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Mit etwas Verspätung erscheint hier jetzt das Review zu dem Bujutsu-Karate-Seminar mit Stephan Yamamoto in Bremen von vor ein paar Wochen. Ich bitte die Verzögerung zu entschuldigen.

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Hallo,

am letzten Wochenende fand ein ganz spezielles Seminar in den Hallen des Aikido-Zen Dojo in Bremen statt. Der Lehrer war Stephan Yamamoto, 4. Dan Shotokan-ryu sowie 3. Dan Muso Jikiden Eishin ryu Iaido. Thema des Ganzen: Bujutsu Karate. Nein, eigentlich war es ein Aikido-Seminar. Oder doch eher ein Judo-Seminar? Koryu-Bujutsu? Hm…Ich bin mir garnicht mehr so sicher.

Der Leser wird sich jetzt vermutlich die Fragen stellen, was diese merkwürdigen Ausführungen zu bedeuten haben. Aber dazu später mehr…

Es waren knapp 15 Teilnehmer anwesend. Kommend aus dem Karate, Judo sowie dem Koryu Bujutsu, hatten alle eine unterschiedliche Erwartung an das Seminar. Müsste man einen Oberbegriff für das Thema das Seminares finden, würde das Ganze vermutlich unter dem Schirm der Körperarbeit laufen müssen.

Stephan Yamamoto kommt ursprünglich aus dem Shotokan-ryu Karate-do sowie dem Iaido der Muso Jikiden Eishin ryu. Obwohl es als Karate-Seminar ausgeschrieben war, kamen mehr als die Häfte der anwesenden Teilnehmer nicht aus dem Karate-Bereich.

Also, worum ging es?
Es ging um Bewegung – funktionaler Bewegung. Also eigentlich darum, wie man sich auf natürliche (denn das haben wir heutzutage fast vergessen!) bewegt und wie man diese Prinzipien der Bewegungslehre auf das Karate, Judo, Koryu Bujutsu übertragen und auch wieder finden lassen kann. Zur Konditionierung des Körpers – und ja, dieses war von Nöten! – wurden Übungen aus dem Yoga, der Feldenkrais-Lehre sowie dem Hojo-Undo den eigentlichen Übungen vorgezogen. Wie viel man doch mit natürlicher Kraft alles bewirken kann – und wie viele unterschiedliche Stellen man gezielt ansteuern und reaktivieren kann. Viele der Teilnehmer sagten nach dem Seminar, sie hätten Teile ihres Körpers gespürt, die sie vorher fast vergessen hatten, respektive nicht wahrnahmen. Es wurde also versucht ein neues Körpergefühl zu kreieren. Das so etwas nicht an einem Wochenende geschehen kann, ist klar.

Das große andere Thema war die Verknüpfung dieser Prinzipien – nein, anders – dieser Bewegungslehre mit dem Prinzip der Kata. Kata als Träger von Prinzipien der jeweiligen Schule. Anhand einer Kata aus dem Shotokan-ryu wurde dann versucht, diese (für viele) neue Bewegungslehre umzusetzen. Dabei war ein nicht unwesentlicher Teil die Erklärung der Anwendungen. Einige werden es vielleicht kennen: Man macht eine Kata ohne das Prinzip dahinter zu kennen, die Anwendung oder den Fluss. Stephan Yamamoto hat über das ganze Wochenende Würfe, Schläge und allerlei andere Dinge gezeigt, die sich später in der Kata wiedergefunden haben. Dass diese vielleicht nur eine Möglichkeit der Anwendung darstellen, ist klar – doch sie veranschaulichte auf einfache Art und Weise worauf es im Karate, Judo, Aikido oder dem Koryu Bujutsu ankommt: den Körper nicht gegen seinen Willen zu manipulieren, sondern ihm das Gefühl der Natürlichkeit wiederzugeben.

Die Würfe wurden ohne Kraft sondern allein durch Körperbewegung, Gleichgewichtsverlagerung und viel Smooth durchgeführt. Und: es klappt! SV-Legastheniker und Straßenrüpel werden enttäuscht sein: es ging primär nicht ums Kämpfen. Jedenfalls nicht im Sinne der SV. Vielmehr wurde das, was schon seit Jahrhunderten in den Kampfkünsten existiert, extrahiert und anschaulich anhand der Kata verdeutlicht. Ich möchte Stephan Yamamoto noch nicht auf die Stufe eines Ushiro Kenji oder Akira Hino heben. Dass würde schon ein bisschen über den eigentlichen Zweck hinausgehen. Aber dass was er macht geht exakt in die selbe Richtung.

Den Teilnehmern hat es sichtlich Spaß gemacht. Auch die Arbeit am Boden und einige nette andere Spielereien beleuchteten Dinge, die den meisten bisher verborgen waren.

Ich persönlich freue mich schon auf das nächste Seminar in Bremen! Stephan Yamamoto wird immer ein gern gesehener Gast sein!

Yours in Budo,

Micha

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Hallo,

heute war ein wirklich schöner Tag: Das Wetter war mehr als perfekt, die Begleitung noch besser und das Programm war die Kirsche auf der Sahnehaube.

In Hino fand heute nicht nur ein großes Matsuri am Yasaki-Schrein statt, auch die Tennen Rishin ryu gab sich die Ehre und zeigte einige Techniken aus ihrem Curriculum.
Die Tennen Rishin ryu ist eng mit der Geschichte der Shinsengumi verwoben, einer Gruppe von Samurai die im Kyoto des 19. Jahrhunderts für Recht und Ordnung gesorgt hat. Viele der Top-Mitglieder der Shinsengumi waren Adepten der Tennen Rishin ryu und Mitglieder des Shieikan Dojo in Edo.

Die vorführende Gruppe war recht groß und es wurden neben dem Kenjutsu auch Techniken aus dem Iaijutsu, dem Jujutsu und ein wenig Tameshigiri gezeigt. Die Fotos und Videos gibt es hier:

Tennen Rishin ryu – Kenjutsu

Tennen Rishin ryu – Iaijutsu

Tennen Rishin ryu – Jujutsu

Tennen Rishin ryu – Kodachi

Tennen Rishin ryu – Kenjutsu

Tennen Rishin ryu – Tameshigiri

 

Ich mag die Schule. Nicht nur wegen ihres geschichtlichen Hintergrunds, sondern gerade auch die Techniken imponieren mir ganz besonders: Kurz, knackig – so mag ich das. Gerade die Jujutsu-Sachen und die Kenjutsu-Kata mit Habiki sind meine Favouriten.

Nachdem die Vorführung beendet wurde, ging es weiter ins Shinsengumi no Furosato Rekishikan. Bei diesem Gebäude handelt es sich um ein Museum der Stadt Hino, welches der berühmten Gruppe der Shinsengumi gewidmet ist. Beide, die Stadt Hino und die Shinsengumi, haben eine gemeinsame Geschichte die hier dargestellt wird. Leider konnte ich drinnen nur ein paar Fotos machen. Es gab diverse alte Schriftstücke und Bilder, eine Videovorführung, eine Möglichkeit sich in Shinsengumi-Kleider zu hüllen um anschließend darin Fotos zu machen und, mein kleines Highlight: Einen eigenen Bereich für die Tennen Rishin ryu mit einer Diashow der ersten Kenjutsu-Kata. Und auf dem Boden stand ein Schwertständer mit einem normalen Bokuto der Schule und der großen, schweren Variante, die man oben im ersten Video sehen konnte. Die Dame im Museum erklärte mir, dass zu Zeiten des Shieikan diese Größe für alle Kata verwendet worden sind. Ich glaube, so ein Bokuto muss ich mir auch zulegen…
Alles in allem hat mir der Besuch sehr gefallen. Der Eintritt ist mit 200 Yen auch recht günstig. Für mich was es ein wirklich toller Besuch!
In der gleichen Stadt gibt es auch noch einige weitere Museen, darunter das Inoue Genzaburo Museum und einmal im Jahr findet das Shinsengumi-matsuri statt. Diese Stadt lebt wirklich den Kult um diese Gruppe Männer aus vergangenen Tagen…

Nun aber ein paar Fotos:


Yours in Budo,

Micha

Hallo,

heute gibt es eine kleine Premiere auf „Life for a Sword“: Martin Stehli, ein bekennender Anhänger der Muso Jikiden Eishin ryu aus der Schweiz und darüber hinaus eine Person die sehr schätze, war vor kurzem in Japan und hat es sich nicht nehmen lassen, eine kleine Safari durch diverse Budo-Läden zu unternehmen. Seine Erlebnisse schildert er hier mit einem kleinen Gastbeitrag. Enjoy!
Yours in Budo,

Micha
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Budo-Shops in Japan – ein kleines Review

Ja, Budo-Shopping ist toll! Damit werden wohl die meisten, die sich mit japanischen Kampfkünsten befassen, einverstanden sein. Ein neuer Hakama, ein spezieller Obi, ein schönes Montsuki und natürlich die Waffen. 😉

Heutzutage kann man sich natürlich alles relativ bequem online bestellen. Und es gibt auch wirklich hervorragende Online-Shops… Aber nichts ersetzt das RICHTIGE Ladengeschäft, wo man anfassen, ausprobieren, anprobieren und sich auch noch unterhalten kann. Und das alles wird noch getoppt, wenn der Laden in Japan ist!

Diesen Sommer war ich wieder für einige Wochen auf Familienbesuch in Japan. Ideal also, um sich einige Geschäfte genauer anzusehen.

Ich war auf der Suche nach einem braunen Hakama, einem O-sode Iaido-Gi mit Juban, Obi und ….natürlich Sageo. Von den Dingern krieg ich nie genug! Die Einkaufsliste war also relativ umfangreich.

Dieses Jahr stand wieder mal Kyoto auf dem Programm und somit auch ein Besuch bei TOZANDO, einem der wirklich guten Online-Shops. In Kyoto gibt es zwei Ladengeschäfte von TOZANDO, eines davon spezialisiert auf Iaido, Koryu und japanische Schwerter.

TOZANDO Shogoin Storehttp://www.tozandoshop.com/

Adresse: 24 Enotomi, Shogoin, Sakyo-ku, Kyoto City

Der Laden besteht aus Erdgeschoss und erstem Stock. Oben findet man eine grosse Auswahl an Iaito, Shinken (antik sowie neu geschmiedet) sowie Rüstungen und Rüstungsteile. Unten gibt’s das Beigemüse… 😉

Wir wurden von Taniguchi-san, dem Filialleiter, begrüsst. Die Bedienung war sehr freundlich (man ist ja in Japan) aber leider wurde schnell klar, dass TOZANDO eben vorallem ein gut bestückter Online-Shop ist. Farbige Hakama gab es kaum. Es gab zwar einen Iaido-Gi mit grossen Ärmeln, aber leider in der falschen Grösse. Nachbestellung und Versand von Kyoto nach Chiba (wo wir wohnten) war zwar möglich, aber ich hatte ja noch Shops in Tokyo auf dem Programm. Online gibt es eine Riesenauswahl an verschiedenen Sageo. Im Laden ist nur ein Bruchteil davon vorhanden. Ich kaufte mir dann eher aus Verlegenheit zwei. Im Laden arbeitet seit einigen Jahren auch eine Schweizerin Teilzeit, allerdings nur an Samstagen. Ich habe sie nicht getroffen. Für alle die des Japanischen nicht mächtig sind, wohl eine gute Möglichkeit sich auf Deutsch bedienen zu lassen. Allerdings spricht Taniguchi-san auch Englisch.

Fazit: Für einen grossen, erfolgreichen Online-Händler lohnt sich heutzutage ein grosses Sortiment im Ladengeschäft kaum noch. Taniguchi-san verwies auch mehrere Male darauf, dass man dies und jenes sehr wohl online bestellen könne…

Ich möchte TOZANDO nicht Unrecht tun. Es gibt in Kyoto ein zweites Ladengeschäft, welches ich wegen Zeitmangels nicht besuchen konnte. Allerdings hat Taniguchi-san im Gespräch nie auf diesen zweiten Laden hingewiesen. Wohl im Wissen darum, dass ich meine Einkaufsliste auch dort nicht hätte abarbeiten können.

SAKURA-YAhttp://www.sakuraya.org/

Adresse: 1-3-4 Kudan-kita, Chiyoda-ku, Tokyo

Zurück in Kanto gings dann zu Sakura-ya in Tokyo. Leicht zu finden, da direkt beim Tokyo Budokan gelegen (die grosse Kudanshita-Kreuzung). Ein kleiner Laden mit einer eher bescheidenen Website. Der Online-Katalog besteht aus eingescannten Seiten. Heute ist man es sich ja gewohnt, dass Websites einfach perfekt sind. Selbstverständlich muss auch ein gut zu navigierender Online-Shop vorhanden sein. Und wenn man dann auf eine Website stösst, die all das nicht bietet, ist man leicht versucht das entsprechende Geschäft links liegen zu lassen. Das wäre ein grosser Fehler! Zumindest in meinem Fall wäre es das gewesen.

Der Laden ist nur im Erdgeschoss angesiedelt, die Fläche relativ klein. Es war eine ältere Dame (wohl die Chefin) und ein junger Mann im Anzug anwesend. Langer Rede, kurzer Sinn: Ich ging hier raus und auf meiner Einkaufsliste waren alle Positionen durchgestrichen! Mir wurden sicher fünfzehn Hakama in verschiedenen Ausführungen und Farben gezeigt, dann wurde es mir langsam peinlich… Ich entschied mich dann für einen dunkelbraunen Hakama mit feinen schwarzen Streifen. Herrlich! Auch der O-sode Iaido-Gi mit Juban war natürlich vorhanden, auch da hätte es diverse Farben zur Auswahl gehabt. Am Schluss genehmigte ich mir noch einen lindgrünen Kaku-Obi. Sageo hatte ich ja schon aus Kyoto, liess mir aber trotzdem die Auswahl zeigen. Ich war versucht noch ein Sageo zu kaufen, allerdings war es mir etwas zu teuer. Aber ich bin sicher nicht das letzte Mal hier gewesen….

Fazit: Die Chefin wie auch der Verkäufer waren sehr nett. Mit der Chefin hatte ich aber eigentlich erst am Schluss zu tun, wo es ans bezahlen ging. Der junge Verkäufer hat sich wirklich sehr bemüht, mir die vorhandenen Waren zu präsentieren. Es war klar, dass dieses Geschäft seine Kundschaft im Laden selbst zufriedenstellen muss. Daher auch die grosse Auswahl. P.S. Meinen Hakama hätte es im TOZANDO-Onlineshop nicht gegeben.

Es war erst später Vormittag und meine Streifzüge durch Tokyo mussten auch noch bewältigt werden. Daher konnte ich meinen Einkauf im Laden lassen und dann am Abend vor Ladenschluss abholen.

Da ich gerade in der Gegend war, ging ich noch die Buch-Antiquariate in Jinbocho abklappern. Auf Nachfrage fand ich dann auch einen Laden, der eine grosse Auswahl an alten Budo-Büchern führte. Leider ist mir der Geschäftsname entfallen. Aber mit rudimentären Japanisch-Kenntnissen sollte man das schon finden, zumal es nicht soviele gibt die auf Budo/Bujutsu spezialisiert sind. Es gab allerdings nichts, was ich unbedingt haben musste.

Ich gestehe, ich mag Shibuya. Rührt noch von früher her… 😉 Dieses Mal ist es mir tatsächlich passiert, dass ich dort unverhofft an einem Kendo-Shop vorbeikam.

SHOKODOhttp://www.shokodo.com/index.html

Adresse: 2-17-3 Dogenzaka, Shibuya-ku, Tokyo

Wer das Viertel Dogenzaka kennt, weiss, dass es die Gegend mit der wohl grössten Dichte an „Love Hotels“ ist… Und mitten drin ein Kendo-Shop! Leider war der Laden an diesem Tag geschlossen. Sah aber nach einem gut sortierten Geschäft aus, welches wohl hauptsächlich auf Kendo spezialisiert ist. Bemerkenswert fand ich den Werbeflyer (auf Englisch!) an der Türe. Da wurde ein Dojo für Nakanishi-ha Itto Ryu Kenjutsu beworben!

Ich hoffe, diese kurze Review hilft einigen bei ihren Shopping-Abenteuern in Japan weiter. Happy Hunting!

… wollte ich nicht wirklich über persönliche Dinge hier sprechen. Ich wollte informieren: über tolle Koryu und die ein oder andere interessante Sache.

Nun denn. Ich bin jetzt in Japan und dachte mir, die ein oder andere Sache könnte den Leser vielleicht interessieren. Hier also ein grober Überlick über den aktuellen Stand der Dinge und die zukünftigen Planungen:

  • Mein Training läuft wirklich gut. Ich bekomme gut Input und hoffe, die Korrekturen so schnell wie möglich umsetzen zu können. Was mir im Moment nur ein wenig zu schaffen macht ist die aktuelle Wetterlage. Der deutsche Sommer war ja leider nicht wirklich vorhanden – dafür haut der japanische umso mehr rein: Training bei 30 Grad im Dojo, hohe Luftfeuchtigkeit. Habe selten soviel geschwitzt und gleichzeitig soviel getrunken. Aber so wird der Körper wenigstens entgiftet und wieder auf ein praktikables Niveau gebracht.
  • In den nächsten Wochen wird die ein oder andere interessante Veranstaltung geben. Los gehts am nächsten Sonntag mit einem Embu der Tennen Rishin ryu. Meine Videokamera liegt bereit! Es folgen Embu am Kashima und Meiji Jingu, diverse Dojo-Veranstaltungen und vielleicht auch die ein oder andere weitere Reise. Es wird wirklich ein aufregendes Restjahr!
  • Das Semester an meiner Universität steht auch in den Startlöchern – darauf freue ich mich ganz besonders! Zufällig gibt diese auch die Monumenta Nipponica heraus. Vielleicht wird sich auch dort das ein oder andere ergeben…
  • Shoppen, shoppen, shoppen: Die beiden wichtigsten Sachen zuerst: Schwertständer und Bücherregal! Danach werden im regelmäßigen Rythmus die Bücherläden Tokyos geplündert…
  • Eine Reise nach Okinawa ist auch in Planung. Zudem möchte ich für 1-2 Wochen nach Kyushu. Wer meinen Blog ein wenig länger verfolgt, weiß wieso 🙂

Tja, das erstmal so als groben Überlick. Über alles weitere werde ich bestimmt berichten.

Yours in Budo,

Micha

Wie lange beobachtete die alte Frau mich wohl schon? Ausländer kamen wohl nicht oft hier her, geschweige denn verliefen sich zwischen alten Häusern im japanischen Stil und neumodischen Mehrapartmentcontainern.

Bevor ich mein Ziel erreichte, hatte ich mich tatsächlich verlaufen. Ohne Karte und mit nur einer sehr geringen Vorstellung von dem was mich erwartete, war ich mehrmals im Kreis gelaufen, wieder und aber wieder in kleine Gassen abgebogen, habe geschaut und das Ergebnis für unbefriedigend abgestempelt. Die Luft war feucht, es hatte eben geregnet. Die Zikaden waren merklich hörbar. Der freundliche Herr im Tabakgeschäft konnte mir jedoch einfach und auch für einen Ausländer verständlich erklären, wo ich mein Ziel finden sollte. Also ging es wieder zurück Richtung Bahnhof und tatsächlich – da war es!

Die alte Frau stand immer noch oben an der Straße und blickte auf mich herab. Ich stand etwas mehr als 10 Meter von ihr entfernt, etwas im Gefälle, zu meiner Linken ein kleines japanisches Wohnhaus, zu meiner Rechten eine riesige Baustelle, verhangen durch Plastikplanen und hörbar durch das laute Geschrei der Bauarbeiter und ihrer Maschinen. Sie hatten das Schild, welches auf diesen altehrwürdigen Platz hindeutete, einfach ausgebuddelt und an einen Bauzaun gestellt. Ein merkwürdiges Gefühl. Am liebsten hätte ich es mir gegriffen und einfach einen Meter weiter links wieder eingegraben. Dies würde dem Ganzen wenigstens noch einen Hauch von Würde verpassen. Der alten Frau hätte es wohl gefallen…

Ich betrachtete den Ort ganz genau. Hier stand es also, das Shieikan Dojo 試衛館道場 der Tennen Rishin ryu 天然理心流, einer der berühmtesten Schulen der späten Edo-Zeit und Keimstätte einiger der gefürchtetsten Schwertkämpfer den 19. Jahrhunderts. Einige dieser Männer sollten später zu einem blutigen Ruhm kommen in ihrem Streben das Wohl des Shogun unter Einsatz ihres Lebens zu verteidigen, auch wenn dieses bedeutete sich rigorosen Regeln zu unterwerfen, welche selbst dem engsten Vertrauten keine Gnade schenken würde. Männer wie Kondo Isami, Hijikata Toshizo und Okita Soji sorgten während der letzten Jahre des Shogunats für eine blutige Spur im Westen Japans –  in Kyoto und Osaka. Man sagt, Kondo-sensei trug bei seinen Unterrichtseinheiten ein dunkles Oberteil mit einem gestickten Totenschädel auf dem Rücken. Seine Philosophie war es, obgleich Kampf oder Unterricht, er sei bereit in jedem Moment zu sterben und sein Leben zu geben.
Seine Robe kann man heutzutage immer noch bewundern…


Das Shieikan ist kein Dojo – kein Dojo mehr. Dort wo es früher gestanden haben soll wurde ihm zu Ehren ein kleiner Schrein errichtet, in Gedenken an die Männer die dort dem Studium der Kampfkünste folgten und später zu solch Berühmtheit kamen.

Ich nahm meine Sachen. Ich hatte genügeng Fotos gemacht. Die Frau machte sich auch bereit zu gehen. Sie war sehr alt, sicher über 70. Als ich sie überholte, lächte ich ihr zu…

„Shinsengumi?“ fragte sie mich. „Ja!“ war meine Antwort. „Mich interessiert japanische Geschichte und die Shinsengumi…“. Sie lächelte: „Das ist aber schön! Mich auch!“. „Wen mögen Sie am liebsten?“, fragte ich. „Hijikata…“ – und ihre Augen strahlten.

Wir verabschiedeten uns voneinander und ich ging meines Weges…

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Dieses kleine Ereignis ist mir heute bei meiner Tour passiert. Fand es eigentlich ganz schön und passend für meine neue Kategorie Das Dojo. Auch wenn es kein physisches Dojo im eigentlichen Sinne, so hat dieser Ort unzählige Schwertkämpfer angelockt und sein Wissen weitergegeben.

Heute war ein wirklich guter Tag. Ich stöberte mal wieder in einigen wirklich guten Büchern die nur darauf warten von mir gekauft zu werden (bald! Sehr bald!) und besuchte den Sengakuji, dem Tempel in dem die 47 Samurai gegraben liegen. Auch von diesem Besuch wird es später noch einige Fotos geben. Eigentich hatte ich vor, noch ein wenig mehr über die Shinsengumi und die Tennen Rishin ryu zu schreiben. Leider habe ich keine Literatur in greifbarer Nähe, meine Bibliothek muss also erst wieder ein wenig anwachsen. Ich bitte dieses zu entschuldigen.
Aber vielleicht gibt es in ein paar Wochen ein paar … bewegtere Bilder zum Thema Tennen Rishin ryu. Stay tuned!

Yours in Budo,

Micha

Hallo,

am vergangenen Donnerstag war ich in meiner alten Heimatstadt Kazo in der Präfektur Saitama, ca. 1 Stunde entfernt von Tokyo. An diesem Tag habe ich nicht nur meinem alten Iai-Dojo Hallo! gesagt, sondern auch gleich einen kurzen Abstecher zur Firma Matsukan gemacht.

Matsukan ist spezialisiert auf die Herstellung von Kendo-Ausrüstung, also Bogu, Hakama, Dogi, Shinai,uswusf. Neben ihrem Kernsortiment verkaufen sie auch Sachen für die Bereiche Iaido, Karate, Judo, Naginata, Jukendo. Die Firma existiert seit mehr als hundert Jahren und ich bin mit der Qualität wirklich sehr zufrieden. Habe öfters Hakama von denen gekauft und war immer sehr angetan. Für jede Preisklasse gibt es die entsprechende Ware, angefangen beim Anfänger Kendo-Hakama für knapp 35 Euro. Matsukan fertig viele ihrer Produkte selbst an, den Großteil davon direkt auf dem eigenen Firmengelände, nicht unweit des eigenen Shops. Als Tipp für diejenigen die im Land sind: hinfahren und nicht den Katalogpreis bezahlen. Meistens gibt es zwischen 30% – 50% Rabatt.


Wer mal selbst ein wenig stöbern möchte: http://www.matsukan.jp . Den Katalog kann man sich als .pdf-File runterladen.

Yours ins Budo,

Micha

"Wäre ich ein Tautropfen, so würde ich auf der Spitze eines Blattes Zuflucht suchen. Aber da ich ein Mensch bin, habe ich keinen Ort auf der ganzen Welt." - Saigo Takamori
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