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Hallo,

ich möchte an dieser Stelle an den nächsten Lehrgang in der Moto-ha yôshin ryû in Bremen erinnern:

Lehrgang

Und hier der Bericht vom letzten Mal:

Bericht

Es wäre schön, den ein oder anderen Leser begrüßen zu dürfen.

Yours in Budo,

Micha

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Okay,

ich gebe es zu, der Titel ist vielleicht ein wenig vorschnell gewählt. Natürlich sind die Bewohner der südlichsten der vier japanischen Hauptinseln nicht wild. Wild im Sinne von unzivilisiert oder hinterwäldlisch.

Was ich aber sagen kann ist, dass diese Menschen absolut freundlich, offenherzig, gutmütig und voller Lebensfreude sind. Während meines Urlaubs auf Kyushu vor gut 4 Jahren, konnte ich genau diese Erfahrungen machen. Da waren die Mädels, die  Sempai und mich in Beppu ausführen wollten (wir haben, ganz die Gentlemen, natürlich abgeleht…) oder aber der Soke der Jigen ryu, der, in Schlappen, Jogginganzug und mit einem Mercedes S500 (in weiß und mit goldenen Felgen) vor dem Dojo, uns nach unserem Besuch im Jigen ryu Shiryokan (dem Museum der Jigen ryu in Kagoshima) erst einmal mit Merchandising-Artikeln zupflastern wollte. Ganz höflich haben wir dann nur das Video und das Poster genommen, nicht das Bokuto, nicht die Bücher, nicht nicht nicht…

Kyushu ist bekannt für ungestüme Vegetation, noch ungestümere Vulkane (man denke nur an Mt. Aso oder auch den Sakurajima bei Kagoshima) und vorzügliches Essen und Trinken. Ich liebe Kyushu-Ramen (die Kyushu-Variante der chinesischen Nudelsuppe) und Imo-Shochu – Kartoffelschnaps – den man am besten gemixt oder im Winter Oyuwari – also halb Shochu halb heißes Wasser – genießen sollte. Die thermische Zusammensetzung der japanischen Inseln sucht bekanntlich ihres gleichen, aber gerade auf Kyushu kann man eine wahre Pilgerfahrt durch die Onsenresorts dieses Landes machen. Und ich l i e b e Onsen! Es gibt nichts entspannenderes nach dem Training: Ein Bier, ein warmes Becken, gute Gesellschaft. Genau s o stelle ich mir den japanischen Bujutsu-Himmel vor: Mit Musashi, den Yagyu, Iisaza, Zen´ya, Sugino, Mochizuki und all den zahllosen anderen Meistern gemütlich im Becken vor sich hin wabern und Sake trinken. Hach, das Paradies!

Kyushu hat eine lange geschichtliche Tradition mit einigen wirklich wichtigen Ereignissen: der erste Kontakt mit Europäern erfolgte im Jahre 1543 auf der Insel Tanegashima. Diesen Namen trugen fortan auch die japanischen Arkebusen. Von Kyushu (und von Shikoku) kamen Männer, die maßgeblich an der Modernisierung Japans beteiligt waren. Glaubt man der japanischen Mythologie, stammt auch die Kaiserfamilie von Kyushu.

Kyushu hat aber auch in Sachen Kriegs- und Kampfkunst eine wirklich sehr lange Tradition. Die berühmt berüchtigte Togo Jigen ryu hat dort ihre Wurzeln. Ebenso die Yakumaru Jigen ryu und die Taisha ryu. Diesen drei Schulen möchte ich im folgenden ein paar Zeilen widmen.

Fangen wir mit der Jigen ryu an. Dieser Schule habe ich bereits einen Beitrag gewidmet, daher möchte ich hier nur kurz eine Einführung geben und dann auf den anderen Artikel verweisen.

Die Jigen ryu Heiho ist eine alte Schule der Schwertkampfkunst (Jigen bedeutet Offenbarung, ryu bedeute Schule/Strömung und Heiho Schwertkunst), weitergegeben in Generationen seit dem 16. Jahrhundert.
Die Schule war Bestandteil der Ausbildung der Samurai der Satsuma-han unter der Führung des Shimazu Clans.
In alten Tagen übten sich die Samurai aus Satsuma sehr hart im Studium der Jigen ryu, indem sie einen im Boden eingelassenen Pfahl am morgen 3000 Mal und am abend 8000 Mal schnitten.
Schwertkämpfer anderer Schulen waren sehr erstaunt von dem Können der Kämpfer aus Satsuma und ihren Fähigkeiten: „ein Schlag, keine Verteidigung“. Darüber hinaus waren sie aktiv im letzten Bürgerkrieg während der Meiji-Restauration und der Seinan Rebellion beteiligt.
Die Jigen ryu wurde unverändert überliefert und hat sich, seitdem sie in Satsuma zum ersten Mal auftauchte, in ihrer Form nicht verändert.

Weiterführender Link zum Artikel: Jigen ryu auf Life for a Sword

Onlineartikel auf Daily Yomiuri: Powerful 1st strike

Als nächstes folgt die Yakumaru Jigen ryu (auch als Nodachi Jigen ryu bekannt) aus Kagoshima. Sie hat ihre Wurzeln zum Teil in der Togo Jigen ryu und man erkennt unweigerlich eine gewisse Ähnlichkeit: das Nutzen von Ästen als Schwert und Treffobjekt, das starke Kiai und die wirklich sehr martialische Herangehensweise. Leider gibt es auf Deutsch bzw. Englisch so gut wie keine Informationen zur Schule. Was aber nicht weiter schlimm ist, denn Youtube ist eine wahre Fundgrube für Videos über diese Schule. Trotzdem versuche ich hier einige Infos zur Schule zusammen zu fassen:

Die Yakumaru Jigen ryu 薬丸自顕流 oder auch Nodachi Jigen ryu 野太刀自顕流 bzw. Yakumaru Nodachi Jigen ryu 薬丸野太刀自顕流 genannt, ist im eigentlichen Sinne keine direkte Abspaltung der Jigen ryu von Togo Chui, sondern eher eine Kombination aus dem Schwertstil der innerhalb der Yakumaru-Familie (Yakumaru Kaden) praktiziert wurde und der Jigen ryu. Die Yakumaru ryu beginnt mit Yakumaru Kanenobu. Er war Kopf der Yakumaru-Familie in der dritten Generation und wurde in der Yakumaru kaden, einer Schwertkampfmethode welcher der Gebrauch des Nodachi nachgesagt wird, unterrichtet. Kanenobu war darüberhinaus einer der fortgeschrittensten Schüler von Togo Chui, dem Begründer der Jigen ryu. Er vermischte die Familientradition mit dem, was er unter Togo Chui lernte und begründete daraufhin seine eigene Schule.

Schaut man sich ein wenig im Netz um, so findet man Hinweise darauf, dass sie sehr in die Kultur von Kagoshima integriert ist: die Schule wird an öffentlichen Schulen gelehrt, zu kulturellen Festen mehrmals im Jahr gezeigt, selbst junge Sprößlinge finden gefallen an dieser Schule. Zuletzt ist sie durch den japanischen Film Hanjiro in aller Munde gewesen:

Ähnlich wie die Togo Jigen ryu legt auch die Yakumaru Jigen ryu einzig und allein ihren Fokus auf die Offensive. Verteidigungstechniken gibt es so nicht. Der Gegner wird überrannt und mit Kesa-Giri niedergemäht. Ich finde, die Praxistauglichkeit lässt sich anhand der Trainingsmethoden dieser Schule wirklich sehr gut demonstrieren: Das Üben von Kesa-Giri mit starkem Kiai unter ständigem Wiederholen, Aufbau von Kondition und Kraft, Schnelligkeit, dass sehr lange Nuki, dass Üben in Partnerform mit dem Naga-Bo und das Üben auf natürlichem Untergrund (Sand, Gras, Erde).

Die Techniken der Yakumaru Jigen ryu:

続け打ちTsuzuke-uchi – Der fortlaufende Schlag (oder auch: Schlagen wie am Fließband!)

Bei Tsuzuke-uchi geht es darum, die Kihon der Schule zu erlernen. Man stellt sich einige Meter vor dem Yokogi 横木 auf (dem Bündel Äste welches auf einer Halterung aufgestellt wurde), geht nach vorne, dann in Sonkyo und anschließend verbeugt man sich. Danach nimmt man eine der Grund-Kamae ein (wenn nicht sogar die wichtigste Kamaei): Migi-Tombo-no-Kamae 右蜻蛉の構え. Als nächstes folgt das Tsuzuke-uchi, abwechselnd von der rechten und von der linken Seite. Charakteristisch hierbei ist der sehr tiefe Stand der Hüfte und der aufgestellte hintere Fuß. Und natürlich das sehr martialische Kiai.

Das Tsuzuke-uchi selbst den Kleinsten Spaß macht, sieht man hier:

Es folgt als nächste Technik: 掛り- Kakari – Der Angriff

Man sagt, Adepten der Jigen ryu könnten mit 3 Schritten 5 Meter zurücklegen. Also töten mit drei Schritt (als Hommage an „Hero“ mit JetLi). Übt man Kakari, stellt man sich 5m vor das Yokogi, geht wieder in Sonkyo, verbeugt sich und nimmt Migi-Tonbo-no-kamae ein. Nun rennt man auf das Ziel zu und versucht mit dem letzten Schritt, Tsuzuke-uchi zu schneiden. Wie der junge Mann im folgenden Video sehr ansehnlich zeigt, klappt dieses nicht immer… Aber, was solls? Rennt man den Gegner einfach um. Ich meine, man stelle sich einmal vor: da steht jemand in einiger Entfernung vor dir, Schwert weit hoch in Tonbo-no-kamae genommen und fängt wie ein Berserker an auf dich zuzurennen und dabei wild zu schreien. Angsteinflößend, oder?

Hat man die Kihon gelernt, kommt man zu Kakari.

Es folgt als nächstes: 抜き – 抜刀術の形 – Nuki – Battojutsu no Kata – Die Techniken der Schwertziehkunst

Ein weiterer Teil der Yakumaru Jigen ryu ist die Technik des Nuki, des Ziehen des Schwertes. Das Schwert steckt im Gürtel. Der Körper macht sich klein, die rechte Hand geht an den Griff. Die Saya wird gedreht und ein entschlossenes Ziehen des Schwertes über Gyaku-Kesa bis hoch zum Hals ausgeführt. Das folgende Video zeigt sowohl die Technik des Nuki in Verbindung mit Kakari. Desweiteren kommt der Nagabo 長棒 zum Einsatz. Das besondere am Nagabo ist der Handschutz, Koyoritsuba 紙縒鍔, genannt. Das Wort Koyoritsuba bedeutet in der Übersetzung „ein Stichblatt, welches aus selbsgedrehten Papierschnüren“ besteht. Hierbei kommt das japananische Papier Washi zum Einsatz. Koyoritsuba sind in ihrer Herstellung sehr günstig und werden direkt auf den jeweiligen Ausübenden angepasst. Sie schützt die Hand vor Treffern und gewährleistet trotzdem ein hohes Maß an Kontrolle. Normalerweise wurden Schüler dazuangehalten, ihre Koyoritsuba selbst herzustellen. Der Nagabo kann sowohl eine Lanze, einen Speer, wie auch ein längeres Schwert darstellen, je nachdem, was gerade benötigt wird. Im Falle des Speeres, wird als Angreifer versucht, diesen herunter zu schlagen und dann den Gegner nieder zu machen. Diese Technik nennt sich Yaridome und wird sowohl als Langschwert wie auch als Kurzschwert Variante geübt. Letzteres wird weiter unten ebenfalls gezeigt werden. Nagabo und Nagabokuto werden (laut meinen Quellen) synonym verwendet.

長木刀 – Nagabokuto – Langes Holzschwert

Bei der Übung mit dem Nagabokuto stehen sich beide Schüler in einigen Metern gegenüber. Sonkyo, Rei, Shidachi geht in Migi-Tonbo-no-Kamae, Uchidachi eröffnet die Kata mit einer lauten Einladung. Beide rennen aufeinander zu und Shidachi versucht Uchidachis Schlag mit seinem eigenen zu kontern und ihn danach durch Kakari nieder zu machen. Was auffällt ist, dass Shidachi ebenfalls eine Koyoritsuba nutzt. Der Kampf wird mit gezogenem Schwert eröffnet, nicht wie bei Nuki mit ungezogenem Schwert. Kondo Isami, Anführer der Shinsengumi und damaliger Hauptlehrer der Tennen Rishin ryu hat einmal gesagt, dass man unter allen Umständen den ersten Schlag eines Satsuma-Kriegers verhindern müsse. Viele Krieger die Opfer der Jigen ryu wurden, wurden mit ihren eigenen Schwertern im Schädel gefunden… … wenn man sich solch eine Kata wie die folgende anschaut, kann man diese Aussage irgendwie verstehen. Wie versprochen gibt es dann auch eine kurze Demonstration des Kodachi-Gebrauchs.

打ち廻り – Uchimawari – Schlagen in Rotation

Beim Uchimawari kommen nun zwei verschiedene Aspekte zum tragen: feste, stationäre Ziele über größere Entfernung und bewegliche Ziele, ausgestattet mit Nagabo. Wie muss man sich ein Uchimawari vorstellen: sogenannte Tategi 立て木 (stehender Baum) werden in unterschiedlichen Abständen in größerer Anzahl in den Boden gesteckt. Diese symbolisieren feste Ziele, die es gilt, per Kesa-Giri zu schneiden. Uchidachi ist mit einem Nagabo ausgestattet (dabei ist die Anzahl der Uchidachi nicht festgelegt) und symbolierst das bewegliche Ziel, welches es dann auch gilt per Kesa-Giri zu schneiden. Uchidachi eröffnet nun die Kata durch Einladung, Shidachi läuft in Migi-Tonbo-no-Kamae zu den Tateki und schneidet diese nach der Reihe. Auf Kommando wendet sich Shidachi zwischenzeitlich Uchidachi zu, schneidet ihn einmal und geht dann wieder zurück an die Tateki. Im Falle des folgenden Video werden erst alle Tateki geschnitten, dann alle Uchidachi und zum Schluss der Kommandogeber durch Kakari. Ich finde, diese Übung trifft sehr gut das komplette Schema der Yakumaru/Nodachi Jigen ryu. In Uchimawari vereinen sich Schnelligkeit, Kraft, die Arbeit gegen unbewegliche und bewegliche Ziele, unterschiedliche Gegebenheiten (Abstand der Tateki/Uchidachi) und die sehr hohe körperliche und mentale Anforderung. Man schneidet keine Luft – man schneidet ein wirkliches Ziel.

野太刀自顕流の奥義である口伝の形Zu den tiefsten Mysterien der Nodachi Jigen ryu gehört u.a. die mündliche Überlieferung der Kodachi-Techniken: 槍留 – Yaridome, die Abwehr des Yari mit dem Kurzschwert. Hier erkennt man sehr schön, dass der Nagabo als Yari verwendet wird: keine Schlagtechniken, sondern nur der direkte Gang mit der Spitze vorneweg auf den Gegner.

Zum Schluß noch einige alte Aufnahmen. Gezeigt werden nochmals einige Elemente der Yakumaru / Nodachi Jigen ryu:

Besonders das letzte Video hat noch einmal sehr schön die Technik des Uchimawari gezeigt.

Wer sich ein paar schöne Fotos anschauen möchte, dem sei dieser Link ans Herz gelegt: Yakumaru Jigen ryu

Wer die japanische Buchreihe „Nihon no Kenjutsu“ kennt, dem sind vielleicht auch die beiden folgenden Videos bekann:

Was bleibt abschließend zu sagen?

Als ich im Oktober 2006 ein Embu der Yakumaru Jigen ryu sehen durfte, war ich sehr beeindruckt. Manch anderer im Publikum nicht: es kam zu Gelächter und es wurde unruhig im Publikum…

Ich frage mich, wieso? Ich tippe mal auf das sehr starke Kiai und die doch sehr unorthodoxen Techniken. Schwert heben, losrennen, alles niedermähen. Sehr effektiv wie ich finde. Die Yakumaru Jigen ryu hat, durch ihre Trainingsmethoden, einen wirklichen Realitätsanspruch. Ich kenne nur wenige Schulen, die so direkt und konsequent versuchen den Gegner zu besiegen. Das liegt z.T. vermutlich auch an dem, aus meiner Sicht, eher geringen Umfang an Techniken und die sehr einseitige Philosphie: gewinnen um jeden Preis.

Schnelligkeit und Kraft sind ihr Rüstzeug, Wille ihre Verteidigung, Kesa-Giri ihre Waffe. Erbarmungslos – schonungslos.

Als dritte Schule im Bunde möchte ich die タイ捨流 – Taisha ryu vorstellen. Ebenfalls auf Kyushu ansässig, genauer gesagt in Kumamoto, hat diese Schule eine ebenfalls sehr lange und spannende Tradition. Sie steht in Relation zum Shimazu-Clan von Satsuma, ähnlich der Jigen ryu. Beide waren sogar sehr eng miteinander verbunden. So lernte Togo Chui, wie es sich als ein Mitglied der Satsuma-han gehörte, in seiner Jugend u.a. Taisha ryu. In dieser hatte er auch eine Menkyo Kaiden Lizenz bekommen.

Die Taisha ryu wurde ursprünglich auch Taisha Shinkage ryu タイ捨新陰流 oder aber auch Shinkage Taisha ryu 新陰タイ捨 genannt und wurde von Marume Kudandonosuke Nagayoshi, einem direkten Schüler von Kamiizumi Ise no Kami Nobutsuna, dem Begründer der Shinkage ryu 新陰流. Kurando wurde im Jahre 1540 in Yatsuhiro als Teil der Yamamoto-Familie geboren, welche zu dem Zeitpunkt als Vasallen der Sagara-Familie dienten. Während der Sengoku-Periode (ca. 1477 – 1573) verwaltete die Sagara-Familie das Land Kuma, Ashikita und Yatsuhiro in der Provinz Higo, nördlich der Provinz Satsuma. Da Higo direkt an Satsuma lag, kam es oftmals zu starken Spannungen und Kämpfen zwischen beiden Parteien.
Kurando begann sein Taining in den Kampfkünsten im Alter von 9 Jahren. Seine erste Schlachterfahrung machte er im Alter von 16 Jahren, als er seinemVater im Kampf gegen Truppen aus Satsuma beistand. Sie schlugen sich so gut, dass sie fortan den Familiennamen Marume trugen durften. Mit 17 begann er das Studium der Chujo ryu unter Amakusa Izu no Kami, dem Herren des Amakusa Honto Schlosses, für einen Zeitraum von zwei Jahren. Er ging ebenfalls auf eine Musha shugyo (einer Art Kriegerwallfahrt) und manche Quellen behaupten sogar, dass er Schüler von Tsukahara Bokuden war und somit auch Shinto ryu studierte. 1558 trafen sich Kurando und Kamiizumi Ise no Kami Nobutsuna zum ersten Mal. Obwohl sich Kurando bereits einen Namen als Schwertkämpfer machen konnte, musste er doch einsehen, dass seine Technik nicht mit der von seinem zukünftigen Lehrer mithalten konnte. Nach einem Trainingskampf wurde Kurando Schüler von Nobutsuna und ließ sich von letzterem über mehrere Jahre hinweg ausbilden. Kurando reifte zu einem der fortgeschrittesten Schülern heran und genoß großes Vertrauen bei Nobutsuna, welches die folgende Geschichte vielleicht auch ein wenig deutlicher machen kann:
Um das Jahr 1567 (manche Quellen behaupten 1569) kam Nobutsuna die Ehre zu teil, vor den Augen des Shogun Ashikaga Yoshiteru seine Schwertkunst zu demonstrieren. Kurando übernamm in dieser Vorführung die Position des Uchi-dachi, der des Angreifers.
Im Alter von 27 Jahren bekam er von seinem Lehrer die Lizenzen Setsuninto Tachi und Katsuninken Tachi. Danach kehrte er nach Kyushu zurück und verbreitete die Shinkage ryu. Wann genau er den Namen Taisha ryu verwendete, ist nicht mehr genau nachvollziehbar. Man nimmt an, dass dieses nach dem Tod seines Lehrers geschah. Es hat den Anschein, dass ein Vorfall mit einem von Kurandos Schülern ein möglicher Grund für die Namenwahl gewesen sei.
Arise, einer von Kurandos fortgeschrittesten Schülern, war kurz vor Nobutsunas Tod ebenfalls Schüler von diesem und lernte Techniken die Nobutsuna erst nach Kurandos Fortgang entwickelte. Als Arise sich aufmachte nach Kyushu zurückzukehren, bat Nobutsuna ihn, die verbleibenden Techniken Kurando zu lehren. Kurando, der mit dieser Idee absolut nicht einverstanden war, machte sich daraufhin auf den Weg in die Kanto-Region, um noch einmal bei seinem Lehrer Unterricht zu nehmen. Während dieser Zeit starb Nobutsuna allerdings, ohne Kurando die Techniken lehren zu können.
Kurando entwickelte selbst einige Techniken und brachte esoterische Prinzipien (Mikkyo, im besonderen Marishitenho) mit in seine eigene Tradition.
Das besondere am Schulnamen ist die Tatsache, dass er sowohl aus phonetischen Katakana-Zeichen タイ (Lesung: tai) sowie Kanji 捨 (Chinesische Zeichen, Lesung: sha, mit den Bedeutungen: opfern, entsagen, aufgeben, verzichten) besteht. Dieses ist sehr ungewöhnlich, da normalerweise nur Kanji für die Namensgebung einer Schule verwendet werden. Warum aber gerade die Katakana-Schrift verwendet wurde, hat eine tiefere Bedeutung:  タイ hat viele Bedeutungen, die nicht mit einem Kanji hätten abgebildet werden können. Sich auf ein Kanji festzulegen hätte bedeutet, alle anderen fallen zu lassen. Geht man nach der Schuldoktrin, so sind alle diese Arte von タイ von sehr großer Bedeutung. Man könnte das tai aus taisha u.a. als „Körper“ lesen, welches das folgende Kanji hat: 体. Dahinter würde dann die Bedeutung stehen, den eigenen Körper aufzugeben bzw. zu opfern. Darüber hinaus könnte man auch das Kanji für 大, „groß“ verwenden. Ein großes Opfer leisten. Ein weiteres Kanji wäre 太. Dann wäre die Bedeutung des Schulnamens, dass man seinen eigenen Charakter, seine eigene Natur bereit wäre aufzugeben. Ein drittes Zeichen wäre 待 mit der Bedeutung „warten“ bzw. „abwarten“, also das man die Erwartung aufgeben müsse. Eine vierte und letzte Möglichkeit wäre 対. Dieses Zeichen bedeutet „gegenüber“, „kontra“, „versus“. Im Schwertkampf kommen alle diese タイ zum Einsatz.

Mehr in den Bereich der Mythen gehen auch die Geschichten die man Kurando im Bezug zu den Ninja nachsagt. Angeblich soll er sehr geschickt darin gewesen sein, ein Netzwerk von Spionen für die Sagara-Familie aufzubauen. Darüber hinaus half ihm ein Mann namens Derinbo, ein Chinese, dabei, Informationen über die Shugenja, den Bergasketen, zu bekommen.
Die Taisha ryu entwickelte sich im Laufe der Zeit in ein umfassendes System der Kriegskunst, welches neben dem Kenjutsu auch die Techniken des Iaijutsu, Naginatajutsu, Shurikenjutsu und einige weitere umfasste. Das Kenjutsu hat viel von einer Rüstungsvariante, da hierbei besonders ungeschützte Teile des gegnerischen Körpers attackiert werden. Darüber hinaus werden die Schwertechniken oftmals mit Jujutsu-ähnlichen Elemten praktiziert, darunter Schlägen, Tritten  und Würfen. Desweiteren gib es auch Techniken für den Kampf mit mehreren Gegnern.
Obwohl Marume Kurando und Yagyu Sekishusai Muneyoshi beide Schüler von Kamiizumi Ise no Kami Nobutsuna waren, entwickelten sich ihre Schulen völlig unterschiedlich voneinander. Dies ist eigentlich auch nicht weiter verwunderlich, da beide Schulen sich unter gänzlich anderen Umständen entwickelten.

Die Schule wird heutzutage immer noch in der Region um Kumamoto gelehrt. Yamakita-sensei ist der 13. Soke der Taisha ryu. Auf Grund des fortgeschrittenen Alters liegt die ausführende Leitung bei Yamamoto-sensei. Yamakita-sensei kann man sehr schön in den obigen Videos sehen. Zwischen dem ersten und den beiden anderen liegen gut 20 Jahre!

Auf der Seite der Taisha ryu gibt es einige wirklich schöne Fotos:

Taisha ryu or Hell

An dieser Stelle hoffe ich, dass dieser doch etwas längere Artikel die ein oder andere neue Information dem interessierten Leser bieten konnte. Im Sommer diesen Jahres wird mich mein Weg für ein paar Tage nach Kyushu führen. Vielleicht kann ich dann noch ein wenig mehr auf dem Weg der wilden Kerle wandern…

Yours in Budo,

Micha

"Wäre ich ein Tautropfen, so würde ich auf der Spitze eines Blattes Zuflucht suchen. Aber da ich ein Mensch bin, habe ich keinen Ort auf der ganzen Welt." - Saigo Takamori
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