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Im Zuge des Abschlusses des Antikominternpakts im Jahre 1936 zwischen dem Deutschen Reich und dem Japanischen Kaiserreich, kam es in den folgenden Jahren zu diversen Besuchen auf politischer und kultureller Ebene, insbesondere auch auf dem Gebiet des Jugendaustauschs: Im Frühjahr 1938 machte sich erstmals eine Delegation aus Japan auf den Weg nach Europa. Der Grund: Die Verbreitung japanischer Sportarten, insbesondere des Jûdô und Kendô. Die Hauptakteure, 12 junge Studenten nahmhafter Universitäten, bereisten innerhalb von drei Monaten Italien, Deutschland und Frankreich und trafen während ihrer Zeit nicht nur auf hochranrige Mitglieder der jeweiligen herrschenden Schicht, sei es Mussolini oder aber Adolf Hitler, sondern boten darüber hinaus mehrmals die Gelgenheit zum sportlichen Austausch. Dieses Reise wird in einem späteren Artikel noch näher betrachtet, doch im Folgenden wird auf das Pendant von deutscher Seite aus eingangen.

Am 16. August 1938 erreicht eine 30 köpfige Gruppe der Hitlerjugend Japan per Schiff der Norddeutschen Lloyd Gneisenau den Hafen von Yokohama im Zuge des Deutsch-Japanischen Jugendaustauschs. Unter tosendem Applaus wurde sie am nächsten Tag am Bahnhof Tôkyô von einer Menge jubelnder Japaner empfangen. Während ihres dreimonatigen Aufenthalts im Land der aufgehenden Sonne bereiste die Gruppe zahlreiche Plätze und absolvierte eigens für sie organisierte Schulungen zur japanischen Kultur und Mentalität und knüpfte, insbesondere mit der japanischen Vereinigung junger Männer, einige Kontakte. Die Japan Times titelte in ihrer Ausgabe vom 18. September 1938: „Willkommen, Hitlerjugend!“. Nahmhafte Firmen deutschen wie auch japanischen Ursprungs schalteten grossflächige Werbeanzeigen, darunter Bosch und Leitz und die Ausgabe war fast ausschliesslich diesem Ereignis gewidmet.

Wieso ist nun aber diese Reise aus Sicht der Kampfkunst von Interesse? Nun, während ihrer Zeit in Japan war die Gruppe ebenfalls an einer Vorführung altjapanischer Kampfkünste in der Nationalsporthalle in Kanda, Tôkyô am 15. September anwesend. Bereits an dem Tag hatten sie das Kriegsmuseum am Yasukuni-Schrein, dem Yûshûkan, einen Besuch abgestattet und anschliessend mit dem Minister für Bildung und Erziehrung, Herrn Araki, zu Mittag gegessen. Die Vorführung selbst begann um 14:30 Uhr und endete um 15:40 Uhr. Organisator war die Vereinigung für Japanische Kultur. Zu Beginn gab es eine shintoisitische Zeremonie gefolgt von einigen einleitenden Worten von Koyama Matsukichi, dem Direktor der Vereinigung. Die erste Darbietung der Vorführung kam von Seiten der Takeda ryû, welche ihr Jingaijutsu zeigte, die Signalgebung mit Hilfe einer Muschel. Es folgten weitere Darbietungen im Iaijutsu (Tatsumi ryû), Jûjutsu (Shinkage ryû, Shinnoshindô ryû, Sosuishitsu ryû), Jôjutsu (Shintô Musô ryû), Naginatajutsu (Tendô ryû), Kudayajutsu (Heki ryû) und einige weitere. Die Katori Shintô ryû war ebenfalls anwesend und zeigte ihr Tachijutsu, Bôjutsu und Sôjutsu. Shiina Ichizô-sensei sowie Sugino Yoshio-sensei und einige weitere Mitglieder seiner Familie waren die Vorführenden. Ihre Gruppe war mit fünf Teilnehmern auch die Grösste an diesem Tag. Von der gesamten Reise wurde ebenfalls ein Film angefertigt, der in den folgenden Monaten sowohl in Japan wie auch in Deutschland gezeigt worden ist. Ob diese Vorführung ebenfalls dort zu sehen ist, ist nach jetzigem Informationsstand nicht ganz klar.

Was sagt uns dieses jetzt aber? Zunächst einmal soviel, dass die japapanische Regierung es für wichtig erachtet hatte, die klassischen Kampfkünste ihren Besuchern zu zeigen. Obwohl auch der Kôdôkan sowie eine Schule für Sumô besucht worden sind, wurde eigens für die Koryû eine Veranstaltung organisiert. Desweiteren wird ebenfalls unterstrichen, welch Stellung die Sugino-Familie zu dem Zeitpunkt (und auch in den folgenden Jahrzehnten) hatte. Die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg war geprägt von einer Reihe wichtiger Enbu, darunter die vier grossen Enbu zur Gründung der Nihon Kobudô Shinkôkai im Jahre 1935. Eines der spannendsten Enbu ist aber vermutlich jenes in Berlin im Jahre 1938, zur Zeit als die 12 Stundenten aus Japan in Europa weilten. Dieses wird in einem separaten Artikel zur gegebener Zeit veröffentlicht. Nur soviel sei verraten: Es fanden nicht nur Kendô- und Judôvorführungen statt. Tameshigiri, Iai und auch Katori Shintô ryû wurden gezeigt. Im Beisein von Adolf Hitler und in Answesenheit von Yoshio Sugino als einer der Vorführenden…

Anmerkung: In den kommenden Monaten wird es vermutlich auch zu dieser Vorführung noch neue Informationen und Erkenntnisse geben und sobald Alle bestmöglich zusammen getragen wurden, wird es einen weiteren, grossen und ausführlicheren Artikel zu diesem Thema geben.

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"Wäre ich ein Tautropfen, so würde ich auf der Spitze eines Blattes Zuflucht suchen. Aber da ich ein Mensch bin, habe ich keinen Ort auf der ganzen Welt." - Saigo Takamori
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