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Hallo,

am letzten Sonntag fand das 37. Kobudo Enbu Taikai der Nihon Kobudo Kyokai in Tokyo statt, welches zugleich auch das 35. Jubiläum der Vereinigung markierte. 35 Schulen aus ganz Japan waren gekommen um ihre Techniken über mehr als fünf Stunden den anwesenden Gästen zu präsentieren, darunter die „Klassiker“ der Katori Shinto ryu sowie Kashima Shinto ryu, Takenouchi ryu, Ono-ha Itto ryu und Jikishinkage ryu oder aber eher selten in Tokyo anzutreffende Schulen wie Nito Shinkage ryu Kusarigama, Unko ryu aus Kumamoto oder Mizoguchi-ha Itto ryu aus Aizu-Wakamatsu.
Trotz starkem Schneefalls am Tag davor konnten alle Gruppen an den Vorführungen teilnehmen. Für mich war es das erste Enbu im Nippon Budokan und ich muss gestehen, dass ich der Location anfangs nicht abgewöhnen konnte, insbesondere da die Zuschauerränge doch arg weit von der eigentlichen Vorführung entfernt waren. Durch einige glückliche Fügungen konnte ich jedoch alle Vorführung aus nächster Nähe beobachten und hatte in Matsuura-sensei von der Chikubujima ryu einen gesprächigen Konversationspartner, sodass die ein oder andere technische Beobachtung gleich analysiert werden konnte. Zudem bin ich mit dem Vorsatz zum Budokan gekommen, keine Fotos und Videos zu machen. Das hatte zum einen den Grund, dass die Plätze zum filmen doch eher beschränkt waren und, was ich noch für wichtiger erachtete, ich einfach nur als Zuschauer anwesend sein wollte. Die großen Enbu sind zwar von der Fülle an Schulen unübertroffen, doch fehlt manchen einfach das besondere Feeling. Obwohl das Kashima-Enbu von der gleichen Größe ist, hat die Location, also der Schrein, die hohen Bäume und die Natur, einfach einen ganz anderen Einfluss auf das wie man ein Enbu verfolgt, im Gegensatz zu den kahlen Sport- und Turnhallen. Das Enbu an sich – von den Vorführungen her – war sehr schön, insbesondere da doch eine sehr hohe Vielfalt geboten wurden ist. Persönliches Highlight war die Vorführung der Owari Kan ryu, da ein Freund von mir Naginatajutsu gezeigt hat. Auch die Vorführungen von Jizaiken (vergleichbar mit der Nagamaki) und dem Odachi waren sehr ansehnlich, insbesondere da einige der Vorführenden in Yoroi aufgetreten sind. Die Morishige ryu Hojutsu-Vorführung zum Schluss hat dann auch so manch schläfrigen Zuschauer aus seinen Träumereien gerissen. Indoor-Shooting ist schon sehr beeindruckend, laut und sehr wohlriechend.

Der nächste Enbu-Bericht wird vermutlich aus Soma stammen, einem der Orte, welcher durch das Erdbeben und dem anschließenden Tsunami im Jahre 2011 stark verwüstet worden ist. Dazu bei gegebener Zeit aber mehr.

Yours in Budo,

Micha

Ich wünsche allen Lesern ein frohes und gesundes neues Jahr des Pferdes!

Das neue Jahr startet mit einem kurzen Enbu, aufgenommen am gestrigen Donnerstag im Bahnhof der Stadt Aomori.
Gezeigt wurden:

  • Kinpû ryû Shakuhachi
  • Bokuden ryû Kenjutsu (ungerüstet, gerüstet)
  • Jôdô
  • Hayashizaki Shinmuso ryû Iai
  • Tôda ryû Bôjutsu

Zudem hatte man als Zuschauer im Anschluss an die Vorführung die Gelegenheit, selbst einmal Hand anlegen zu können.


Yours in Budô,

Micha

Kulturbotschafter 201X

Mei, das war ein wirklich schönes Enbu! Organisiert von der Tatsumi ryû, fand am letzten Donnerstag das 28. Kobuô Enbu am Nitta Jinja in Ôta-ku, Tôkyô, statt. Es waren zwar nur drei Schulen mit von der Partie – darunter die bereits erwähnt Tatsumi ryû sowie die Chikubujima ryû um Matsuura-sôke sowie die Tennen Rishin ryû aus Ibaraki um Ôtsuka-sensei, doch ließ es die Tatsumi ryû sich nicht nehmen, einen weiten Einblick in ihre Schule zu geben. Die beiden anderen Schulen zeigten ebenfalls mehr als nur das Standardprogramm. So konnte man von der Chikubujima ryû sowohl die Omote wie auch die Ura und Oku-Kata der Schule bewundern.

Die Tatsumi ryû zeigte einige ihrer Kata nach den Prinzipien von Jo-Ha-Kyû. Jeder Vorführung ging eine kurze Erklärung der Kata und Charakteristika der jeweiligen Schule vorweg.

Besonders interessant war natürlich das Tatsumi ryû Enbu, da ich diese Schule bis dato in dem Umfang nicht bewundern konnte. Das Iai, oder besser gesagt das Ziehen des Schwertes, ist wohl eines der Hauptmerkmale der Schule. Sehr interessant war der Umgang mit den Langwaffen sowie das Shurikenjutsu. Insbesondere das Sôjutsu hat es mir angetan. Die Vorführung der Chikubujima ryû war auch sehr spannend – wie schon in Kashima.

Anbei das Programm:

  1. Tatsumi ryû – Kihon: Ketauchi, Mawashiuchi, Mawariuchi
  2. Tatsumi ryû – Kenjutsu (Jo)
  3. Tatsumi ryû – Tachiai (Ha)
  4. Tatsumi ryû – Hanbô (Länge ca. 120cm)
  5. Tennen Rishin ryû – Kenjutsu (Kata stammen aus der Kashima Shintô ryû)
  6. Tatsumi ryû – Igumi (Jo – Sitzformen)
  7. Tatsumi ryû – Naginata
  8. Tatsumi ryû – Yawara
  9. Tatsumi ryû – Tameshigiri
  10. Tennen Rishin ryû – Iaijutsu
  11. Chikubujima ryû Bôjutsu – Omote no kata
  12. Tatsumi ryû – Kenjutsu (Ha)
  13. Tatsumi ryû – Kenjutsu Gogô no Kata
  14. Tatsumi ryû – Igumi (Ha)
  15. Tatsumi ryû – Kata Shiai
  16. Tatsumi ryû – Shurikenjutsu (sowohl mit als auch ohne Schwert. Interessante Schreibweise innerhalb der Tatsumi ryû: 四寸鉄刀 – normalerweise: 手裏剣)
  17. Tatsumi ryû – Sôjutsu (Schwert gegen Yari)
  18. Tatsumi ryû – Tachiai – Igumi (Kyû)
  19. Tatsumi ryû – Tachiai (Kage: Shoden, Honden, Betsuden – drei verschiedene Arten der Kataausführung)
  20. Chikubujima ryû Bôjutsu – Sôke Enbu – Ura no Kata, Oku no Kata
  21. Tennen Rishin ryû – Kanchô Enbu – Kenjutsu Kumitachi
  22. Tatsumi ryû – Sôke Enbu – Tachiai

Anbei einige Fotos. Direkt am Schrein gab es ein kleines Museum (Fotos). Dank der Verglasung konnte ich leider nicht so gute Photos machen. Trotzdem war es sehr interessant, insbesondere die Makimono sowie die Wandbilder.

Und ein Video:

Yours in Budô,

Micha

ps: Ich wurde nach dem Enbu wieder auf meine Herkunft angesprochen, und wieso ich an jenem Tag ausgerechnet in Nitta war. Interesse an Budô, Kultur, etc. Gleiches ist mir schon in Kashima passiert. Nun, die Dame die mich angesprochen hatte, arbeitet für das örtliche Tourismusbüro und hat großes Interesse daran, die örtliche Kultur insbesondere Ausländern näher zu bringen. In Kashima das gleiche in grün. Mal schauen wohin das Ganze noch gehen wird. Meine Visitenkarte haben jedenfalls beide bekommen…

The show must go on…

Seit vier Jahren nun findet alljährlich im Herbst das Enbu der Nihon Kobudô Kyôkai am Kashima Schrein (Kashima Jingû) in der Präfektur Ibaraki statt. Das Wetter zeigte anfangs zwar noch auf Regen, doch war es ein sehr angenehmer und trockener Tag, obwohl es die Nacht davor und am frühen Morgen noch ordentlich geschüttet hatte.

In diesem Jahr haben sich 33 Schulen eingefunden, um der Gottheit des Schreins – Takemikazuchi no Ôkami – ihre Aufwartung zu machen. Wie auch der Katori Schrein in der Präfektur Chiba, so hat der Kashima Schrein eine unweigerliche Bindung zu den klassischen Kampfkünsten. Tsukahara Bokuden, einer der berühmtesten Schwertkämpfer in der japanischen Geschichte, lernte die Techniken des Kashima no Tachi – der (manchmal auch als mystisch bezeichneten) Techniken des Schwertes von Kashima. Eine Legende besagt, dass sowohl die Gottheit aus Kashima, wie auch jene aus Katori (Futsunushi no mikoto), von einer anderen Gottheit mit Namen Marishiten in den Kriegskünsten unterrichtet worden sei. Diese Art der Kriegskunst sollen jene dann wiederum an Iizasa Chôisai – Begründer der Katori Shintô ryû – und Tsukahara Bokuden weitergegeben haben. Interessant ist hierbei, dass der Ursprung der Schwerttechniken beider Schulen – laut Legende – auf Marishiten beruhen, einer Gottheit aus dem Mahayana bzw. Vajrayana-Buddhismus. Aber ich schweife ab…

Unter diesen 33 Schulen waren auch einige, die zum ersten Mal mit dabei waren, darunter die Taisha ryû, die Chikubujima ryû sowie die Toda ryû. Alle drei Enbu haben mir persönlich sehr gut gefallen – insbesondere jenes der Taisha ryû. Der letzte Sôke, Yamakita-sensei, ist leider im Februar diesen Jahres verstorben. Seine Schüler sind aber mit sehr viel Eifer und Elan dabei, die Schule für die nächsten Generationen zu bewahren und weiterzugeben. Die Chikubujima ryû hat mich auch sehr beeindruckt, war es doch das erste Mal, dass ich sie live auf einem Enbu sehen konnte. Durch meinen Kontakt zum Shibu-Leiter in Tôkyô hatte ich zudem das Vergnügen, den aktuellen Sôke kennenlernen zu dürfen.

Ebenfalls mit von der Partie war die Shingyôto ryû aus Kameyama. Wie in meinem letzten Beitrag geschrieben, hatte ich bereits Kontakt zur Schule und freut mich daher sehr, als Kobayashi-sensei mich wiedererkannte. Ich war vor einigen Wochen zwecks Recherchen im Nationalmuseum hier in Tôkyô und hatte dabei ein Densho der Shingyôtô ryû gefunden. Ich fertigte eine Kopie an und brachte hiervon eine weitere mit nach Kashima um sie Sensei zu geben. Er war sehr erfreut und stellte mir im Zuge dessen einen seiner Schuler vor. Dieser ist Historiker und hat mir seine Hilfe in Bezug auf meine Recherchen über die Shintô ryû angeboten (hier soll es nämlich eine Verbindung zwischen der Shintô ryû und der Shingyôtô ryû geben).

Den Auftakt machte – wie in jedem Jahr – die „Hausschule“ des Schreins, die Kashima Shintô ryû um Yoshikawa-Sôke. Ein Bekannter von mir war ebenfalls mit von der Partie und zeigte die Omote no Tachi. Nachdem Enbu ergab sich ein kurzes Gespräch, indem ich das Honbu-Dôjô der Schule erwähnte. Es folgte eine Einladung und – wenige Minuten nach der letzten Vorführung – ging es zum Honbu-Dôjô der Schule, einem 120 Jahre alten Gebäude aus Holz, im Besitz der Yoshikawa-Familie und in Fußreichweite vom Schrein entfernt. Oh, das war wirklich toll. Sehr klein, schöner Holzfußbuden, genau mein Fall! Dieses Dôjô kommt auf jedenfall mit auf die Liste für meine Rubrik „Das Dôjô: Kampf. Kunst. Kultur“.

Anbei mal der Zeit- und Schulplan:

10:15 Kashima Shintô ryû 鹿島新當流剣術
10:23 Okinawa Gojû ryû Bujutsu沖 縄剛柔流武術
10:31 Kanemaki ryû Battôjutsu 鐘捲流抜刀術
10:39 Shingyôtô ryû Kenjutsu 心形刀流剣術
10:47 Hôki ryû Iaijutsu 伯耆流居合術
10:55 Daitô ryû Aikijûjutsu Takumakai 大東流合気柔術琢磨会
11:03 Taisha ryû Kenpô タイ捨流剣法
11:11 Hôzôin ryû Takada-ha Sôjutsu 宝蔵院流高田派槍術
11:19 Chikubujima ryû Bôjutsu 竹生島流棒術
11:27 Tôda ryû Kenjutsu 當田流剣術
11:35 Enshin ryû Iai Suemono Giri Kenpô 円心流居合据物斬剣法
11:43 Kiraku ryû Jûjutsu 気楽流柔術
11:51 Sekiguchi ryû Battôjutsu 関口流抜刀術
11:59 Shingetsu Musô Yanagi ryû Jûjutsu 心月無想柳流柔術
12:07 Yagyû Shinkge ryû Heihô Kenjutsu 柳生新陰流兵法剣術
12:15 Jikishinkage ryû Naginatajutsu 直心影流薙刀術
12:23 Hokushin Ittô ryû Kenjutsu 北辰一刀流剣術
12:31 Araki ryû Kenpô 荒木流拳法
12:39 Kurama ryû Kenjutsu 鞍馬流剣術
12:47 Ryûkyû Ôke Hiden Motobu Udundi 琉球王家秘伝本部御殿手
12:55 Musô Jikiden Eishin rû Iaijutsu 無雙直傳英信流居合術
13:03 Tatsumi ryû Heihô 立身流兵法
13:11 Kingai ryû Karate Okinawa Kobujutsu 金硬流唐手沖縄古武術
13:19 Iga ryûha Katsushin ryû Jûjutsu 為我流派勝新流柔術
13:27 Shintô Munen ryû Kenjutsu 神道無念流剣術
13:35 Tenjin Shinyô ryû Jûjutsu 天神真楊流柔術
13:43 Muhi Muteki ryû Jôjutsu 無比無敵流杖術
13:51 Daitô ryû Aikijûjutsu 大東流合気柔術
13:59 Araki ryû Gunyô Kogusoku 荒木流軍用小具足
14:07 Tennen Rishin ryû Kenjutsu 天然理心流剣術
14:15 Hasegawa ryû Yawarajutsu 長谷川流和術
14:23 Tenshin Shôden Katori Shintô ryû Kenjutsu 天真正伝香取神道流剣術

Sandro – ein Bekannter von der Tennen Rishin ryû – führte ebenfalls mit seiner Gruppe vor. Mit ihm, seinen Senpai und einem weiteren Freund aus Tôkyô, ging es dann zurück Richtung Heimat.

Es war ein wirklich toller Tag in Ibaraki, auch wenn ich noch etwas angeschlagen war, dank einer sehr nervenden Erkältung. Ich konnte neue Kontakte knüpfen, Alte pflegen und vier Stunden lang einfach nur gutes Kobudô bewundern. Und das bei der Location!

Das nächste Enbu steht schon an: Nächsten Donnerstag in Tôkyô. Mit dabei: Tatsumi ryû und Chikubujima ryû! Und dann folgt Anfang November schon das Enbu am Meiji Schrein. Zwischendurch gibt es noch eine Fahrt nach Katori, auf die ich mich schon ganz besonders freue.

Anbei nun ein paar Fotos. Diverse Videos folgen in den nächsten Tagen.

Yours in Budô,
Micha

Nun, obwohl ich angekündigt hatte, mich größtenteils auf das Seishûn 18 Kippu zu verlassen, gönnte ich mir für die Fahrt nach Mie doch den Luxus eines Bustickets – für schlappe 3500 Yen (ca. 27 Euro) ging es mit einem sehr komfortablen Highway-Bus von Tôkyô nach Nagoya.  Dauer: 5 1/2 Stunden. Mit an Bord: Ein umfangreiches Entertainmentsystem mit Filmen, Serien und Musik. Auch hier ein Tipp: Falls ihr mal günstig durchs Land kommen wollt, gebt den Fernreisebussen (sowohl Nacht-  wie auch Tagbussen) eine Chance. Obwohl es in den letzten Monaten des öfteren zu Unfällen kam (eine entsprechende Reaktion in Form einer Verschärfung der gesetzlichen Betimmungen für Fernreisen wurde bereits erlassen), ist diese Art und Weise zu Reisen immer noch eine sehr günstige und angenehme Alternative zu den preislich doch höher angesiedelten Shinkansen, den japanischen Schnellzügen.

Nun, da war ich also in Nagoya, doch nur zwecks Umsteigen. Weitergehen sollte es nach Mie, genauer gesagt in die kleine Stadt Kuwana. Es war Donnerstag Mittag, doch sollte Nagoya am Samstag nochmals ein Besuch abgestattet werden.

In Kuwana erwartete mich Russ Ebert, einigen vielleicht bekannt durch seinen Youtube-Channel (mekugi) und seinem Onlineshop, dem Futagotrader. Russ praktiziert neben Shintô Musô ryû Jôjutsu auch Kukamishin ryû sowie Hôten ryû. Nach Ankunft bei ihm Zuhause haben wir es uns also nicht nehmen lassen, ein wenig zu trainieren. Russ schnappte sich seine Ausrüstung und schon ging es raus in die Hitze, um bei gut 35 Grad Isshin ryû Kusarigamajutsu sowie Ikkaku ryû zu trainieren. Den Abend verbrachten wir bei guten Drinks, leckerem Essen und vielen Gesprächen zum Thema Budô und dem Leben in Japan.

Am nächsten Tag machte ich mich früh auf Richtung Kameyama und Matsusaka. Kameyama ist bekannt für seine alte Station an der Tokaidô, der Hauptverkehrsader im feudalen Japan. Doch ist Kameyama auch bekannt als Sitz der Shingyôtô ryû, einer Schule des Sôgô-Bujutsu, welche unter anderem den Umgang mit dem Schwert (Kenjutsu, Battô, Ryôtô), diversen Langwaffen und Taijutsu lehrt. Das Dôjô der Schule – genannt Enbûjô – befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Kameyama Jinja. So war es auch, dass ich zwar das Dôjô vorfand, es aber geschlossen war. Ich hatte irgendwie schon damit gerechnet. Also holte ich meine Kamera hervor und begann, so gut es geht die Impressionen und baulichen Eigenheiten festzuhalten. Ein wenig enttäuscht ging ich nun weiter zum Schrein. Als ich mich dort umsah, kam eine ältere Frau auf mich zu. Wie ich später erfuhr, handelte es sich dabei um die Verwalterin des Schreins. Sie fragte mich nach meiner Herkunft und dem Grund für meinen Besuch und ich erklärte ihr, dass ich primär wegen der Shingyôtô ryû gekommen sei. (An dieser Stelle möchte ich gerne auf meinen Artikel über den Besuch bei der Kôgen Ittô ryû verweisen und auf die spezielle Art der Hilfsbereitschaft in Japan, denn was jetzt kommt, spielt in der gleichen Kategorie). Jedenfalls erklärte ich ihr, dass ich selbst Kobudô studieren würde und deswegen nach Kameyama gekommen sei. Als ich ihr zudem sagte, dass das Dôjô momentan geschlossen sei, entfachte dieses wohl den Derwish-Mode in ihr und sie bat mich, kurz Platz zu nehmen, sie würde nur eben einen Anruf tätigen. Jedenfalls machte sie sich auf ins Haus und kam kurze Zeit später mit der Nachricht zurück, es sei jemand auf dem Wegm der mit das Dôjô aufschliessen würde. Ich saß also im Vorraum des Verwaltungsgebäudes des Schreins und wartete, in meinem Rücken der lauwarme Wind des Ventilators, den die alte Dame freundlicherweise dort plaziert hatte, in der weisen Voraussicht, dass ich sonst ganz dahingeschmolzen wäre, dank der Hitze. Jedenfalls traf kurze Zeit späte die besagte Person ein. Dabei handelte es sich um niemand geringeren als Kobayashi-sensei, momentaner Hauptlehrer für Shingyôtô ryû. Nach einer kurzen Begrüßung und einer Vorstellung meinerseits, ging es also endlich in die Hallen des Kameyama Enbûjô.

STOPP! Da ich ja die schöne Kategorie „Das Dôjô. Kampf. Kunst. Kultur“ habe, wird der Teil über das Enbujô dort zu finden sein.

Nun, Kameyama war also abgehakt. Schrein, Dôjô, persönliche Führung von Sensei – der Tag fing ja gut an. Leider sollte es – in Sachen Budô – dabei bleiben. Meine zweite Station sollte sich in der Stadt Matsusaka finden, südlich von Kameyama und bekannt für Matsusaka-gyû, Rindfleisch aus Matsusaka, von dem gesagt wird, es zähle zu den drei besten Fleischsorten in Japan (Stichwort Kuh + Bier = Yummi). Grund für meine Fahrt nach Matsusaka war der eigentliche Besuch bei Mimura-sensei, Lehrer für Ryûgô ryû Kenjutsu und Bokuden ryû Kusarigamajutsu. Leider war sein Haus etwas am Rand von Matsusaka und ich wusste nicht, wie man am besten hinkommen könnte. Ich sandte vorab zwar einen Brief, dieser blieb aber unbeantwortet (wie sich später herausstellen sollte, konnte sich Mimura-sensei trotzdem an mich erinnern und an mein Vorhaben, ihn besuchen zu kommen). Jedenfalls steuerte ich nach Ankunft zunächst das örtliche Tourismuszentrum an und fragte dort nach Auskunft. Tja, und wie es so läuft in Japan, kannte zufällig eine Mitarbeiterin jenen Mimura-sensei, da sie vor mehr als 30 Jahren selbst bei ihm Kendô gelernt hatte. Jedenfalls hat sie es sich nicht nehmen lassen und telefonierte kurze Zeit später mit Sensei. Dieser sei sehr beschäftigt mit der Reisernte und könne mich daher nicht empfangen. Zudem würde er beide Schulen schon seit einigen Jahren nicht mehr unterrichten. Ob einige seiner alten Schüler immer noch dabei wären, könnte man mir nicht sagen. Tja, da saß ich nun also. Wäre sein Haus leichter zu erreichen gewesen, wäre ich vermutlich ganz naiv einfach vorbeigefahren – manche Leute muss man wohl einfach zu ihrem Glück zwingen. Bitte, man möge mich nicht falsch verstehen. Ich möchte niemanden bedrängen oder mich aufzwingen – nur finde ich, dass solch wunderbare Dinge wie die alten Schulen nicht in Vergessenheit geraten sollten. Insbesondere die Bokuden ryû Kusarigama, von der gesagt wird, Mimura-sensei sei der letzte Lehrer dieser Schule. Nun, ich für meinen Teil beschloss jedoch, nach meiner Rückkehr nach Tôkyô nochmal den schriftlichen Kontakt suchen zu wollen. Auch wenn es nur von theoretischer Natur ist, so würde ich doch gerne – auch wenn es nur Bruchstücke sind – mehr über diese beiden Schulen erfahren.
Ich verließ also das Tourismuszentrum und machte mich auf, die Stadt ein wenig zu erkunden. Dabei war mein Ziel die Überbleibsel des Schloss Matsusaka. Das was noch steht, die Mauern, ein paar Bäume und Co., ist wirklich interessant anzusehen. Wenn man also gerade in der Stadt ist, sollte man die paar Minuten Fußweg ruhig in Kauf nehmen. Oh, und falls jemand in Geld schwimmen sollte: Das Rind soll überaus gut sein – aber für 300 Gram 15.000 Yen – ich weiß ja nicht.

Somit endete Tag 2 in Mie mit zwei Erlebnissen, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Der nächste Tag, Samstag, stand ganz im Zeichen der Burg Nagoya. Ein weiterer Kumpane aus Tôkyô kam hinzu (Steven R., besser bekannt unter dem Label „Gudkarma“) und gemeinsam mit Russ Familie ging es Richtung Burg. Unser Guide sollte kein geringerer sein als Chriss Glenn, ein „Nagoya Original“. Historiker, Autor, Radio DJ, Helikopterpilot – ausgestattet mit einer Stimme, die selbst James Earl Jones alle Ehre machen würde. Die Burg Nagoya ist sozusagen sein zweiter Wohnsitz, obwohl man dieses wohl auch über Sekigahara sagen könnte, den Ort, der Japans Zukunft massgeblich beeinflusst hat und über den Chriss momentan ein Buch schreibt. Jedenfalls begann die Tour in den äußeren Ringen der Burg mit detaillierten Erklärungen über ihre Geschichte, den Bau und die jeweiligen Hausherren. Es folgte eine weitere Führung durch den nach der Restauration wiedereröffneten Palast sowie die inneren Räume der Burg. Nach mehreren Stunden und diversen ungläubigen Blicken seitens anderer Besucher (Chriss Glenn, Promi, ne?), ging es zurück Richtung Kuwana. Der Tag wurde bei gutem chinesischem Essen und diversen alkoholischen Getränken verabschiedet.

Der eigentliche Grund für unseren Besuch in Mie – obwohl Kameyama, Matsusaka und Nagoya auch toll waren – war das Kensôsai-Enbu zu Ehren von Aisu Ikôsai, Gründer der Kage ryû. Das Enbu wird alljährlich am letzten bzw. vorletzten Wochenende im August in der kleinen Stadt Minami-Ise ausgetragen. Normalerweise wird hierzu der Grund eines Schreins genutzt, inmitten von hohen Bambushainen, umgeben vom Gesang der Zikaden. Leider hatte es der Wettergott in diesem Jahr nicht gut mit den Teilnehmern gemeint, und so wurde das Enbu aufgrund von Regen in das örtliche Kendôjô verlegt. Dieses hatte jedoch den Vorteil, dass es nicht so unsaglich heiß war und man sich wenigstens ein wenig hinsetzen konnte. Man suchte sich einen guten Platz, kramte seine Kamera hervor und wartete auf den Beginn der Vorführungen. Das Enbu begann gegen 9:30 Uhr und endete um 13:30 Uhr. Obwohl Schwertschulen in der Überzahl waren, gab es auch Vorführungen von Schulen des Naginatajutsu und des Sôjutsu. Im Ganzen war das Enbu sehr interessant. Kobayashi-sensei habe ich ebenfalls wieder getroffen. Trotzdem gab es auch ein paar Naja-Momente, bei denen ich wirklich an den jeweiligen Vorführenden gezweifelt habe. Nun, eigentlich nicht direkt an der Person an sich, sondern der Schule und der Art und Weise ihrer Technikausführung. Insbesondere eine Iai-Schule ist mir im Gedächtnis geblieben: Ich kann einfach nicht verstehen, wieso man die Handgelenke beim Schneiden überstrecken sollte. Ungesund, keine stabile Verbindung zwischen Hand und Schwert – nein, absolut nicht mein Fall. Ich glaube auch, dass ich deren Demo gar nicht erst gefilmt hatte – aber vielleicht finde ich auf YouTube einen kurzen Ausschnitt. Meine absoluten Highlights waren zum einen die Jikishinkage ryû-Vorführung zweier Damen, sowie jene der Shingyôtô ryû und eine klasse Tachi Uchi no Kurai-Darbietung einer Musô Jikiden Eishin ryû-Gruppe aus Ôsaka. Im Folgenden die Teilnehmerliste:

  • Nihon Kendô Kata
  • Hokushin Shinnô ryû Iai
  • Yagyû Seigô ryû Iai
  • Musô Jikiden Eishin ryû Iai
  • Bukutô ni yoru Kendô Kihon waza Keikohô (Basics in Kendô)
  • Hôki ryû
  • Hikita Shinkage ryû
  • Toyama ryû
  • Tennen Rishin ryû
  • Nihon Buyô
  • Yagyû Shinkage ryû Heihô
  • Musô Jikiden Eishin ryû
  • Ono-ha Ittô ryû
  • Yamato Yagyû Shinkage ryû Heihô
  • Jikishinkage ryû Naginatajutsu
  • Yagyû Shinkage ryû Heihô
  • Aisu Kage ryû
  • Kage ryû
  • Owari-kan ryû
  • Shingyôtô ryû

Zum Abschluss gab es noch ein kleines Shiai der örtlichen Kendô-Kindergruppe, bei dem jeder ein bzw. drei (bei den Älteren) Luftballons auf dem Men befestigt hatte.

Das Enbu endete um die Mittagszeit. Anschließend wurde an alle Teilnehmer und Gäste ein kaltes Nudelgericht sowie Sushi herausgegeben. Sehr lecker und eine tolle Geste zum Abschluss. Zusammen mit Steven ging es anschließend zurück Richtung Tôkyô über Nagoya. Vier interessante Tage kamen ihrem Ende entgegen. Hat sich gelohnt wie ich finde.

Und nun, ein paar Fotos.

Yours in Budô,

Micha

Im Zuge des Abschlusses des Antikominternpakts im Jahre 1936 zwischen dem Deutschen Reich und dem Japanischen Kaiserreich, kam es in den folgenden Jahren zu diversen Besuchen auf politischer und kultureller Ebene, insbesondere auch auf dem Gebiet des Jugendaustauschs: Im Frühjahr 1938 machte sich erstmals eine Delegation aus Japan auf den Weg nach Europa. Der Grund: Die Verbreitung japanischer Sportarten, insbesondere des Jûdô und Kendô. Die Hauptakteure, 12 junge Studenten nahmhafter Universitäten, bereisten innerhalb von drei Monaten Italien, Deutschland und Frankreich und trafen während ihrer Zeit nicht nur auf hochranrige Mitglieder der jeweiligen herrschenden Schicht, sei es Mussolini oder aber Adolf Hitler, sondern boten darüber hinaus mehrmals die Gelgenheit zum sportlichen Austausch. Dieses Reise wird in einem späteren Artikel noch näher betrachtet, doch im Folgenden wird auf das Pendant von deutscher Seite aus eingangen.

Am 16. August 1938 erreicht eine 30 köpfige Gruppe der Hitlerjugend Japan per Schiff der Norddeutschen Lloyd Gneisenau den Hafen von Yokohama im Zuge des Deutsch-Japanischen Jugendaustauschs. Unter tosendem Applaus wurde sie am nächsten Tag am Bahnhof Tôkyô von einer Menge jubelnder Japaner empfangen. Während ihres dreimonatigen Aufenthalts im Land der aufgehenden Sonne bereiste die Gruppe zahlreiche Plätze und absolvierte eigens für sie organisierte Schulungen zur japanischen Kultur und Mentalität und knüpfte, insbesondere mit der japanischen Vereinigung junger Männer, einige Kontakte. Die Japan Times titelte in ihrer Ausgabe vom 18. September 1938: „Willkommen, Hitlerjugend!“. Nahmhafte Firmen deutschen wie auch japanischen Ursprungs schalteten grossflächige Werbeanzeigen, darunter Bosch und Leitz und die Ausgabe war fast ausschliesslich diesem Ereignis gewidmet.

Wieso ist nun aber diese Reise aus Sicht der Kampfkunst von Interesse? Nun, während ihrer Zeit in Japan war die Gruppe ebenfalls an einer Vorführung altjapanischer Kampfkünste in der Nationalsporthalle in Kanda, Tôkyô am 15. September anwesend. Bereits an dem Tag hatten sie das Kriegsmuseum am Yasukuni-Schrein, dem Yûshûkan, einen Besuch abgestattet und anschliessend mit dem Minister für Bildung und Erziehrung, Herrn Araki, zu Mittag gegessen. Die Vorführung selbst begann um 14:30 Uhr und endete um 15:40 Uhr. Organisator war die Vereinigung für Japanische Kultur. Zu Beginn gab es eine shintoisitische Zeremonie gefolgt von einigen einleitenden Worten von Koyama Matsukichi, dem Direktor der Vereinigung. Die erste Darbietung der Vorführung kam von Seiten der Takeda ryû, welche ihr Jingaijutsu zeigte, die Signalgebung mit Hilfe einer Muschel. Es folgten weitere Darbietungen im Iaijutsu (Tatsumi ryû), Jûjutsu (Shinkage ryû, Shinnoshindô ryû, Sosuishitsu ryû), Jôjutsu (Shintô Musô ryû), Naginatajutsu (Tendô ryû), Kudayajutsu (Heki ryû) und einige weitere. Die Katori Shintô ryû war ebenfalls anwesend und zeigte ihr Tachijutsu, Bôjutsu und Sôjutsu. Shiina Ichizô-sensei sowie Sugino Yoshio-sensei und einige weitere Mitglieder seiner Familie waren die Vorführenden. Ihre Gruppe war mit fünf Teilnehmern auch die Grösste an diesem Tag. Von der gesamten Reise wurde ebenfalls ein Film angefertigt, der in den folgenden Monaten sowohl in Japan wie auch in Deutschland gezeigt worden ist. Ob diese Vorführung ebenfalls dort zu sehen ist, ist nach jetzigem Informationsstand nicht ganz klar.

Was sagt uns dieses jetzt aber? Zunächst einmal soviel, dass die japapanische Regierung es für wichtig erachtet hatte, die klassischen Kampfkünste ihren Besuchern zu zeigen. Obwohl auch der Kôdôkan sowie eine Schule für Sumô besucht worden sind, wurde eigens für die Koryû eine Veranstaltung organisiert. Desweiteren wird ebenfalls unterstrichen, welch Stellung die Sugino-Familie zu dem Zeitpunkt (und auch in den folgenden Jahrzehnten) hatte. Die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg war geprägt von einer Reihe wichtiger Enbu, darunter die vier grossen Enbu zur Gründung der Nihon Kobudô Shinkôkai im Jahre 1935. Eines der spannendsten Enbu ist aber vermutlich jenes in Berlin im Jahre 1938, zur Zeit als die 12 Stundenten aus Japan in Europa weilten. Dieses wird in einem separaten Artikel zur gegebener Zeit veröffentlicht. Nur soviel sei verraten: Es fanden nicht nur Kendô- und Judôvorführungen statt. Tameshigiri, Iai und auch Katori Shintô ryû wurden gezeigt. Im Beisein von Adolf Hitler und in Answesenheit von Yoshio Sugino als einer der Vorführenden…

Anmerkung: In den kommenden Monaten wird es vermutlich auch zu dieser Vorführung noch neue Informationen und Erkenntnisse geben und sobald Alle bestmöglich zusammen getragen wurden, wird es einen weiteren, grossen und ausführlicheren Artikel zu diesem Thema geben.

Hallo,

in den letzten Wochen habe ich mich ja immer öfters darüber beschwert, „Iai-müde“ zu werden. Ich muss sagen, am letzten Wochenende hat sich dieses Gefühl nicht bemerkbar gemacht.

Das hatte natürlich verschiedene Gründe:

Grund Nr. 1 war die Ausrichtung eines eher ungewöhnlichen Enbu in Matsushiro, genauer gesagt in der alten Schule für Literatur und Kriegskunst (Matsushirohan Bunbu Gakko), die ich hier bereits in der Vergangenheit vorgestellt hatte. Am letzten Sonntag fand zum 13. Mal das Frühlingsenbu des Matsushirohan Budokai statt, einer Vereinigung zum Erhalt und der Förderung der Kampfkünste des ehemaligen Lehen Matsushiro. Damit wären wir auch bei Grund Nr. 2: Die Location. Austragsunsort war die grosse Speerhalle auf dem Gelände der Schule. Holzfussboden, verhangene Wände, eine hohe Decke, zwischenzeitlich ordentlicher Regen mit ein wenig Donner: Die Atmosphäre hätte nicht besser sein können. Das Publikum bestand vielleicht aus, sagen wir, nicht einmal 50 Personen, die alle innerhalb der Halle Platz fanden. Grund Nr. 3 waren natürlich die anwesenden Schulen. Besonders lang viel die Vorführung der Muso Jikiden ryu aus. Ebenfalls gut gefallen haben mir die beiden Vorführungen von Osano Jun (Sekiguchi Shinshin ryu Jujutus sowie Sekiguchi ryu Iaijutsu) sowie diejenigen der Tamiya ryu und Hokushin Itto ryu. Gerade letztere hat mir ungemein imponiert. Obwohl ich eigentlich kein Fan der Itto ryu-Fechtstile bin, muss ich gestehen, dass mir die Hokushin Itto ryu ausgesprochen gut gefallen hat. Besonders auch deren Iai hatte ein paar nette Eigenheiten, insbesondere das Chiburi, das Betrachten der Klinge nach den Schnitten oder das Reinigen eben jener am Hakama.

Ein wenig, sagen wir – abgedreht – war die Vorführung der Mugai ryu, welche sich selbst als „schrecklichste Iai-Schule“ bezeichnet haben. Gerade der Herr im Video der der Kamera am nächsten ist, war ein unglaublicher Selbstdarsteller. Für meinen Geschmack ein wenig too much.

Alles in allem war es aber ein wunderbares Enbu. Nach knapp drei Stunden war das Ganze vorüber. Bepackt mit allerhand Videos, einem tollen Programmheft und einigen Informationsblättern über Matsushiro ging es dann Richtung Nagano Station und anschliessend zurück nach Toyohashi.

Am Samstag Abend hatte ich mich nach vorheriger Absprache mit Osano-sensei getroffen. Osano ist Inhaber mehrerer Menkyo Kaiden und darüber hinaus passionierter Autor und Researcher in Sachen Kampfkunst. Wir hatten eine ungemein interessante Zeit zusammen und er stellte sich bereitwillig meinen Fragen. Ich kam oftmals nicht aus dem Staunen heraus. Solch ein Fundus an Wissen findet man selten. Osano-sensei wird im Juli Zwecks eines Jubiläums nach Berlin kommen. Für nähere Informationen verweise ich auf folgende Seite: www.isba-world.com

Die Zahl der Schulen die am Enbu teilnahmen, war genau richtig um nicht starke Müdigkeitsgefühle beim Publikum hervorzurufen. Eine gute Auswahl, interessante Darbietungen und alles in einem Gebäude, welches mehr als 150 Jahre auf den Buckel hat. Ein perfekter Ort für ein perfektes Enbu.

Yours in Budo,

Micha

 

Hallo,

Nun also der letzte Bericht meiner Odyssee durch die stürmischen Meere der Kampfkunstvorführungen. Und die letzte Vorführung war wirklich das Highlight. Ort des Geschehens: Der Grund des Nagoya-Schlosses. Das Wetter:  Perfekt. Strahlender Sonnenschein. Die teilnehmenden Schulen: Grossartig! Jigen ryu zum Anfassen? Kein Problem! Picknick im Schatten? Normal!

Es war fast wie ein grosses Familientreffen. Es wurde viel gelacht, gegrillt, Bier getrunken (natuerlich nach der jeweiligen Vorführung) und der ganze Tag einfach nur genossen.
Zwei Freunde von mir waren ebenfalls mit ihren Gruppen anwesend und zeigten nicht zu knapp das Curriculum ihrer Schulen. Wie mir gesagt worden ist, nutzen diverse Dojo dieses sehr spezielle Enbu auch dazu, den Neulingen mal die Moeglichkeit zu geben, ein wenig unter Publikum das Gefühl der Kata erleben zu koennen.

Sehr interessant war natürlich die Owari kan ryu-Vorführung mit ihren Zusatzschulen. Die Techniken mit dem Odachi aus der Shinkage ryu waren sehr nett, auch der Speerkampf gerüstet und mit viel Dampf war ein echter Hingucker. Besonders angetan hatte es mir eine Shorinji-Kempo-Vorführung. Wie der Moderator erzählte, gibt es in jedem Jahr eine „Familienvorführung“ bei der zwei oder mehr Mitglieder einer Familie gemeinsam etwas zeigen. In diesem Jahr sollten es Vater und TochterXX. Das Besondere: Die Tocher leidet an dem sogenannten Down-Syndrom. Ehrlich gesagt hatte ich bisher nicht viel Erfahrung mit Menschen, die an dieser Krankheit leiden. Vielleicht auch aus dem Grund, da dieses Thema in der Gesellschaft nicht wirklich angesprochen wird. Daher war ich umso mehr erstaunt und wirklich, wirklich gefesselt, als die Tochter ihrem Vater richtig zugesetzt hat. Da ich absolut keine Ahnung hatte, wie diese Art der Behinderung sich auf die koerperlichen und geistigen Fähigkeiten auswirkt, war ich sichtlich begeistert. Da war Power dahinter, die Bewegungen waren präzise und auf den Punkt gebracht. Wie sagte der Moderator im Hintergrund? „Kampfkunst dient zur ganzheitlichen Schulung des Koerpers“. Genau dieses hat man bei der kurzen Vorführung gesehen. Ich verweise hier explizit auf das Shorinji-Kempo-Video. Schaut es euch an. Es lohnt sich!

Ein weiteres Highlight war die Shinto Muso ryu-Vorführung und insbesondere der letzte Teil: Isshin ryu Kusarigama. Wirklich eine Waffe, die ganz oben auf meiner Liste steht.

Sonst gab es viel Iai, ein wenig Aikido und Karate,  sehr nettes Tameshigiri („Zwei Rollen? Pah! Wir nehmen fünf!“) und alles in allem wirklich viele gute Vorführungen. Wenn ich ein Fazit geben muesste, wäre das Enbu in Nagoya das beste der fünf Enbu der vergangenen Wochen gewesen. Es passte einfach alles. Genau so wie es sein sollte.

Das nächste Enbu wird bald folgen: 3. Juni, Matsuhiro Bunbu Gakko. Man darf gespannt sein!

Yours in Budo,

Micha

Yagyu Shinkage ryu Heiho

Shunpukan Batto Seiho

Shunpukan Nagoya – Owari Kan ryu

Tendo ryu Naginatajutsu

Yoshinkan Aikido

Shorinji Kenpo

Muso Jikiden Eishin ryu Komeijuku

Shinto Muso ryu Jodo

Soshin ryu Iai Battojutsu

Servus,

am letzten Samstag fand ein sehr kleines aber feines Enbu am Seto-Jinja in Yokohama statt. Grund war das 10. jährige Bestehen der Nihon Iaido Kyokai um Takada Gakudo-sensei, 10. Dan Muso Shinden ryu Iaido.
Bis auf ein paar Ausnahmen war es ein reiner Iaido-Taikai, bei dem, je nach Graduierungsgruppe, zusammen eine kleine Auswahl an Kata gezeigt wurden. Bevor es richtig losgehen sollte, wurde eine gemeinsame Shinto-Zeremonie im Schrein abgehalten, die von einer anschliessenden, offiziellen Begrüssung gefolgt wurde. Den Anfang der Vorführungen machte eine Solodemo (Shinden) gefolgt von der Shodan/Nidan/Sandan-Gruppe. In dieser Gruppe waren vier Vorführende: drei entstammen der Muso Shinden ryu, einer der Shinto ryu. Gezeigt wurden 5 Kata nach freier Wahl, welches sich durch das gesamte Programm durchziehen sollte. Neben diversen Iai-Vorführungen – Shinden, Eishin, Tamiya, Nakamura, Toyama, Shinto  – gab es auch eine kurze Kenjutsu-Vorführung der Shinto ryu, eine etwas längere und sehr nette Yagyu Shingan ryu-Vorführung sowie einen kurzen Absteher ins Jodo sowie Jukendo.

Es waren wirklich extrem viele hochgraduierte Leute anwesend. Später beim Naorai, der offiziellen Feierlichkeit, wurde sich im Fluss des Alkohols und der guten Speisen herzlich ausgestauscht. Besonders intensiv war das Gespräch mit einem 8. Dan sowie einem 5. Dan Tamiya ryu. Erster will unbedingt nach Deutschland kommen (jemand Lust auf ein Seminar?) und Letzterer hat sich mit mir über den Wert von Kyudo im Budo unterhalten. Falls jemand diesen Herren kennt: Nakayama-sensei aus Kanagawa. Viele Grüsse von seiner Seite aus an die Kyudo-Leute in Deutschland. Er hat in den höchsten Tönen von euch gesprochen!

Das Problem bei solchen Veranstaltungen: Irgendwann muss jeder eine Rede halten. Was passierte also? Mein Sensei wurde aufgerufen und musste mich natürlich mit nach vorne ans Mikro stellen. Und da stand ich nun. Allein. Vor Leuten, die vermutlich alle zusammen mehr als 1000 Jahre Praxis auf den Buckel haben. Und das Problem: Sie waren alle leicht angeheitert und wollten jetzt was über Budo wissen – von mir. Immerhin kann ich sagen, dass der Applaus, nachdem ich meine Rede beendet hatte, wirklich nicht ohne war. Dabei habe ich nur das gesagt, was ich hier auch schon öfter geschrieben habe: Iai, welches nicht mit dem Willen zum Schneiden ausgeführt wird, ist kein Iai. Herz und Schwert muessen Hand in Hand gehen. Tagtäglich. Fanden Sie scheinbar sehr passend. Es folgten diverse Schulterklopfer (besonders der 8. Dan von oben hatte eine ungemeine Freunde dabei empfunden, mir mehrmals, sehr – intensiv – auf die Schulter zu klopfen), diverse Visitenkarten und Bekundungen, wie gut sie doch  unsere Vorführung fanden und das ich schön fleissig weiter trainieren solle.
Ehrlich: Das war wirklich ein ganz tolles Erlebnis. Super nette Herrschaften, sehr offen und auch oftmals mit einer gehoerigen Portion Humor. Wie meinte der 5. Dan nur ganz trocken: Ich bin ein 6. Dan Shudo 酒道. Der geneigte Leser möge sich die Übersetzung bitte selbst erarbeiten… Ebenfalls von hohem Unterhaltungsfaktor – leider auf meine Kosten – war zum einen mein Aussehen und zum anderen meine momentane Anstellung bei einem grossen deutschen Autobauer. Wieder Herr 8. Dan – merklich betrunken und voller Euphorie – war dran mit seiner Rede. Also ab nach vorne und zack, erstmal über mich hergezogen. Es viel oftmals der Name „Brad Pitt“ (fragt mich ja nicht, wieso!) in Zusammenhang mit meinem Aussehen (ich habe gesagt, nicht fragen!) sowie der dezente, mit dem Vorschlaghammer vorgetragene Hinweis, dass ich ja sehr gut deutsche Qualitätsware (sprich Autos) für die anwesenden Herrschaften besorgen könnte. Auf meinen Hinweis, dass dieses doch etwas schwierig werden könnte, konnte man bei der alten Garde doch schon den ein oder anderen Gesichtsverzug erkennen. Ich glaube, die hatten echte Hoffnungen…

Wie dem auch sei. Es war ein rundherum gelungener Tag: Perfektes Wetter, eine absolut tolle Location, tatsächlich ein wenig Publikum, ein sehr netter Takada-sensei und viele neue Kontakte. Hoffentlich, bis zum nächsten Mal!

Yours in Budo,

Micha

Muso Shinden ryu

Yagyu Shinkage ryu und Yagyu Shingan ryu

Nakamura ryu Happogiri

Tamiya ryu und Muso Shinden ryu

Jukendo 1 + 2

Muso Jikiden Eishin ryu

Vorwort: Es folgen einige Enbu-Berichte, nur sind von einigen noch nicht die Videos beschriftet und die Fotos gesichtet worden. War ein wenig busy, hoffe aber, dass der Rest jetzt auch so langsam hochgeladen werden kann.

Hallo,

nach zwei Enbu in Tokyo und einem kurzen Abstecher nach Kyoto am Anfang der Woche, ging es am 4. Mai wieder zurück nach Kyoto, dieses Mal zum Shimogamo-Jinja. Das Enbu sollte planmässig um 13 Uhr beginnen, und so hatte ich – dank der Fahrt mit dem Nachtbus – noch einiges an freier Zeit übrig. Kyoto in der Golden Week – einer der Urlaubszeiten hier in Japan – ist immer brechend voll. Das sollte ich insbesondere am Hauptbahnhof sehen. Hunderte von Menschen standen an, um irgendwie in Richtung der Hotspots der Stadt zu kommen. Da ich von Anfang an diesem aus dem Weg gehen wollte, hatte ich mir im Vorfeld schon überlegt, wohin mich meine Ausflug führen koennte, ohne von einer Armada kulturhungriger Japaner überrannt zu werden.

Meine Entscheidung viel auf Mibu, einen Teil Kyotos, der insbesondere in der späten Tokugawa-Zeit zu einiger Berühmtheit gelangte, da hier die berüchtigte Shinsengumi für einige Zeit ihren Sitz hatte. Ich machte mich also auf Richtung Mibu und siehe da: Ruhe und Frieden, genauso wie ich es mir erhofft hatte. Erstes Ziel war der Mibu-dera, der Tempel, den die Mitglieder der Shinsengumi für einige Zeit als Hauptquartier nutzten. Eine wirklich nette Anlage auf dessen Grund sich auch ein Paar Gräber diverser Shinsengumi-Mitglieder befinden. Nach einem kurzen Verweilen ging es dann ein wenig auf Streifzug durch die Straßen von Mibu, vorbei an vielen Flaggen die das Wappen der Shinsengumi zeigten sowie einem Fanshop. Ein Fanshop? Als ich kurz verweilte, stürzte eine etwas betagte Dame aus dem Inneren und begrüsste mich überschwenglich. Als sie erkannte, dass ich an der Geschichte der Shinsengumi interessiert bin, begann ein fast nicht endender Redefluss. Eigentlich war es fast schon ein Monolog ihrerseits, nur ab und zu unterbrochen durch einige wenige Worte der Zustimmung („Achso war das!“) oder des Interesses („Aahhh!“) meinerseits. Nach vielen Anekdoten, Ratschlägen und Komplimenten bezüglich meiner Körpergroesse (ja ja, ich Riese *hust) ging es zurück Richtung Bushaltestelle. Vorher besuchte ich aber noch die Yagi-Residenz, dem Ort, an dem die Shinsengumi gegründet worden ist. Ich bezahlte eine kleine Eintrittsgebühr und lauschte anschliessend einem Touristenfüher bei seinem Vortrag im Inneren des Hauses über dessen Geschichte und wer wie wo wann gestorben ist. Alles sehr interessant.

Die Zeit schritt voran und ich machte mich nunmehr auf den Weg zum Schrein. Shimogamo-jinja liegt etwas mehr als 30 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. Auf Grund des hohen Touristenaufkommens an diesen Tagen, dauerte die Fahrt allerdings merklich länger. Der Schrein ist vom Aufbau wirklich sehr schön und beinhaltet in seiner Mitte zwei Bühen die an diesem Tag für die Vorführungen genutzt worden. Da sie ein wenig auseinander lagen, musste man sich entweder für eine Bühne entscheiden oder immer hin und her pendeln. Da ich mir aber rechtzeitig eins der Programmhefte gesichert hatte, konnte ich vorab die Schulen durchgehen und abwägen, was sich lohnen würde zu sehen und was nicht. Da das grosse Enbu in Asakusa erst eine Woche zurück lag, entschied ich mir für die Hautpbühne und hatte somit Gelegenheit, auch eher kleinere und unbekanntere Schulen zu sehen. Das Enbu begann mit dem Einmarsch der Teilnehmer und einer kurzen Shinto-Zeremonie. Anschliessend bot die Ogasawara ryu einen kurzen Einblick in ihr Yabusame (vom Holzpferd aus), gefolgt von dem eigentlichen Programmstart auf den jeweiligen Bühen. Leider sind die Bühen – wie man später auf den Videos sehen kann – nicht gerade optimal für Filmer. Irgendwie war immer ein Balken im Weg. Nichtsdestotrotz waren alle Vorführungen sehr spannend, wovon mir eine ganz besonders in Erinnerung geblieben ist. Die Hosokawa-ke Hyoho Niten Ichi ryu bot eine Darbietung die wirklich – ich sage es einfach so wie es ist – cool war. Da war Feuer, da war Power, da war Spirit. Tolles Metsuke, viel Druck, so muss das sein!

Ebenfalls nicht von schlechten Eltern war die Kanshin ryu-Vorführung, auch wenn ich mir gewünscht hätte, endlich mal wieder was aus dem Iaijutsu der Schule bewundern zu dürfen.

Das Sojutsu der Fuden ryu war auch sehr interessant und hat meiner Meinung nach bei vielen Zuschauern für einiges Staunen gesorgt.

Die Tennen Rishin ryu war wieder einmal auch wegen ihrer weiblichen Mitglieder ein Hingucker.

Alles in Allem war es ein wirklich tolles Enbu bei herrlichem Wetter. Der Austragunsort war mehr als passend und die anwesenden Schulen haben den Nachmittag nicht langweilig erscheinen lassen. Trotzdem hat man – wenn man am Anfang den umherstehenden Menschen ein wenig gelauscht hat – oftmals die Frage gehört, was denn überhaupt Kobudo sei. Viele ratlose Gesicher konnten hoffentlich am Ende mit neuen Eindrücken und Erfahrungen nach Hause gehen.

Wie immer an dieser Stelle: Die Fotos und Videos. Viel Freude damit!
Yours in Budo、
Micha

Shinto Muso ryu

Muso Shinden Iai Hayashizaki ryu Tsumeai

Fuden ryu Sojutsu

Hosokawake Dento Hyoho Niten ichi ryu

Owari Kan ryu

Kanshin ryu

"Wäre ich ein Tautropfen, so würde ich auf der Spitze eines Blattes Zuflucht suchen. Aber da ich ein Mensch bin, habe ich keinen Ort auf der ganzen Welt." - Saigo Takamori
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