Taizaburo – Iaikendo“ aus dem Jahre 1974. Besonders nett sind die Tanren-Übungen am Ende des Buches. Mein Highlight!

Links daneben: „Osano Jun – Nihon Dento Bujutsu Shintai“ aus dem Jahre 1989. Rundumschlag durch einige Gebiete des Koryu-Bujutsu mit vielen, wirklich netten Bildern.

Die anderen beiden gab es als kleines Gimmick oben drauf. Ein paar schöne Bilder, sehr geschichtlich gehalten, aber ich mag die Serie einfach. Zudem ist in dem einen Buch etwas über die Shinsengumi geschrieben.

Tja, mein Bücherregal füllt sich so langsam. Preis der vier Bücher: knappe 40 Euro. Schnäppchen, wie ich finde.

Yours in Budo,

Micha

Das Embu war seit einigen Minuten vorbei.

Wirklich weit bin ich seit meiner Ankunft vor etwas mehr als vier Stunden nicht gekommen: Die Bühne war bereits aufgebaut und der Platz vor ihr war mehr als gut gefüllt. Allerhand Gruppen tummelten sich. Je länger man sich mit der Materie beschäftigt, desto eher erkennt man einige bekannte Individuen zwischen der großen Ansammlung dieser altehrwürdigen Schulen der Kriegskunst. Hier ein bekannter Soke, dort ein Shihan den man vor einigen Wochen noch auf DVD bewundern konnte. Die Stimmung war gut und jedem sah man die Lust auf diese Vorführung sichtlich an. Nachdem die letzte Gruppe ihre Vorführung beendet hatte – mit ein wenig Verspätung dank einer shintoistischen Hochzeit – begann der Abbau der Bühne und ich hatte endlich etwas Zeit, mir das Gelände des Kashima-Jingu ein wenig näher anzusehen. Die hohen Bäume, das Hauptgebäude des Schreins, das Gehege mit den Rehen – es kam mir alles doch wieder sehr vertraut vor: Vor knapp 5 Jahren war ich schon einmal hier. Auf den ersten Blick hatte sich nichts verändert, aber wenn man genau hinsah, konnte man noch Spuren des Erdbebens und des letzten Taifuns erkennen. Kashima wurde ebenfalls getroffen. Das große Taikai zu Ehren der Gottheit des Kashima Schreins stand daher auch unter dem Banner der Trauer und der Hoffnung nach dem großen Erdbeben vom 11. März 2011. Es sollte signalisieren: Wir sind immer noch hier.

Je weiter ich mich vom eigentlichen Schrein entfernte, desto näher kam ich an einen anderen Ort, der ebenfalls noch auf dem Gelände des Kashima Jingu zu finden ist. Ein, so sagt man, heiliger Teich mit einigen Koi-Karpfen darin war mein Ziel. Bevor ich mich auf den Weg zurück zum Bahnhof machen wollte, wäre ein Besuch bei diesen schönen Tieren sicher lohnenswert. Und das war es! Nicht nur die Krähen sind in Japan groß – die Fische stehen ihnen in nichts nach! Besonders diese hier, mit ihren schönen Mustern, der ruhigen Eleganz, wie sie so bestimmt und ohne Ziel durchs Wasser gleiten. Wahrlich ein toller Anblick!
Ich wollte mich also auf den Heimweg machen, als plötzlich das Spiel einer Flöte in mein Ohr drang. Als ich dem Geräusch nachging, sah ich, dass ein Mann im Schutze eines Pavillions eine sehr asiatisch klingende Melodie auf seiner Flöte spielte. Wie ich später erfuhr, handelte es sich bei diesem Instrument um eine Okarina und der Mann ist Mitglied einer Gruppe von Musikern, die sich der Natur sehr verbunden fühlt und daher oftmals in Wäldern und Parks spielt. Der Klang der Flöte hatte es mir jedenfalls ungemein angetan und ich wollte diesen Mann kennen lernen.



Kamimori-san ist leidenschaftlicher Flötenspieler und nahm sich ein wenig Zeit, mir seine Instrumente zu zeigen und zu demonstrieren. Dieses tat er anhand eines Songs, den ich früher oftmals bei meinen Eltern im Radio gehört habe: Top of the World von The Carpenters. Schon irgendwie komisch: Da sitzt man auf dem Gelände eines der größten Shinto-Heiligtümer Japans und lässt die Gedanken schweifen beim Hören von The Carpenters. Irgendwie surreal…
Nachdem das Flötenspiel vorüber war, bedankte ich mich und zog wieder meines Weges. Der Bahnhof war nicht weit, ca. 10 Minuten bei gutem Schritt und nicht ganz so skrupellosen Autofahrern. Eine Station lag allerdings noch vor mir – ein Besuch der Statue von Tsukuhara Bokuden. Diese befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof. Er schaut dabei von einer leichten Anhöhe auf sein Land hinab – dort, wo er vor Jahrhunderten die Kampfkunst erlernte und bis heute als Legende verehrt wird.

Diese Stadt lebt, liebt ihre Geschichte.

Wahrlich.



Tja Freunde, was soll ich sagen? Es war toll! So ein Embu, gerade in solch einer Umgebung, macht einfach ungemein viel Spaß! Die Gruppen hatten sichtlich ihre Freude und das Publikum war auch guter Dinge. Manchmal hatte man sogar das Gefühl, dass einige Gruppen eigene Groupies mitgebracht hatten, damit diese nach der jeweiligen Vorführung für ordentlich Geklatsche sorgen konnten. Komischerweise war diesbezüglich die Katori Shinto ryu ganz vorne mit dabei…
Ingesamt nahmen 32 Gruppen an den Feierlichkeiten teil. Die Ehre der Eröffnung gebührte natürlich – wer hätte es anders gedacht – der Kashima Shinto ryu, der, so kann man fast sagen, Hausschule des Kashima Jingu. Es war ein wirklicher Tag im Sinne des Schreins und Tsukahara Bokudens, dem Begründer der Kashima Shinto ryu. Überall hangen Plakate und Poster, wurden Flyer und Handzettel verteilt, die die neue Serie des Privatsenders NHK BS bewerben sollte. Den am gestrigen Sonntag lief der Pilot. Und ich muss sagen: so schlecht war er gar nicht mal…

Kommen wir aber (endlich!) zu den wirklich interessanten Dingen: Den Videos & Fotos! Viel Spaß damit!
Und immer daran denken: Das nächste Embu, kommt bestimmt…

Hokushin Itto ryu Kenjutsu

Muhi Muteki ryu Jojutsu

Motobu ryu Udundi

Muso Jikiden Eishin ryu Komei Jyuku Iaijutsu

Daito ryu Aikijujutsu

Jikishinkage ryu Naginatajutsu

Shibukawa ryu Jujutsu

Shingyoto ryu Kenjutsu

Iga ryu Katsushin ryu Jujutsu

Yagyu Shingan ryu Katchu Heiho

Enshin ryu Suemonogiri 1

Enshin ryu Suemonogiri 2

Shingetsu Muso Yanagi ryu

Sekiguchi ryu

Jigen ryu Hyoho

Takenouchi ryu Jujutsu

Zum Schluss noch ein paar Fotos. Bitte verzeiht die eher bescheidene Qualität, aber ich habe sie während der Videoaufzeichung aufgenommen.

Yours in Budo,
Micha

"Wäre ich ein Tautropfen, so würde ich auf der Spitze eines Blattes Zuflucht suchen. Aber da ich ein Mensch bin, habe ich keinen Ort auf der ganzen Welt." - Saigo Takamori
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