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Wie im Beitrag über meine Fahrt nach Mie angekündigt, hier also ein Weiterer über die Shingyôtô ryû und das Enbujô aus der Rubik: „Das Dôjô. Kampf. Kunst. Kultur“

Kameyama ist der Sitz der Shingyôtô ryû, so wie sie von Yamazaki Setsuryûken im Jahre 1864 aus Edo nach Kameyama gebracht worden ist. Bei meinem Besuch im August 2013 konnte ich Dank Kobayashi-sensei, momentaner Lehrverantwortlicher, einen Blick in die Hallen des Dôjôs werfen.

Das alte Dôjô wurde von einem Bushi aus der Kameyama-han – Yamazaki Setsuryûken – im Jahre 1865 errichtet (Yamazaki war zum Zeitpunkt seiner Rückkehr nach Kameyama im Jahr 1864 37 Jahre alt). Yamazaki lernte Shingyôtô ryû im Iba-Dôjô (einem der vier großen Dôjô der Bakumatsu-Zeit) und wurde nach Erhalt der Menkyo Kaiden-Lizenz (er fungierte zudem als Shihan-dai, also als Lehrkraft im Dôjô) und der Rückkehr nach Kameyama Lehrer für Kenjutsu in der Kameyama-han.

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In der Lehrlinie der Shingyôtô ryû aus Kameyama nimmt Kobayashi-sensei, der Herr der mir freundlicherweise das Enbujô gezeigt hat, den 6. Platz als Shihan der Schule ein. 1865 beauftragte Ishigawa Fusanobu (15. Oberhaupt der Kameyama-han) Yamazaki mit dem Bau eines Budôjô, einem Ort zum Studium des Weg der Kriegskünste. Als Ort wählte er das heutige Minamino-chô. Yamazaki orientierte sich dabei an den baulichen Eigenschaften des Iba-Dôjô in Edo. Das Dôjô hatte dabei eine Grundfläche von 50 Tsubo (ca. 165m²). Von dieser Zeit an trug das Dôjô den Namen „Enbujô“. Bis zu jener Zeit wurden allerdings primär andere Schulen unterrichtet, darunter Yagyû Shinkage ryû sowie Kashima Shintô ryû, doch wurde dieses im Jahre 1870 duch ein Dekret von Ishikawa Noriyuki (16. Oberhaupt der Kameyama-han) geändert, welches besagte, dass von nun an nur noch die Shingyôtô ryû als einzige Schule für die Krieger der Kameyama-han gelehrt werden solle.

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Nach Abschaffung der Daimyate im Jahre 1871 gewährte man Yamazaki trotzdem die Forführung seines Unterichts, und selbst mit Verkündung des Haitôrei, der Aufhebung des Rechts zur Tragung des Schwertpaares in 1876, wurde der Unterricht fortgeführt. Mit eigenem Geld kaufte er Ausrüstung, darunter Keikogi, Shinai, Bogû, etc. und stellte sie seinen Schülern kostenfrei zur Verfügung, welches anhielt, bis sie selbst eine Anstellung gefunden hatten und die Kosten aufbringen konnten. Zur Instandhaltung und Verwaltung des Enbujô wurde eine Organisation mit Namen „Sekishinsha“ begründet, welche zum Teil von den Schülern verwaltet worden ist (und heutzutage immer noch existiert).

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Im Jahre 1882 wurde auf Geheiß des Sekishinsha das Dôjô-Gebäude in das heutige Honmaru-chô umgesetzt. Im Jahr 1893 kam es zu einem Vorfall und Yamazaki wählte den Freitod durch Seppkuku. Am 1. Oktober 1899 errichteten die Schüler ihm zu Ehren einen Grabstein, zu dessem Fuß sie das Tantô, mit welchem Yamazaki Seppuku beging, vergruben. Im Jahre 1907 wurde das Enbujô nochmals verlegt, dieses Mal jedoch an den Platz, an dem es auch heutzutage noch zu finden ist. 1950 wurde das Gebäude als Kulturgut der Stadt Kameyama ausgezeichnet. Im darauffolgendem Jahr wurde diese Ehre auch der Shingyôtô ryû zuteil.

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1970 zog die Präfektur Mie nach und erkannte ebenfalls die Schule als präfekturales Kulturgut an. Am 16. Januar 1985 ereignete sich allerdings eine Tragödie und das Dôjô fiel einem Feuer zum Opfer. Durch die Hilfe vieler Freiwilliger konnte das Dôjô jedoch wieder aufgebaut werden und drei Jahre später (1988) wiedereröffnet werden. Man orientierte sich dabei am alten Enbujô und versuchte den Neubau – von innen wie auch von außen – so nah wie möglich am Original zu halten.

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Soviel also zur Geschichte des Enbujô. Ich hatte Glück, da als Kobayashi-sensei den Anfruf bekam, er schon halb auf dem Weg in die Stadt war.

Kobayashi-sensei war so freundlich und stellte sich geduldig meinen Fragen und erklärte mir die Geschichte der Schule sehr eingehend. Die Zahl der Praktizierenden beläuft sich auf momentan knapp 25 Mitglieder. Der Boden besteht aus Kiefernholz und war so, wie man sich einen Dôjô-Boden vorzustellen hat: Wohl benutzt, leicht federnd, guten Halt bietend, einfach perfekt. Nach etwas mehr als einer halben Stunde bekam ich noch ein paar Flyer und wir verabredeten uns für den kommenden Sonntag – geplant war das Kensosai, das Enbu zu Ehren von Aisu Ikôsai in Minami-Ise. Dazu aber später mehr.

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Anbei ein Video der Shingyôtô ryû, aufgenommen am Kashima Jingû, 2011:

Yours in Budô,

Micha

Beim folgenden Artikel handelt es sich um einen Erlebnisbericht meines Besuchs im Shunpûkan Dôjô in Nagoya und entstammt der Reihe „Das Dôjô: Kampf. Kunst. Kultur„.

Ein strenger Geruch lag in der Luft: Die kleine, grüne Spirale glimmte langsam, aber beständig, und verbreitete um den Ort wo ich Platz genommen hatte ein gewisses Sicherheitsgefühl, sollte es doch die Mücken – die mich hier in Japan scheinbar ganz besonders gerne stechen – von Sensei und mir fern halten. Sensei saß auf einem kleinen Stuhl und beobachtete unter wachsamen Augen das Tun und Machen seiner Schüler. Es waren gut 15 von Ihnen anwesend und gerade sollten die Techniken des Ôdachi geübt werden. Langsame, manchmal stockende aber bestimmte Bewegungen bei den einen, denen, die noch nicht weit fortgeschritten waren; schnelle, kleine, auf den Punkt gebrachte Bewegungen bei den Anderen.

„Michael, wissen Sie, in den Alten Zeiten war es unpraktisch, Techniken über Techniken, endlose Sequenzen von Techniken zu üben. Man wusste nie, wann man in die Schlacht ziehen musste und wenn man nur einen Teil gelernt hatte, fehlte einem immer noch der Rest um den Kreis zu schließen. Obwohl es auch in der Shinkage ryû lange Technikabfolgen gibt, so beginnt jedes Studium mit einem Schnitt, dem, der über Leben und Tod entscheidet. Stellen Sie sich einen Kreis vor. An einem Punkt befindet sich dieser eine Schnitt. Im Laufe ihres Studium kommen sie an vielen Punkten vorbei, Techniken, die es Ihnen ermöglichen, ihre Perspektive auf ihre Schule von Neuem erleben zu können. Am Ende kommen Sie aber immer wieder an dieser einen Technik vorbei, jener über Leben und Tod. Hier im Dôjô lehre ich meinen Schülern von Anfang an, dass es keine Abstufungen und Beschränkungen gibt. Nach zwei Jahren haben sie alle Techniken gelernt, doch sind es erst die Kuden, die diese nach und nach zum Leben erwecken und aus der rohen Form etwas Höheres schaffen. Im Speerkampf beginnt der Schüler von Anfang an mit dem Shiai, dem Kampf Mann gegen Mann, bevor er an die Kata und andere Dingen herangeführt wird. Wir zeigen ihm, wie man dem Speer gebraucht und leiten ihn an, diesen effektiv zu gebrauchen. Heutzutage fehlt es den Schulen des Kobudô an dieser Auseinandersetzung Mann gegen Mann. Natürlich, diese Techniken sind gefährlich und dienem einzig und allein dem Zweck, dem Gegenüber Schaden zuzufügen. Daher benutzen wir Schutzausrüstung, die seit Jahrhunderten überliefert worden ist. Auch unsere Fukurôshinai sollen dem Schüler die Möglichkeit geben, schneidend und empfangend das Gefühl eines Schnittes so gut es geht zu empfinden. Katageiko ist sehr gut, aber nur die möglichst echte Herausforderung durch einen Kampf macht aus der leeren Form eine Lebendige. Ich habe mich 70 Jahre den Kampfkünsten hingegeben und gebe jedem, der ernsthaft lernen möchte, mein Wissen mit Freuden weiter. Im Dôjô sind alle gleich, ob Japaner oder Ausländer. Wir alle folgen dem Weg in den Kampfkünsten, und das macht mich glücklich.“

Das Shunpûkan Dôjô 春風館道場 in Nagoya ist seit vielen Jahren Heimat der Owari-kan ryû, einer Schule des Speerkampfes. Die Techniken der Shinkage ryû, welche in der Owari-han gelehrt wurden, finden sich hier ebenso wie die Techniken der Enmei ryû, der Schule von Miyamoto Musashi. Durch einen Freund und Mitglied im Shunpûkan wurde ich Katô-sensei, dem Hauptlehrer der Schule, vorgestellt. Sensei war sehr nett und äußerst interessiert an meinem Background in der Shintô ryû und wie wir diverse Aspekte des Bujutsu durch unsere Techniken angehen. Es waren drei Stunden voller Wissen und einer Einführung in die Schulen des Shunpûkan. Sensei war insbesondere auch an den europäischen Techniken des Speerkampfes interessiert und hat explizit darauf hingewiesen, dass beide Arten, die japanische wie die europäische, die gleichen Wurzeln und Prinzipien verkörpern. Insbesondere die Wichtigkeit der Fuß- und Hüftarbeit hat er auf anschauliche Art und Weise dargestellt. Oftmals hat er mich gebeten, ihn mit einem Fukuroshinai anzugreifen, sodass er Techniken der Shinkage ryû ein wenig näher erläutern konnte. Auch war es ihm wichtig aufzuzeigen, wie z.B. ein Jô auf dem Schlachtfeld genutzt werden konnte: Anstatt reiner Holzwaffen verwendete man speziell angefertigte, mit Metalkern und Holzeinlagen, welche anschließend mit Urushi lackiert worden sind.
Im Laufe des Abends wurden verschiedene Waffengattungen trainiert, am interessantesten dabei waren die Speerkämpfe in Rüstung. Auch die Techniken des Odachi hatte ich zum ersten Mal aus der Nähe sehen können, welche ein altes Überbleibsel aus den Techniken der Kage ryû darstellen. Sensei hat förmlich gesprudelt: Ihm sei es wichtig, dass seine Schüler sich in stetiger Entwicklung befinden und auch reflektieren, was sie überhaupt machen. Daher bezeichnet er sein Dôjô auch als einen Ort zur Erforschung der Kampfkünste. Der Abend endete mit einer gemeinsamen Tasse Tee und leichtem Gebäck, doch zuvor durfte ich mich selbst an der Grundübung des Speeres probieren, in der Handhabung des Kuda-Yari und bekam zudem einen kleinen Einblick in die Nutzung des Kabutowari.

Das Dôjô an sich hatte einen wunderschönen, dunklen Holzfußboden. Diverse Waffen hangen und standen an den Wänden, darunter Yari von mehr als 3 Metern Länge, Naginata, Jizaiken, Ôdachi, Fukurôshinai in allen erdenklichen Ausführungen, Kabutowari, diverse Rüstungen, hölzerne und metallene Rokushakubô, stumpfe Übungsschwerter aus Metall und viele weitere Trainingsgeräte. Das Gebäude an sich steht im direkten Besitz von Katô-sensei: Im Erdgeschoss sowie im ersten Stock befanden sich die Räumlichkeiten seiner Firma zur Metallbearbeitung und im Zweiten das eigentliche Dôjô mit Anschluss an das anliegende Wohnhaus. Interessant war auch der kleine Shintô-Schrein auf einem Nebendach des Dôjô.

Katô-sensei ist 85 Jahre alt, doch spürte ich keine Anzeichen des Alters oder irgendwelcher Gebrechen. Als er mit Bokutô vor mir stand, dessen Spitze auf meine Kehle zeigend, ein Blick wie ein Fels, da wusste ich, dass ich einem wirklichen Lehrer und Meister gegenüber stand. Ihm lag viel daran, mir die kleinen Details seiner Lehre ein wenig näher zu bringen. Insbesondere auch das richtige Te-no-uchi lag ihm am Herzen, welches er mir im Detail erklärte. Zudem war es ihm wichtig zu zeigen, dass der Yari in der Owari-kan ryu eine überwiegend schneidende Waffe ist. Auch die Spezialität der Schule, eine spiralförmige Stichbewegung zu erzeugen, wurde mir auf anschauliche Art und Weise gezeigt.
Ebenfalls interessant zu beobachten war die Art und Weise, wie miteinander umgegangen wurde: Als kurz vor 19 Uhr die Schüler nach und nach eintrafen, unterbrachen diejenigen, die schon anwesend waren, ihr Tun und Machen und setzen sich in Richtung des Neuankömmlings auf den Boden. Letzterer tat es ihnen gleich und grüßte zunächst Sensei mit einem „Guten Abend“ und einer Verbeugung und bat anschliessend um Unterricht. Dieses wiederholte er an die anderen gerichtet ein zweites Mal, welche dieses ebenfalls sprachlich und durch eine Verbeugugn erwiederten. Mit jedem Mal wenn ein Schüler das Dôjô betrat, wurde dieses kurze Ritual von Neuem ausgeführt.

Es war ein interessanter und lehrreicher Abend im Shunpûkan Dôjô, zumal ich auch die Gelgenheit hatte, mich von einem Freund zu verabschieden, bevor es in drei Wochen wieder zurück nach Deutschland gehen soll. Alle waren sehr offen und Katô-sensei hat sich in seinen Fragen und Antworten nicht zurück gehalten.
Nach mehr als drei Stunden ging es glücklich und mit einer Visitenkarten sowie einem Infoheft über das Dôjô zurück in Richtung Nagoya-Station. Sollte ich noch einmal die Gelegenheit bekommen, dass Shunpûkan Dôjô zu besuchen, würde ich diese auf jedenfall wahrnehmen.

Kobudô muss bewahrt werden, als lebendige Kunst mit dem Anspruch, eine jahrhundertealte Kriegskunst in die Moderne zu tragen – das Shunpûkan Dôjô ist hierfür ein sehr gutes Beispiel.

Yours in Budo,
Micha

Hallo,

am letzten Samstag hatte ich die Gelegenheit eine ganz besondere Schule für Schwertkunst zu besuchen. Genauer gesagt handelte es sich dabei um die Kôgen Ittô ryû, einer Schule die in der heutigen Präfektur Saitama in der Stadt Ogano angesiedelt ist. Im folgenden, neuen Artikel meiner Serie „Das Dôjô: Kampf. Kunst. Kultur„, möchte ich diesen wirklich ganz besonderen Ort ein wenig näher vorstellen.

Kôgen Ittô ryû 甲源一刀流 – Henmi Dôjô 逸見道場


Wenn mich eine Sache hier in Japan immer wieder erstaunt, dann ist es die Tatsache, dass Japaner sehr hilfsbereit und zuvorkommend sind. Manche mögen dieses vielleicht als – nun ja – übertrieben ansehen bzw. als eine Art Schutzmechanismus, um großes Übel, welches der unwissende Ausländer anrichten könnte, zu umgehen. Ich glaube jedoch, der Busfahrer der Linie Richtung Ogano, der mich als einzigen Fahrgast begrüßt hatte, war einfach nur sehr freundlich und glücklich darüber, dass sich eine Langnase hierhin verirrt hatte. Ich hatte ihn gefragt, wie man am besten nach Ogano kommen könnte. Die Busse fuhren nur einmal die Stunde und ich war schon etwas spät dran und wollte unter keinen Umständen meinen Zug Richtung Kawasaki verpassen.
Die Region Chichibu in der Präfektur Saitama ist von Tokyo in ungefährt 2 Stunden mit dem Zug zu erreichen. Die bergige Landschaft ist beliebt bei Wochenendtouristen und so war es auch kein Wunder, dass der Zug Richtung Chichibu allerhand Wanderer transportierte.

„Henmi Dojo?“ – fragte mich der Busfahrer. Ich war etwas erstaunt, denn mit dieser Frage hatte ich nicht gerechnet. „Ja“, antworte ich leicht verduzt. „Haben Sie vorher einen Termin abgemacht? Manchmal ist die Familie nicht da, dann wäre Ihr Weg ganz umsonst gewesen“.  – „Ich hatte versucht sie zu erreichen, nur leider blieben meine Anrufe unbeantwortet. So dachte ich mir: Fährst einfach mal auf gut Glück hin und schaust was passiert…“ – „Ah, ich verstehe *lacht*. Warten Sie, ich rufe eben dort an und gebe Henmi-sensei Bescheid, dass Sie auf dem Weg sind.“
Nun war es um meine Fassung ganz geschehen. Das hatte ich wirklich nicht erwartet. Der Busfahrer kramte nun wie wild in seiner Fahrertasche und wählte anschließend eine Nummer auf seinem Mobiltelefon. Am anderen Ende wurde abgenommen – wie ich später erfuhr von Henmi-sensei, dem Sohn des 9. Sôke und genauer gesagt auch dessen Nachfolger.
„Henmi-sensei weiß Bescheid. Er erwartet Sie. Wenn Sie sich jetzt setzen würden, könnte ich Sie gleich dorthin bringen. Sie müssten nur vorher einmal umsteigen, aber ich sag meinem Kollegen, dass er Sie direkt an der Straße zum Dojo rauslassen soll – dann müssen Sie nicht den Weg von der Haltestelle zurück laufen.“
Mein Körper machte instinktiv eine seeehr tiefe Verbeugung mit allerhand verbalen Dankesbekundungen. Ich hatte also doch großes Glück: Jemand war gerade daheim und würde mich empfangen. Das es sich dabei um den zukünftigen Sôke handelte war umso besser.
Die Kôgen Ittô ryû ist primär eine Schule für Schwertkunst, beinhaltet aber auch einige Kata mit der Naginata und in früheren Zeiten gehörte auch Iaijutsu zum Curriculum. Letzteres scheint aber im Laufe der Jahrzehnte verloren gegangen zu sein. Begründet wurde sie von Henmi Tashiro Yoshitoshi im Jahre 1783. Dieser war Schüler von Sakurai Gosuke Nagamasa, einem Mitglied der Mizoguchi-ha Ittô ryû. Mit steigender Erfahrung änderte sich diese Schüler-/Lehrerrolle und Sakurai ging seinerseits bei Henmi in die Lehre, um seine Form der Schwertkunst, die er Kôgen Ittô ryû nannte, zu erlernen. Sakurai Gosuke Nagamasa blieb für sehr lange Zeit in Chichibu bei der Familie Henmi und wurde später auch mit im Familiengrab der Henmi beerdigt. Die Henmi-Familie waren nicht Vasallen eines bestimmten Fürsten oder gehörten einer bestimmten Burg-Stadt an. Sie hatten ihr eigenes Land, welches sie bestellten und unterrichteten jeden, der gewillt war, auf ihren Feldern zu arbeiten. Training am Morgen und am Abend, dazwischen Arbeit auf dem Feld, um dieses zu bezahlen.


Aus der Zeit des Begründers stammt auch der Bau des Dôjô, dessen offizieller Name „Yobukan“ lautet. Obwohl es im Laufe der Jahre ausgebessert worden ist – im letzten Jahr bekam das Gebäude z.B. ein neues Dach – so sind die Grundpfeiler, Stützpfeiler und viele andere Bauelemente nun über 200 Jahre alt. Das Dôjô an sich ist relativ klein – verglichen mit den Dôjô in unserer heutigen Zeit. Es hat in etwa die Ausmaße 15m * 5m und einen wirklich wunderbaren Holzfußboden. Ich weiß nicht wieso, aber jedesmal wenn ich solch alte Dôjô betrete, sei es damals in Matsushiro oder das Honbu-Dôjô der Katori Shintô ryû, muss ich unweigerlich mit meinen Händen über den Boden fahren. Ich bekomme immer eine Gänsehaut, wenn ich solch alt-ehrwürdige Orte besuchen darf. In ihnen spiegeln sich die Erfahrungen und Erlebnisse vergangener Kämpfer und Schüler wieder. Hunderte Schüler standen hier Seite an Seite, schlugen mit ihren Bokuto aufeinander ein, lauschten den Erklärungen ihrer Lehrer, um später hinaus zu  gehen um eigene Schulen zu begründen oder den Namen ihres Lehrer und ihrer Schule in die Welt zu tragen. Mit der Berührung dieses Bodens wollte ich wohl einfach nur einen kleinen Teil dessen spüren, was hier einmal von Statten gegangen ist.


Betritt man das Dôjô, so hängt auf der linken Wandseite eine Kalligraphie mit dem Namen des Dôjô.  Dreht man sich ein wenig weiter, wird ein kleiner Nebenbereich sichtbar. Hier saßen früher die Lehrer auf ihren Tatami-Matten und beobachten die Schüler beim Training. Schwertständer und ein Bild des 5. Sôke zieren die Wände. Desweiteren gibt es einen kleinen Hausschrein. Auf den ersten Blick nicht ersichtlich – genauer gesagt nur dann, wenn man sich im Lehrerbereich befindet – ist ein weiter Waffenständer, der allerhand Langwaffen trägt. Darunter auch einen Yari. Wie ich später erfuhr, wurden diese Waffen in früheren Tagen im Falle eines Dôjô-Yaburi, also einer Aufforderung zum Kampf mit den Mitgliedern der Schule, verwendet. Die Herausforderer sollten nicht die Möglichkeit auf einen Kampf mit scharfen Waffen gestattet bekommen. Also trug man einige Waffen im Dôjô zusammen, welche heute immer noch dort hängen. Im rechten Teil unter der Decke hängt zudem eine alte Sänfte. Welch merkwürdiger Anblick…
Über die Techniken der Schule kann ich recht wenig sagen. Weiter unten gibt es aber nachher ein sehr schönes Video, welches ein wenig Einsicht in die Schule gewährt. Die Schule selbst ist äußert populär in Saitama, in alten Tagen wie auch jetzt. Es gibt mehrere Dôjô und die Zahl der Praktizierenden hält ein sehr gesundes Maß. Während der Meiji-Zeit wurde eine Liste mit allen Schülern seit der Gründungszeit veröffentlicht. Mehr als 2500 Namen finden sich dort und Henmi-sensei sagte mir, sein Vater hätte noch erlebt, wie Freunde und Schüler von ihm meinten, selbst Verwandte dort in der Liste erkannt zu haben. Diese Art der Listen hängt an vielen Plätzen, zumeist an Schreinen in der näheren Umgebung um den Ort Ogano. Eine davon, gewidmet dem Yasukuni-Schrein in Tôkyô, hängt heute im Museum der Schule, welches sich in unmittelbarer Nähe zum Dôjô befindet und vor gut 30 Jahren von der Stadt Ogano gestiftet worden ist. Im Museum selbst finden sich einige wirklich tolle Exponate: Densho, Makimono, alte Rollbilder, Waffen, Bilder diverser Sôke und vieles mehr. Besonders interessant war ein Schriftstück, das älteste in der Sammlung, aus der Zeit vom Begründer. Dabei handelt es sich um eine Mitgliedsliste. Neue Schüler mussten auf die Schule schwören und ihren Namen in alter Art und Weise mit Blut unterzeichnen. Keppan, so nennt sich diese Form der Unterzeichnung, wird heutzutage nicht mehr praktiziert. Henmi-sensei erklärte mir trotzdem die Vorgehensweise: Mit einem Faden wurde das letzte Glied des kleinen Fingers abgeschnürrt und anschließend mit einer Nadel in den Finger gestochen. Der abschließende Fingerdruck auf dem Schriftstück besiegelte den Eid und die Aufnahme in die Schule.

Ein anderes interessantes Stück war eine große Schriftrolle mit einigen Worten zur Philosophie der Schule. Leider – und ich weiß wirklich nicht wieso – habe ich es versäumt ein Foto von dieser Rolle zu machen. Jedenfalls erklärte mir Henmi-sensei, dass das höchste Prinzip der Schule sei, einen starken Geist aufzubauen, der im Angesicht des Gegners nicht wankt und verirrt umher trottet. Der Gegner sollte durch eine so starke Persönlichkeit gänzlich von der Idee abgebracht werden, den Kampf zu eröffnen. Sensei erklärte mir zudem, dass „nur ein gutes Herz ein gutes Schwert hervorbringen würde“ so wie ein „schlechtes Herz nur ein schlechtes Schwert hervorbringen würde“ und den hohen Ziel der Schule nicht gerecht werden könnte. Schwertkunst kommt aus dem Inneren und sollte immer auch als Schulung der Persönlichkeit angesehen werden.

Das Kenjutsu-Curriculum der Schule: Von rechts nach links: 4 Langschwert-Sets
und ein Kurzschwert-Set

Der Begründer: Henmi Tashiro Yoshitoshi



Henmi-sensei stellte sich bereitwillig meinen Fragen und erklärte eine ganze Menge. Er war sehr geduldig und hat öfter auch mal ein wenig weiter ausgeholt. Als wir das Museum wieder verließen, sagte er mir, dass es nicht oft vorkommt, dass Ausländer alleine ihren Weg nach Ogano finden. Meistens kommen sie mit Übersetzern und in größeren Gruppen.
Ich machte noch 1, 2 abschließende Fotos, überreichte Henmi-sensei mein kleines Mitbringsel und bedankte mich nochmals für seine Führung und die Möglichkeit, sein Dojo zu besuchen.


Nach unserer Verabschiedung voneinander ging ich in Richtung Ortszentrum und kaufte noch etwas Sake als Erinnerung. Auf der anschließenden Busfahrt nach Seibu-Chichibu konnte ich noch einmal auf das umliegende Land und die Berge schauen. Hier war ich nun also gewesen – an einem geschichtsträchtigen Ort der Schwertkunst und wieder um eine Erfahrung reicher. Obwohl ich nur etwas länger als eine Stunde dort war, hat mir die Zeit sehr gefallen. Alles war sehr ruhig und bodenständig. Der Herr im Sake-Geschäft hat mir so z.B. auch noch ein wenig über die Gegend und besondere Spezialitäten berichtet. Alle Personen die ich an diesem Tag traf und denen ich von meinem Vorhaben erzählte – dem Besuch des Dôjôreagierten gleich: Alle fingen sofort an zu lächeln und erzählten mir, wie sehr mein Ziel doch mit der Geschichte dieser Gegend verknüpft sei. Man konnte schon ein wenig den Stolz mitschwingen hören…

Wer selbst einmal nach Chichibu möchte, dem sei die Verbindung von Ikebukuro nach Mitsumine-guchi ans Herz gelegt. Dort in den Bus Richtung Ogano und an der Haltestelle Kozawa-guchi aussteigen. Etwas zurücklaufen und dann rechts die Straße hinein. Das Dôjô ist von der Hauptstraße aus zu sehen. Sonst einfach nach diesem Bild Ausschau halten:


Ich hatte Glück, aber man sollte vorher wirklich einmal dort anrufen und höflich nach einem Termin fragen. Henmi-sensei sagte, er sei immer am Wochenende da und dann wäre es kein Problem eine Führung zu bekommen.
Wer nun einmal selbst etwas Bewegtes aus der Gegend sehen möchte, dem sei dieses Video ans Herz gelegt:

Saitama Regional Cultural Asset Portal

Es war ein wirklich toller Tag, den ich so schnell nicht vergessen werde.

剣とは心術なり。

Yours in Budo,
Micha

Wie lange beobachtete die alte Frau mich wohl schon? Ausländer kamen wohl nicht oft hier her, geschweige denn verliefen sich zwischen alten Häusern im japanischen Stil und neumodischen Mehrapartmentcontainern.

Bevor ich mein Ziel erreichte, hatte ich mich tatsächlich verlaufen. Ohne Karte und mit nur einer sehr geringen Vorstellung von dem was mich erwartete, war ich mehrmals im Kreis gelaufen, wieder und aber wieder in kleine Gassen abgebogen, habe geschaut und das Ergebnis für unbefriedigend abgestempelt. Die Luft war feucht, es hatte eben geregnet. Die Zikaden waren merklich hörbar. Der freundliche Herr im Tabakgeschäft konnte mir jedoch einfach und auch für einen Ausländer verständlich erklären, wo ich mein Ziel finden sollte. Also ging es wieder zurück Richtung Bahnhof und tatsächlich – da war es!

Die alte Frau stand immer noch oben an der Straße und blickte auf mich herab. Ich stand etwas mehr als 10 Meter von ihr entfernt, etwas im Gefälle, zu meiner Linken ein kleines japanisches Wohnhaus, zu meiner Rechten eine riesige Baustelle, verhangen durch Plastikplanen und hörbar durch das laute Geschrei der Bauarbeiter und ihrer Maschinen. Sie hatten das Schild, welches auf diesen altehrwürdigen Platz hindeutete, einfach ausgebuddelt und an einen Bauzaun gestellt. Ein merkwürdiges Gefühl. Am liebsten hätte ich es mir gegriffen und einfach einen Meter weiter links wieder eingegraben. Dies würde dem Ganzen wenigstens noch einen Hauch von Würde verpassen. Der alten Frau hätte es wohl gefallen…

Ich betrachtete den Ort ganz genau. Hier stand es also, das Shieikan Dojo 試衛館道場 der Tennen Rishin ryu 天然理心流, einer der berühmtesten Schulen der späten Edo-Zeit und Keimstätte einiger der gefürchtetsten Schwertkämpfer den 19. Jahrhunderts. Einige dieser Männer sollten später zu einem blutigen Ruhm kommen in ihrem Streben das Wohl des Shogun unter Einsatz ihres Lebens zu verteidigen, auch wenn dieses bedeutete sich rigorosen Regeln zu unterwerfen, welche selbst dem engsten Vertrauten keine Gnade schenken würde. Männer wie Kondo Isami, Hijikata Toshizo und Okita Soji sorgten während der letzten Jahre des Shogunats für eine blutige Spur im Westen Japans –  in Kyoto und Osaka. Man sagt, Kondo-sensei trug bei seinen Unterrichtseinheiten ein dunkles Oberteil mit einem gestickten Totenschädel auf dem Rücken. Seine Philosophie war es, obgleich Kampf oder Unterricht, er sei bereit in jedem Moment zu sterben und sein Leben zu geben.
Seine Robe kann man heutzutage immer noch bewundern…


Das Shieikan ist kein Dojo – kein Dojo mehr. Dort wo es früher gestanden haben soll wurde ihm zu Ehren ein kleiner Schrein errichtet, in Gedenken an die Männer die dort dem Studium der Kampfkünste folgten und später zu solch Berühmtheit kamen.

Ich nahm meine Sachen. Ich hatte genügeng Fotos gemacht. Die Frau machte sich auch bereit zu gehen. Sie war sehr alt, sicher über 70. Als ich sie überholte, lächte ich ihr zu…

„Shinsengumi?“ fragte sie mich. „Ja!“ war meine Antwort. „Mich interessiert japanische Geschichte und die Shinsengumi…“. Sie lächelte: „Das ist aber schön! Mich auch!“. „Wen mögen Sie am liebsten?“, fragte ich. „Hijikata…“ – und ihre Augen strahlten.

Wir verabschiedeten uns voneinander und ich ging meines Weges…

—–

Dieses kleine Ereignis ist mir heute bei meiner Tour passiert. Fand es eigentlich ganz schön und passend für meine neue Kategorie Das Dojo. Auch wenn es kein physisches Dojo im eigentlichen Sinne, so hat dieser Ort unzählige Schwertkämpfer angelockt und sein Wissen weitergegeben.

Heute war ein wirklich guter Tag. Ich stöberte mal wieder in einigen wirklich guten Büchern die nur darauf warten von mir gekauft zu werden (bald! Sehr bald!) und besuchte den Sengakuji, dem Tempel in dem die 47 Samurai gegraben liegen. Auch von diesem Besuch wird es später noch einige Fotos geben. Eigentich hatte ich vor, noch ein wenig mehr über die Shinsengumi und die Tennen Rishin ryu zu schreiben. Leider habe ich keine Literatur in greifbarer Nähe, meine Bibliothek muss also erst wieder ein wenig anwachsen. Ich bitte dieses zu entschuldigen.
Aber vielleicht gibt es in ein paar Wochen ein paar … bewegtere Bilder zum Thema Tennen Rishin ryu. Stay tuned!

Yours in Budo,

Micha

Hallo,

im folgenden Artikel, dem ersten in meiner neuen Reihe: Das Dojo – Kampf – Kunst – Kultur, möchte ich gerne ein wenig über die alte Schule für Literatur und Kriegskunst in Matsushiro – auf Japanisch Matsushiro-han Bunbu Gakko 松代藩文武学校 berichten. Obwohl vielleicht kein Dojo im Sinne dessen was uns manchmal vielleicht vorschwebt, finde ich die Geschichte und die Architektur der Schule wirklich sehr schön.



Die Stadt Matsushiro liegt in der heutigen Präfektur Nagano, keine 12km südlich von Nagano-Stadt. Matsushiro ist eine alte Burgstadt mit allerhand erhalten gebliebenen Häusern, Mauern und dem Schloss. Letzteres wurde während der Zeit der streitenden Reiche (Sengoku Jidai) von Takeda Shingen erbaut und ging im Jahre 1622 an die Sanada-Familie, welche anschließend als Feudalherren die Gegend verwalteten. Dieses taten sie bis zum Ende der Edo-Periode im Jahre 1868. Durch ein Feuer im Jahre 1872 wurde ein Großteil des Schlosses zerstört. Das große Haupttor sowie einige Geschütztürme wurden im Jahre 2004 restauriert. Der angrenzende Park ist bekannt für seine jährliche Kirschblüte.

Familienwappen des Sanada-Clan

Nicht unweit des Schlosses liegt die alte Residenz der Sanada, das ihnen geweihte Museum und eben die alte Schule für Literatur und Kriegskunst (Bunbu Gakko).
Die Bunbu Gakko wurde 1853, also fast am Ende der Edo-Periodem von Sanada Yukinori begründet. Sie diente als Ausbildungsstätte für die Söhne der Sanada sowie deren Vasallen. Gelehrt wurde neben dem Umgang mit dem Schwert (Kenjutsu 剣術), dem Speer (Sojutsu 槍術), dem Bogen (Kyujutsu 弓術) und der Selbstverteidigung (Jujutsu 柔術) auch klassische chinesische Literatur, Militärstrategie, Medizin sowie westliche Artillerie. Wie man sieht, war der westliche Einfluss schon sehr stark spürbar.

Welche Schulen für Kriegskunst dort praktiziert wurden sind, ist explizit nicht zu sagen. Auf e-budo.com ist allerding vor einigen Jahren ein Thema zur Sanada ryu eröffnet worden. Den groben Inhalt werde ich hier versuchen wiederzugeben:

„Der Sanada ryu wurde oftmals nachgesagt, eine Schule zu sein, die enge Beziehungen zum Ninjutsu pflegte. Einige wichtige Persönlichkeiten der Familie Sanada waren Spezialisten auf dem Gebiet der unorthodoxen Kriegstechniken, darunter dem Guerilla-Kampf sowie dem Gebrauch diverser Spionagetechniken (Ninpo – oder wie man dieses auch immer nennen mag…). Sanada Yukimura (1567 – 1615) hatte vor der Schlacht um Sekigahara Tokugawa Ieyasu die Treue geschworen. Als Sanada erfuhr, das Tokugawa Ieyasu dessen Lehen verkleinern wollte, wechselte ersterer die Seiten und kämpfte im Jahre 1600 auf der Seite von Ishida Mitsunari – und verlor. Nach der Schlacht brachte Sanada Yukimura einen Teil seiner Armee in Sicherheit und versteckte sie vor den Augen der Siegermacht. 1615 begann der große Sturm auf die Burg von Osaka und Yukimura war Ieyasu immer noch ein Dorn im Auge. Letzterer biss sich an der Festung von Yukimura, der Sanada-mura, die Zähne aus und begann schließlich den Angriff auf das eigentliche Ziel: Die Burg von Osaka. Mit der List eine Aussöhnung mit Toyotomi Hideyori anzustreben, versuchte Ieyasu Yukimura gefügig zu machen. Die Bedingung war allerdings, dass der äußere Burggraben zerstört werden müsste. Als der Abgesandte die Festung Yukimuras betrat, wurde nicht nur der äußere Burggraben zerstört sondern auch der innere. Sanada-mura war schutzlos.

Sanada Yukimura

Ein Jahr später setzte Ieyasu zum großen Sturm an und die Anzahl der für Yukimura kämpfenden Männer wurde stark dezimiert. Yukimura fasste den Entschluss, dass nur ein direkter Angriff Rettung versprechen würde. Am nächsten Tag ritt er mit einer Hand voll Männer direkt auf das Lager von Ieyasu zu. Kurz vor Erreichen wurden er uns seine Anhänger allerdings getötet.

Eine Legende besagt, dass Yukimura eine Gruppe von Männern beistand: die Sanada Ju-Yushi. Bei diesen zehn soll es sich um eine Gruppe von Ninja gehandelt haben die Yukimuras Befehl gehorchte.

Werfen wir nun einen Blick ins Bugei Ryuha Daijiten, dem großen Lexikon der Schulen der Kriegskunst, so findet sich zunächst keine Sanada ryu die speziell dem Ninpo/Ninjutsu geweiht worden ist. Vielmehr lassen sich die folgen Schulen finden (S. 315 – 316):

  1. Sanada ryu Gunpo – Kriegstaktik. Wird als Hauptlinie angegeben. Takeda Shingen wird hier als Gründer angegeben. Sanada Masayuki, ein General unter Takeda, wird hier als dritter Stilinhaber angegeben.
  2. Sanada ryu Gunpo – Kriegstaktik (noch eine Nennung)
  3. Sanada-ke ryu Hojutsu – Schießkunst
  4. Sanada Yukimura ryu daihojutsu – Schießkunst
  5. Sanada ryu Gunba – Kriegsreiten
  6. Sanada ryu Gunyo – Kriegskünste
  7. Sanada ryu ka – Der Umgang mit dem Feuer
  8. Sanada ryu jujutsu – Selbstverteidigung
  9. Sanada ryu Bojutsu – Kampf mit dem Stock
  10. Sanada ryu Shurikenjutsu – Wurfbolzen

…“

Leider geht aus meinen Quellen nicht hervor, welche Schulen damals im Jahre 1853 tatsächlich unterrichet worden sind. Ich gehe aber davon aus, das Teile der oben angegeben Schulen gelehrt worden sind. Dafür würde jedenfalls die gleiche Schreibweise des Namens der Familie und der Schule sprechen: 真田/真田流. Zudem wird im Bugei Ryuha Daijiten auch von einer Hausschule der Sanada geschrieben (真田家流). Das Schöne ist aber folgende Tatsache: die erhalten gebliebenen Räumlichkeiten werden heutzutage immer noch für das Studium der Kampfkünste genutzt! Zudem finden in regelmäßigen Abständen Vorführungen verschiedenster Kampfkünste in diesen heiligen Hallen statt.

Wer jetzt gerne ein paar bewegte Bilder sehen möchte, dem sei diese Seite ans Herz gelegt: Most Love Japan!

Dieses Dojo entspricht von der Architektur her schon dem was ich als schön bezeichnen würde: ein stabiler Holzfußboden, hohe Decken, viel Platz um auch mit Langwaffen nicht in Bedrängnis zu kommen. Heutzutage dort trainieren zu können – das wäre doch was! Wer das ganze besichtigen möchte, hier die nötigen Informationen:

Matsushiro-han Bunbu Gakko 松代藩文武学校
Eintritt: 200Yen für Erwachsene
Öffnungszeiten: 9.00 Uhr – 17.00 Uhr (letzter Einlass: 16.30Uhr)
Anschrift: 205-1 Matsushiro, Matsushiro-machi, Nagano-shi, Nagano
Wie gelange ich dorthin? Per Bahn und per pedes: Von Nagano Railway Matsushiro Station: 8min zu Fuß.

Sollte jemand sich die Mühe machen und dorthin fahren, so würde ich mich über ein Erfahrungsbericht sehr freuen! Ich werde es auf jedenfall tun!

Yours in Budo,

Micha

Hallo,

wer durch den Titel jetzt eventuell darauf geschlossen hat, hier etwas über den Begriff des Dojo 道場 zu lesen, der sei enttäuscht.

An dieser Stelle möchte ich eine neue Serie einleiten: Das DojoKampf – Kunst – Kultur

Jeder von uns hat wohl eigene Vorstellungen wie das perfekte Dojo aussehen müsste. In meinen Kopf existiert auch mein perfektes Dojo: mit Holzfußboden, Schiebetüren, großen Waffenständern, einem schönen Kamidana, uswusf. Das obligatorische Bad im Holzzuber darf natürlich auch nicht fehlen.

Kurze Zwischenfrage: Was sind eure Traum-Dojo?

Die neue Serie wird verschiedene Dojo behandeln von denen ich denke, dass man sie würdigen sollte. Den Anfang macht ein Dojo aus der Nähe von Nagano. Aber dazu später mehr.

Yours in Budo,

Micha

"Wäre ich ein Tautropfen, so würde ich auf der Spitze eines Blattes Zuflucht suchen. Aber da ich ein Mensch bin, habe ich keinen Ort auf der ganzen Welt." - Saigo Takamori
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