Hallo,

vor einige Zeit hatte ich Gelegenheit mit der Morishige-ryu Gruppe von Shimazu Kenji-sensei nach Tochigi zum Nikko-Shagekijo (Schießstand) zu fahren. Die Anlage befindet sich ca. 2 Stunden Autofahrt nördlich von Tokyo, unweit der Tohoku Autobahn, Abfahrt Tochigi.

Die Anlage besteht aus mehreren Bahnen sowie einem Clubhaus. Zu den Bahnen gehören: Eine Luftgewehrbahn, diverse Trap und Skeet-Bahnen sowie mehrere Gewehrbahnen (50m, 100m, 150m). An dem Tag wurde auf 50m geschossen, Luntenschloßgewehr sowie Pistole, ohne Auflage und ganz nach der Art und Weise der Morishige-ryu (im Stand wie im Knien). Hierbei, wie so oft im Budo, wurde sehr explizit auf die richtige Körperhaltung eingegangen, insbesondere natürlich auch im Detail auf den Prozess des Ladens des Gewehrs.

Im Ganzen habe ich 16 Schuss geschossen. Das Ergebnis kann man unten sehen. Auf 50m war ich sehr zufrieden damit da es für mich das erste Mal seit mehr als 10 Jahren war das ich „live“ geschossen hatte, überdies auch mit einer klassischen Waffe. War sehr nteressant und wird mit Sicherheit noch öfters vorkommen.

Ein paar Worte zum Thema Hojutsu: Generell ist es so, dass es in Japan viele unterschiedliche Gruppen gibt, die Hojutsu betreibten, oftmals organisiert in Schützengruppen die bestimmte historische Bezüge aufweisen soll. Wirkliche Ryuha gibt es nur wenige – und diese sind allesamt rekreiert, da die Schulen während der Meiji-Periode aufhörten zu existieren. Glücklicherweise wurden viele Schriftstücke bewahrt, darunter sehr Detailierte, welche alle Aspekte des Hojutsu darlegen. Die Morishige-ryu ist eine dieser auferstandenen Schulen. In den meisten Schulen werden keine Kata unterricht. Dieses ist in der Morishige-ryu unter Shimazu Kenji-sensei anders. Hier steht neben dem Schießen an sich auch das Üben von Kata im Vordergrund und hier ganz klassisch situationsbezogen (im Sitzen, im Wasser, Laden auf Links, etc.). Wer mehr davon sehen möchte, der findet diverse Videos auf Youtube zu dem Thema.

Bis dahin,

Micha

 

Advertisements

Ende Mai, das Thermometer steht bei 30 Grad, die Sonne scheint gemütlich vom Himmel. Ab jetzt beginnt – persönlich gesprochen – die Leidenszeit, insbesondere wenn die Temperaturen noch steigen, gepaart mit einer knackigen Luftfeuchtigkeit bei der man in Kombination mit der Hitze das Gefühl hat, als würde man sich durch eine allumfassende, schwül-feuchte Hitze-Wand bewegen. Um diesem entgegen zu wirken, haben die Japaner während dieser Zeit ein eigenes Spiel entwickelt: Wie effektiv kann man von einer (gekühlten) Klimazone zur Nächsten gelangen? Und die Japaner sind wahrliche Meister darin, auch wenn sie das mit der angemessenen Regelung der Klimaanlagen immer noch nicht richtig hinbekommen. Draußen sind es 35 Grad und, sei es im Kaufhaus oder im Zug, der Herr über die Klimaanlage muss ein Sadist sein, regelt er sie generell auf (gefühlt) leicht über dem Gefrierpunkt. Nicht, dass der Körper dadurch doppelt unter Schock gestellt wird (einmal durch die Hitze und durch das plötzliche Abkühlen), nein, generell kennen die Japaner auch keine Spielräume, sprich stufenweises Anpassen der Klimaregelung an die jeweiligen Temperaturen. Entweder ganz oder gar nicht.

Sommer in Japan bedeutet aber auch, dass dem regelmäßigem Training ein wenig an zuästzlichem Pfiff verpasst wird. Und der Feind heißt hier ganz klar: Schweiß. Himmel, man schwitzt, nein ölt, wie ein Arbeiter im Stahlwerk. Die Brühe läuft einem wie Wasser vom Körper, die Klamotten – bereits nach wenigen Durchgängen an Kata vollgesaugt – werden schwerer und die Zunahme von Flüssigkeit erhöht sich um ein Vielfaches. Zudem hat Schweiß die dumme Angewohnheit die Rutschfestigkeit der Füße komplett zu negieren. Daher kommt es öfter vor dass, wenn man nicht genug Acht gibt, Schläge und Paraden durch Wegrutschen zu komischen Verrenkungen führen können. Was spassig klingt, kann aber auch gerne nach hinten losgehen, insbesondere wenn man bereits voll in seiner Bewegung war. Aber genau da liegt ja auch der Reiz: Unterschiedliche Situationen erfordern ensprechende Anpassungen. Heutzutage ist es zu einem Großteil so, dass entweder auf Matten (Tatami, Kunststoff) oder Fußboden (Holz, Hallenboden) trainiert wird, jedoch die wenigstens Schulen wirklich einmal draußen – unter Realbedingungen – ihr Training durchführen. Eine Schule, welche dieses immer noch praktiziert, ist die Maniwa Nen-ryu, welche in regelmäßigen Abständen „Nodate-Keiko“ betreibt, also Keiko unter freiem Himmel. In der Yagyu Shingan-ryu (und in der Morishige-ryu) wird eine bestimmte Art des Gangs unterrichtet, bei der angenommen wird, dass man sich in einem Gewässer fortbewegen muss. Die Morishige-ryu lehrt z.B. das Laden der Waffe wenn der Träger selbst bis etwa Hüfthöhe im Wasser steht.

Sommer in Japan heißt daher nicht nur, dass man vermehrt auf seinen Flüssigkeitshaushalt Acht geben muss (Dehydratation, hallo!), sondern noch mehr auf die veränderten Umstände des Trainings und deren Einflüsse auf den eigenen Körper, bezogen auf Erschöpfung durch Hitze, Griffigkeit der eigenen Waffe, etc.

Ein Vorteil hat der Sommer allerdings: Das Bier nach dem Keiko schmeckt noch ein Stück besser.

In diesem Sinne, Prost!

Micha

Ps: anbei ein Snapshop aus dem örtlichen Budo-Magazin (Gekkan HIDEN) vom letzten Monat, aufgenommen im Februar beim jährlichen Kobudo Enbu Taikai der Nihon Kobudo Kyokai.

PPS: Die Große Enbu-Saison ist fürs Erste vorüber. Zum Herbst hin wird es noch einmal spannender, genauer gesagt Dank der Enbu am Kashima-Jingu sowie am Nitta-Jinja (Tokyo). Und dann steht auch das 90. Jubiläum des Sugino-Dojo in Kawasaki an. Hierfür laufen die Planungen ebenfalls auf Hochtouren. Dürfte spannend werden.

Hallo,

es ist jetzt über zwei Jahre her, dass auf diesem Blog so etwas wie „Leben“ herrschte und ich muss gestehen: Ich habe es nicht vermisst. Oftmals war es so, dass ich zwar immer noch einen Tab im Browser offen hatte (alte Gewohnheit?), dieser Seite aber keine wirkliche Beachtung mehr schenkte. Wieso? Nun, das Leben geht weiter. Es ist stetig im Wandel. Privat sowie beruflich. Zum anderen hatte ich das Gefühl, dass man über Koryu – wenn man etwas lernen möchte – nur im kleinen Kreis darüber sprechen sollte, von Angesicht zu Angesicht. Waren Foren (und später Blogs) anfangs dafür da, Wissen auszutauschen, ging dieses immer weiter zurück. Wohin ging also jene Entwicklung? Ganz einfach: Zu mehr „Face to Face“ oder direct via Email. Durch mein Leben hier in Japan konnte ich mir diverse Kontakte zu den unterschiedlichsten Kampfkünsten und Ausübenden aufbauen. Die (ausländische) Community ist zwar relativ klein, aber man kennt sich, auch wenn nicht alle jener Herrschaften in oder um Tokyo leben. Zudem wird es einem auch nicht sonderlich schwer gemacht, mit den Schulen direkt in Kontakt zu treten. Meist reicht eine freundliche Email oder ein Brief und Tür und Tor stehen einem offen. So taten sich nicht nur viele neue Facetten in meinen eigenen Schulen auf, sondern ich konnte zudem mit vielen mir Schulfremden ein freundschaftliches Verhältnis aufbauen, welches mir gestattete, direkt zu fragen, ohne großartig in Internetforen zu stöbern. Und seien wir doch mal ehrlich: In Sachen Koryu sind insbesondere die deutschen Foren alles andere als aktiv. Selbst e-budo, die Grande Dame der Budo-Foren, ist nur noch ein Schatten ihrer Selbst. Vieles hat sich auf Facebook verlagert, oder eben auf die private Ebene. Jedoch, insbesondere durch Facebook konnte ich einige wirklich gute neue Kontakte knüpfen, jedoch sind auch hier die größeren Gruppen voll von stillen Mitlesern und werden leider nicht sehr häufig frequentiert. Was okay ist – dafür gibt es ja jene privaten und kleineren Gruppen, wo sich die Mitglieder bereits seit mehreren Jahren (persönlich) kennen und sich dementsprechend auch offener und oftmals direkter austauschen können, auch über Dinge, die man eventuell nicht in einer offenen, größeren Gruppe preisgeben wollen würde.

Also, wie gesagt: „Networking“ läuft mehr als gut, mit dem Resultat, dass mein theoretischen Studium einige wirkliche „Aha“-Momente hervorgerufen hat. Das praktische Training stand diesem natürlich in nichts nach. Natürlich, man schafft es immer nur noch am Wochenende ins Dojo, aber Japan ist halt auch kein Wunderland. Keiko an Werktagen mag zwar in manchen Schulen angeboten werden, aber viele der Lehrer (und eben auch Schüler) sind berufstätigt und wer weiss, was dass in Japan bedeuten kann, kann sich vielleicht denken, dass Keiko am Wochenende die einzige Möglichkeit darstellt, eine gewisse Kontinuität aufrecht zu erhalten. Zum eigentlichen Keiko kommen dann natürlich noch einige Embu (obwohl, handelt es sich hierbei nicht auch um Keiko?!). Hierbei lässt sich insbesondere das Embu von vor einer Woche im Nippon Budokan erwähnen. Bewegte Bilder finden sich auf Youtube. Und natürlich mangelte es nicht an unzähligen Stunden an Gesprächen mit vielen interessanten Persönlichkeiten, sowohl Budo wie auch nicht Budo bezogen.

Prinzipiell würde ich sagen, dass Koryu momentan – jedenfalls jene in Tokyo und Umgebung sowie einigen anderen Ecken Japans – recht gut aufgestellt sind. Es gibt Nachwuchs und selbst mehr weibliche Praktizierende lassen sich in diversen Schulen finden. Im Ländlichen sieht es da leider oftmals nicht so gut aus, auch wenn es hier und dort Beispiele gibt, welche sich diesem Wandel (bis jetzt) erfolgreich entgegengestellt haben. Es ist schon erstaunlich, was es noch für obskure Schulen es in Japan gibt, oftmals komplett vergessen oder überwiegend unbekannt, selbst in der Region in der sie gelehrt werden. Aber gerade das macht es doch so spannend. Einfach mal rausfahren, auf gut Glück an einige Haustüren klopfen und schauen was passiert. Gelebte Forschung mal anders angefasst.

Anbei einige Fotos, sozusagen ein verspäteter Zwei-Jahres Rückblick.

Ach, und nur zur Info: Das Kontaktformular auf dieser Seite funktioniert immer noch – wer also gerne mal über Koryu plaudern möchte: Ich würde mich über jede Mail freuen. Ob dieser Blog wieder regelmäßig gepflegt wird lässt sich nicht sagen – who knows…

Yours in Budo,

Micha

 

Keppan – „Siegelabdruck mit Blut; Unterschrift mit Blut. / Schnitt in den Finger und Besiegelung mit Blut.“ (Quelle: Wadoku.de).

Je nach Schule wird in den klassischen Kampfkünsten (und nicht nur dort), der offizielle Eintritt in die Schule mit der Durchführung des Keppan besiegelt. Manche verlangen dieses gleich am Anfang, andere erst im fortgeschrittenen Verlaufs des Studiums, andere wiederum haben diese Praxis komplett abgeschafft (wie z.B. die Kogen Itto-ryu). Im Falle der Katori Shinto-ryu unter Otake-sensei in Narita wird bei Eintritt ins Dojo das Keppan verlangt, obwohl es auch hier Ausnahmen gibt, insbesondere wenn es für die ausländischen Schüler nicht möglich ist, direkt in Japan Keppan abzulegen. Hierzu kann man auf Wikipedia lesen:

Historically, before beginning any training in Tenshin Shōden Katori Shintō-ryū, every prospective pupil had to sign an oath of allegiance to the school. The method was to make keppan (blood oath) in support of the following kisho or kishomon (pledge). This oath was a written one with the prospective member being required to sign his name in his own blood. The applicant would prick or cut a finger or sometimes the inner arm and with the blood drawn, sign the following pledge:

On becoming a member of the Tenshin Shōden Katori Shintō-ryū which has been transmitted by the Great Deity of the Katori Shrine, I herewith affirm my pledge that:

    1. I will not have the impertinence to discuss or demonstrate details of the ryū to either non-members or members, even if they are relatives;
    2. I will not engage in altercations or misuse the art against others;
    3. I will never engage in any kind of gambling nor frequent disreputable places.
    4. I will not cross swords with any followers of other martial traditions without authorization.

I hereby pledge to firmly adhere to each of the above articles. Should I break any of these articles I will submit to the punishment of the Great Deity of Katori and the Great Deity Marishiten. Herewith I solemnly swear and affix my blood seal to this oath to these Great Deities. […]

Andere Schulen hingegen verlangen (bzw. es kann sogar freigestellt sein) Keppan erst nach einigen Jahren des Trainings, wenn man sich zum einen aklimatisiert, die Grundschule der Schule absolviert und gezeigt hat, dass man jetzt bereit sei den nächsten Schritt zugehen. Oftmals ist dieser Schritt jener vom Omote zum Ura (Okuden)-Level der jeweiligen Schule.

Keppan während der Edo-Priode hatte unter bestimmtem Voraussetzungen einen wichtigen und nachvollziehbaren Sinn. Bewahrung des USP (unique selling proposition) der Schule, Verpflichtungen ihr gegenüber, usw. In Zeiten einer aufgeklärten Gesellschaft, in der man nicht mehr den Zorn der Gottheit Marishiten fürchten muss, in Zeiten von Youtube, Google und Co., wo sowieso ein jeder zu jeder Zeit alle möglichen Informationen zur Verfügung gestellt bekommt, scheint die Tradition des Keppan fast als eine Art Relikt aus einer anderen Zeit. Und das ist es, ohne Frage, insbesondere da Riten wie ein „Bluteid“ in der westlichen Gesellschaft als archaisch und grenzwertig angesehen werden.

Prekär wird es, wenn unter dem Vorbehalt der Verschlossenheit Keppan als Schutzschild benutzt wird, um sich abfallend von anderen Abwenden zu können, um darüber hinaus die eigene Position noch weiter hervorheben zu wollen. Kein Keppan, keine Kekse. Man stelle sich nur einmal vor: Person A (kein Keppan) trainiert intensiv für mehrere Jahre unter einem hervorragenden Lehrer. Keppan möchte er zwar machen, doch gab es bis jetzt nicht die Gelegenheit. Person B, mehr oder minder Anfänger, jedoch mit Keppan, wird nun aber – dank der Schulregeln – über Person A gestellt. Auf Grund von Erfahrung? Nein, sondern da Keppan als einziges Auswahlkriterium gewertet wird – und auch so kommuniziert wird. Wenn dann Phrasen folgen wie: „Ich (B) lasse mich von dir (A) nicht korrigieren, da ich Keppan habe und damit dein Sempai bin …“, kann einem die Zornesröte nur ins Gesicht steigen. Gleiches gilt dafür, wenn sich ein „Frischling“ (wenige Monate Trainingserfahrung) dazu aufmacht, eine Trainingsgruppe zu gründen und es nicht einsieht, wenn ein Älterer (ebenfalls Keppan) ihn korrigieren möchte, da „er ja jetzt seine eigene Gruppe hätte“.

Ein anderes Beispiel: Man nehme an, ein Junge von 11 – 12 Jahren kommt mit seiner Trainingsgruppe nach Japan. Alle machen Keppan, er ebenso. Die Frage ist hier: Macht es Sinn, bzw. ist es im Sinne der Schule, wenn ein Kind Keppan ablegt, welches vermutlich nicht im geringsten den Sinn hinter der Prozedur versteht? Natürlich, Rules are Rules, aber würde man sich hiermit als Verantwortlicher nicht selbst betrügen und zu einer stärkeren Verwässerung beitragen?

Ellis Amdur – Shihan der Araki-ryu und Toda-ha Buko-ryu – hat einige sehr gute Dinge zum Thema Keppan gesagt. Hier ein Auszug:

It seems to me that a lot of the problems you describe are exemplars of the degeneration of a ryu, not a problem with keppan. If a teacher has so many students (as some koryu have) that they do not even know them – and teaching is delegated to seniors in various dojos who have not even learned the entire curriculum, then its very likely that 80%+ will quit. Because they joined without any more seriousness than joining a sports club. If a teacher of a koryu is a man or woman of integrity, they a) make it difficult to join b) impress upon the prospective student the seriousness of joining. OTOH, keppan has this problem – a blood oath today may be, for most, a quaint cultural artifact. The keppan-sho has a catalogue, pro forma, in one sense, of every deity and power in the whole cosmos. It actually meant something awesome (in the original meaning of this word – affecting one with a sense of facing powers greater than one’s comprehension). Today, few are shaken spiritually when offering keppan. Consider this – you’ve just signed military papers, and you are on your way to a war zone. From this day forward, your life is changed, and no longer, in many ways, your own possession. You go to sleep that night-or try- and maybe you are too excited to sleep, or too shaken. But you can’t take it back. Today, not only do many sign a keppan-sho without any psychological valence or sense of the numinous, but many teachers do not regard it that way either. The problem isn’t keppan – the problem is the vitiation of what most koryu are today.”

Obwohl Keppan durchaus eine Berechtigung hat (ich persönlich bin ein Freund davon), sollte weitaus wichtiger aber der an den Tag gelegte Einsatz, Wille und die Hingabe sein, also die Einstellung zur jeweiligen Ryu. Keppan als fadenscheiniges Kontrollinstrument heranzuziehen zeugt vielleicht von Traditionsbewusstsein, aber gleichzeitig auch davon, dass man die Verantwortung über die Schülerschaft an eine „höhere Instanz“ abgibt, ohne wirklich zu wissen, was für eine Person da eigentlich vor einem sitzt.  Keppan als System zur hierarischen Einteilung der Mitglieder, als politisches Druckmittel oder als Vorwand um die Schule „clean“ zu halten ist unsinnig und schädigend ihrem Fortbestand gegenüber. Keppan sollte nicht als Pseudo-Vorraussetzung zum Studium der Koryu dienen, sondern (wenn es innerhalb der Schule praktiziert wird) den Kreis derer, die sich bereits commited haben , festigen, ohne dabei die Hauptfaktoren des Studiums aus den Augen zu verlieren.

—-

Hallo.

Nach langer Zeit (endlich?) mal wieder ein Artikel. Dieses Thema hat mir schon seit längerem unter den Finger gebrannt.

Dass dieser Blog momentan nicht übermäßig gepflegt wird liegt nicht daran, dass es nichts zu berichten gibt, sondern vielmehr an der Tatsache dass ich – durch Arbeit und andere Dinge – sehr eingespannt bin und nicht mehr die Zeit finde, aktiver hier zu schreiben. Das soll natürlich aber nicht heißen, dass dieser Blog komplett eingehen wird. Es mag nur etwas dauern. Und wer ein größeres Interesse hat, kann mich natürlich auch jederzeit per Email kontaktieren.

Yours in Budo,
Micha

Hallo,

am letzten Sonntag fand das 37. Kobudo Enbu Taikai der Nihon Kobudo Kyokai in Tokyo statt, welches zugleich auch das 35. Jubiläum der Vereinigung markierte. 35 Schulen aus ganz Japan waren gekommen um ihre Techniken über mehr als fünf Stunden den anwesenden Gästen zu präsentieren, darunter die „Klassiker“ der Katori Shinto ryu sowie Kashima Shinto ryu, Takenouchi ryu, Ono-ha Itto ryu und Jikishinkage ryu oder aber eher selten in Tokyo anzutreffende Schulen wie Nito Shinkage ryu Kusarigama, Unko ryu aus Kumamoto oder Mizoguchi-ha Itto ryu aus Aizu-Wakamatsu.
Trotz starkem Schneefalls am Tag davor konnten alle Gruppen an den Vorführungen teilnehmen. Für mich war es das erste Enbu im Nippon Budokan und ich muss gestehen, dass ich der Location anfangs nicht abgewöhnen konnte, insbesondere da die Zuschauerränge doch arg weit von der eigentlichen Vorführung entfernt waren. Durch einige glückliche Fügungen konnte ich jedoch alle Vorführung aus nächster Nähe beobachten und hatte in Matsuura-sensei von der Chikubujima ryu einen gesprächigen Konversationspartner, sodass die ein oder andere technische Beobachtung gleich analysiert werden konnte. Zudem bin ich mit dem Vorsatz zum Budokan gekommen, keine Fotos und Videos zu machen. Das hatte zum einen den Grund, dass die Plätze zum filmen doch eher beschränkt waren und, was ich noch für wichtiger erachtete, ich einfach nur als Zuschauer anwesend sein wollte. Die großen Enbu sind zwar von der Fülle an Schulen unübertroffen, doch fehlt manchen einfach das besondere Feeling. Obwohl das Kashima-Enbu von der gleichen Größe ist, hat die Location, also der Schrein, die hohen Bäume und die Natur, einfach einen ganz anderen Einfluss auf das wie man ein Enbu verfolgt, im Gegensatz zu den kahlen Sport- und Turnhallen. Das Enbu an sich – von den Vorführungen her – war sehr schön, insbesondere da doch eine sehr hohe Vielfalt geboten wurden ist. Persönliches Highlight war die Vorführung der Owari Kan ryu, da ein Freund von mir Naginatajutsu gezeigt hat. Auch die Vorführungen von Jizaiken (vergleichbar mit der Nagamaki) und dem Odachi waren sehr ansehnlich, insbesondere da einige der Vorführenden in Yoroi aufgetreten sind. Die Morishige ryu Hojutsu-Vorführung zum Schluss hat dann auch so manch schläfrigen Zuschauer aus seinen Träumereien gerissen. Indoor-Shooting ist schon sehr beeindruckend, laut und sehr wohlriechend.

Der nächste Enbu-Bericht wird vermutlich aus Soma stammen, einem der Orte, welcher durch das Erdbeben und dem anschließenden Tsunami im Jahre 2011 stark verwüstet worden ist. Dazu bei gegebener Zeit aber mehr.

Yours in Budo,

Micha

Hallo,

mit ein wenig Verspätung hier nun der Bericht zur diesjährigen Falknerei-vorführung in Tôkyô.

Wie in jedem Jahr fand die diesjährige Vorführung im Hamarikyû-Park in Tôkyô statt, einem von zwei ehemaligen Revieren zur Entenjagd der Togukawa Shôgune bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts. Im Jahre 1654 baute Tokugawa Tsunashige eine zweite Residenz und sollte ab der Regenz des 6. Shogun Tokugawa Ienobu als Rückzugsort der Tokugawa-Familie gelten. Während der Meiji-Restauration wurde der Garten als Ort für kaiserliche Veranstaltungen genutzt, doch im Jahre 1889 schwer beschädigt. Am 3. November 1945 wurde der Park als kaiserliches Geschenk der Stadt Tôkyô übergeben und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Am 2. bzw. 3. Januar wurde zweimal täglich die Kunst der Falknerei der Suwa ryû Hôyôjutsu dargeboten. Jede Vorführung dauerte ungefähr 60 Minuten und bot einen Überblick über verschiedene Aspekte der Falknerei, darunter:

  • Wamawari – Das Umhergehen der Falkner mit den Vögeln um sie an das Terrain zu gewöhnen
  • Watari – Das Rufen der Vögel zum Arm des Falkners
  • Furikae – Das Rufen der Vögel von einem Falkner zu einem anderen
  • Awase – Beschleunigung des Vogels durch eine Art „Wurfbewegung“ zum Erreichen einer höheren Geschwindigkeit auf kurze Distanzen
  • Furibato – Trainieren des Vogels  zum Greifen des Wilds in der Luft
  • Agetaka-jikomi – Warten in der Luft, um auf Kommando des Falkners das Wild anzugreifen

Die Kleidung der Falkner basiert auf jener welche während der Meiji- und Taisho-Periode vom Kaiserlichen Hofamt festgelegt worden ist. Die alten Schnürschuhe, Strohsandelen und die Kappe der Edo-Periode wurden gegen Zehensocken – den sogenannten Jika-Tabi – sowie einer Jagdkappe ausgetauscht. Hiermit wollte man sich von der Edo-Periode und der damals herrschenden Obrigkeit absetzen.

Im folgenden einige (kurze) Videos, aufgenommen im Hamarikyû-Park.

Und einige Fotos:

Mit etwas Glück wird es sich bei Teil 3. dieser kleinen Reihe dann um einen weiteren Bericht handeln, welcher dann hoffentlich einen Besuch der Suwa ryû als Thema haben wird. Man darf also gespannt sein!

Yours in Budô,
Micha

ps: Wer Teil 1. der Reihe noch einmal lesen möchte: https://lifeforasword.wordpress.com/2012/02/10/traditionelle-falknerei-in-japan-teil-1-geschichte/

Ich wünsche allen Lesern ein frohes und gesundes neues Jahr des Pferdes!

Das neue Jahr startet mit einem kurzen Enbu, aufgenommen am gestrigen Donnerstag im Bahnhof der Stadt Aomori.
Gezeigt wurden:

  • Kinpû ryû Shakuhachi
  • Bokuden ryû Kenjutsu (ungerüstet, gerüstet)
  • Jôdô
  • Hayashizaki Shinmuso ryû Iai
  • Tôda ryû Bôjutsu

Zudem hatte man als Zuschauer im Anschluss an die Vorführung die Gelegenheit, selbst einmal Hand anlegen zu können.


Yours in Budô,

Micha

Liebe Leser,

das Jahr 2013 neigt sich so langsam dem Ende entgegen. Es war – privat gesehen – ein wirklich tolles Jahr und ich bin sicher, dass 2014 noch einen draufsetzen wird. In Sachen Koryû wird es einige neue Projekte geben. Zu gegebener Stunde hierzu mehr. Das Jahr der Enbu beginnt mit dem großen Kobudô-Enbu am 9. Februar im Budôkan in Tôkyô. Man darf also gespannt sein.

Seit 2008 existiert dieser Blog. In dieser Zeit haben sich 151 Artikel, Posts, Berichte, etc. angesammelt. Das Ziel also für 2014? Genau dort weitermachen, wo meine Passion liegt: In den Koryû.

Bis dahin wünsche ich allen Lesern von „Life for a Sword“ ein frohes und besinnliches Weihnachtfest und einen guten Rutsch in das neue Jahr 2014.

Möge es glückseelig sein.

Yours in Budô,
Micha

Tokushima – Tokushima? Wo bitte liegt Tokushima?
Nun, bis letzten Freitag (13.12.2013) hatte ich selbst nur rudimentäres Wissen über Tokushima – also ehrlich gesagt: Null. Ich wusste, dass Tokushima eine der Präfekturen der Insel Shikoku ist. Hinzu kam die Tatsache, dass nach dem 1. Weltkrieg ein deutsches Kriegsgefangenenlager in der Stadt Naruto existiert hat. Und mehr? Puh, da hört es schon auf.
Nach diesen zwei Tagen in Tokushima kann ich allerdings sagen, dass die Präfektur wirklich einiges zu bieten hat. Zum einen das erwähnte Lager, welches momentan nur als Nachbau existiert und als Kulisse für den Film „Baruto no Gakuen“ diente, welcher die Geschichte der Deutschen in Bando – dem Ort des Lagers – darstellte. Neben Bruno Ganz war auch Matsudaira Ken mit von der Partie, einer der großen Jidaigeki-Schauspieler hier in Japan. Ach, und einer meiner Ex-Kommilitonen war auch mit am Start. In der Nähe des Lagers gibt es überdies das „Deutsche Haus Naruto“, ein Museum über die Geschichte der Deutschen mit einem netten Shop, welcher nicht nur ordentliches Bier verkauft (Jever!) sondern zudem auch mit allerlei anderen deutschen Spezialitäten auftrumpfen konnte. Durch die Partnerschaft Narutos mit Stadt Lüneburg war ein Teil des Museum zudem eben jener Partnerschaft gewidmet.
Naruto ist zudem der Ausgangspunkt zur 88. Tempel-Tour auf Shikoku. Tempel Nr. 1 – den Ryôzen-ji – konnten wir besuchen und ich muss sagen, dass dieser schon recht ansprechend ist. Der kleine Teich mit den Koi-Karpfen, das Herbstlaub, dazu noch der umherstolzierende Kranich – alles in allem war eine sehr tolle und ruhige Stimmung.

Der zweite Tag stand zwar wieder im Zeichen der Kultur, doch dieses Mal gesellte sich eine ganze besondere Sache hinzu: Der Besuch eines Dôjô aus der Meiji-Zeit. Dazu muss man sagen – und das wusste ich bis jetzt auch nicht – dass Tokushima in Sachen Koryû ein ziemlicher Hotspot gewesen sein soll. Die Kanshin ryû – momentan überwiegend zu finden in Shimane – soll dort überaus populär gewesen sein. Gleiches gilt für die Shingyôtô ryû.
Durch einen Kontakt hier in Tôkyô bot sich die Gelegenheit, ein Familiendôjô der Yagyû Shinkage ryû zu besuchen, jener Yagyû Shinkage ryû, die neben der Toda ryû und dem Shindô Yôshin ryû maßgeblichen Einfluss auf das Wadô ryû-Karate gehabt hat.
Nach kurzer Fahrt mit dem Zug wurden wir freundlich von Herrn Tomura empfangen, welcher uns netterweise vom Bahnhof abgeholt hat. Das Dôjô – genannt Kyûbukan – wurde von seinen Vorfahren erbaut und diente in den ersten Jahren vornehmlich als Kenjutsu und Iaijutsu-Dôjô, später – in den Zeiten des Zweiten Weltkrieges – als Übungsstätte für Kendô und Jûkendô. Momentan wird es nur noch vereinzelt genutzt, da es schlichtweg an Nachwuchs mangelt. Das Dôjô wurde im Laufe der Jahre öfters renoviert und ausgebessert. Das Grundgerüst, der Dachstuhl sowie einige weitere Teile sind jedoch noch im Orginalzustand. Der Fußboden wurde vor ungefähr 30 Jahren erneuert, die Außenwände erst vor einigen Jahren. Hierzu hat man von Außen Schutzwände zur Bewahrung der Holzkonstruktion angebracht – eine komplette Erneuerung wäre zu teuer geworden. Das Dôjô selbst ist – wie uns erklärt worden ist – ein Shintô-Schrein, in dessen Zentrum im Kamidana ein heiliger Stein – das sogenannte Goshintai – aufbewahrt wird. Diese Art des Aufbau des Kamidana sei die klassische Art und Weise bei der Konstruktion eines Dôjôs gewesen. Jene die solche Steine weihen sind – in der Region Tokushima – aber sehr selten bis gar nicht mehr auffindbar. Früher soll es wohl einige Dôjô in der Region um das Kyûbukan gegeben haben, doch haben deren Besitzer die Goshintai nicht richtig gewürdigt und dadurch – so sagt man sich – Unheil über das Dôjô und die Schule gebracht. Die Besitzer wurden krank, die Dôjô vom Feuer heimgesucht, usw. Leider muss ich an dieser Stelle gestehen, dass Tomura-san uns soviele Details erzählt hat, sodass ich im Nachhinein nur einen Bruchteil rekonstruieren kann. Gesagt sei aber auch, dass ich im Laufe der nächsten Zeit diverse Informationen nachreichen werde.
Nach der Besichtigung des Dôjô (und einigen Erinnerungsfotos) hatten wir dann die Gelgenheit einige Schriftrollen zu sehen. Darunter auch eine sehr schöne Rolle zur Shingyôtô ryû und der Lehrlinie in Tokushima. Einige Bücher aus der Zeit der Gründung des Dai Nippon Butokukai sowie Fotos aus dem Privatbesitz von Tomura-san über seinen Großvater und die Schule rundeten den Dôjô-Besuch ab. Tomura-san war aber so angetan von unserem Besuch – und unserem Interesse an seinem Geburtstort – dass er uns anschließend ein wenig die Gegend zeigte. Erste Station war ein Schrein zu Ehren von Himiko – der Legende nach die erste namentlich genannte Herrscherin über das Land Yamatai, dem eventuellen Vorläufer von Yamato. Der Schrein war zwar sehr interessant – gerade der Aufstieg – doch das eigentliche Highlight war das fünfeckige Grab der oben genannten Himiko. Nach einer kurzen Fahrt konnten wir dann noch einige Nachbauten von Häusern aus der Jômon-Zeit bewundern, darunter zwei Wohnhäuser wie auch ein Speicher. Nach dieser kurzen Stippvisite in der Vergangenheit ging es dann über zu den kulinarischen Köstlichkeiten von Tokushima, die da wären: Keine! Richtig! Keine! Tomura-san meinte: „Wir haben viele leckere Dinge, doch eine lokale Spezialität gibt es so nicht. Wir aus Tokushima sind bekannt dafür, dass wir soviel essen können! Daher gewinnen unsere Teilnehmer auch immer bei den vielen Esswettbewerben im Land“. Tja, gesagt, getan: Ab ging´s in ein lokales Udon-Restaurant. Und ich muss sagen: Das waren die besten Udon die ich bis jetzt gegessen habe. Insbesondere der Zitrus-Saft hat dem ganzen das gewisse Etwas verliehen. Zudem konnte man nicht nur die einfache und doppelte Portion bestellen, sondern bis zur fünffachen Menge an Udon und Fleisch seine Bestellung aufgeben! Und Laut Besitzer kommt dieses öfter vor als dass die normale Portion bestellt wird. Also, verhungern wird man mit Sicherheit nicht in Tokushima…
Die Zeit verging wie im Fluge und in etwas mehr als drei Stunden sollte unser Flieger zurück nach Tôkyô gehen. Zuvor wollten wir allerdings noch im Ôtsuka Kokusai Bijutsukan, dem „Ôtsuka Kuntmuseum“, vorbeischauen. Das Museum wurde zum 75. jährigen Bestehen des Ôtsuka Konzerns gegründet und beherbergt auf knapp 30.000 m² – der größten Ausstellungsfläche Japans – mehr als 1000 Replikas von bekannten Meisterwerken, darunter einer Nachbildung der Sixtinischen Kapelle, der Mona Lisa oder dem Schrei von Edvard Munch – insgesamt Kunstwerke aus mehr als 25 Ländern, aus über 190 Museen. Alle Kunstwerke wurden in Originalgröße und so nah am Original wie möglich von der Ôtsuka Ohmi Cheramics repliziert, mit einem Verfahren namens „Keramische Reproduktion“. Falls sich jemand dafür interessiert, hier der Link zum Museum: Ôtsuka Kunstmuseum
Wenn man so vor dem Museum steht ist es schon sehr beeindruckend. In den Berg gebaut, mehrere Stockwerke, Außengelände, etc. Gleich gegenüber des Museum – ebenfalls von Ôtsuka gebaut – ein Hotel. Da nicht besonders viel los war – jedenfalls auf den ersten Schein – hatte dieser Anblick etwas von dem übertriebenen Materialismus den man sonst nur aus Nord-Korea kennt. Das Museum jedenfalls ist nicht gerade günstig: Der Eintritt für einen Erwachsenen beläuft sich auf 3.150Yen – für jap. Museen doch schon sehr kostspielig. Aber: Es lohnt sich. Natürlich, man bekommt jetzt nicht die echte Mona Lise zu Gesicht, aber wo auf der Welt kann man sonst soviel Kunst – bzw. so gut gemacht Replika – auf so engem Raum bewundern? Man sollte sich allerdings ein wenig Zeit nehmen – sonst wird man von der schieren Menge an Kunstwerken erschlagen, insbesondere, da von der Antike bis zur Moderne die komplette Bandbreite an gemalter Kunst behandelt wird.

Nun, was bleibt abschließend also zu sagen? Zunächst einmal, dass selbst so – auf den ersten Blick – unscheinbare Orte wie Tokushima doch eine Menge zu bieten haben. Vorausgesetzt, man hat Zeit und auch ein gewisses Maß an Mobilität. Der Nahverkehr ist per Bus zwar relativ gut ausgebaut, doch Züge verkehren zwischen den Städten Tokushima und Naruto (dem Start der 88. Tempeltour) nur jede Stunde. Das Essen ist günstiger als in den Ballungsgebieten und insbesondere Fleisch und Milchprodukte lassen sich gut beziehen. Wenn man also im Besitz eines Railpassen ist – oder die gute Anbindung per Flug nutzen möchte – dem würde ich einen Kurztrip nach Tokushima gerne ans Herz legen. Ich werde bestimmt noch einmal zurückkehren, dann allerdings mit meiner Trainingsausrüstung im Gepäck.

Yours in Budô,
Micha

Nun, eigentlich gefällt mir der Titel nur bedingt, trifft es den Kern dieses Eintrags doch nur zum Teil. Obwohl mir „Hinrichtung und Folter in der Edo-Periode“ eher passgenau erschien, beließ ich es bei obigem. Nicht, dass noch die falschen Leute auf diesen Blog gezogen werden..
Am gestrigen Mittwoch hatte ich mir etwas eher makaberes vorgenommen: Die Meiji Universität hat eine Daueraustellung zum Thema Kriminalistik und Rechtsprechung mit einigen interessanten Exponaten und Schriftstücken, darunter Gesetzestexte, Verbrecherstatistiken und viele, viele Utensilien zur Festhaltung, Inhaftierung, Folter und Hinrichtung von Strafgefangenen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht zu sehr ins Detail gehen, sondern auf den wie ich finde sehr guten englischen Blog JAPAN THIS! verweisen, welcher sich normalerweise mit der Geschichte Tôkyôs und den einzelnen Stadtteilen beschäftigt.

Im vorliegenden Fall hat der Herausgeber im Zuge eine Serie von Artikeln die drei großen Orte für Hinrichtungen in direkter Nähe zur Hauptstadt Edo beschrieben. Dabei handelt es sich um die Orte Suzugamori (Shinagawa), Kozukappara (Minami-Senjû) und Denma-chô.

Der erste Artikel bietet eine leichte Einführung in das Thema und lässt sich hier finden.

Die nächsten drei Artikel befassen sich mit den oben beschriebenen Orten. Als Warnung: Manche der Fotos sind nicht schön. Gekreuzigte und auf Pfählen Aufgespießte sind nicht jedermanns Sache. Gleiches gilt für die Fotos, die ich weiter unten im Artikel eingepflegt habe, obwohl ich darauf achtete, nicht zu sehr in die Ekelkiste zu greifen. Man verzeihe auch die teils schlechte Aufnahmequalität. Die Belichtung war nicht die Beste und im Zoombereich war es wirlich anstrengend gute Fotos zu machen. Einige Exponate stammen übrigens auch aus anderen Ländern, darunter ein Buch aus Österreich, eine eiserne Jungfrau sowie eine Guillotine.

Artikel Nr. 1: Suzugamori Shikeijô

Artikel Nr. 2: Kozukappara Shikeijô

Artikel Nr. 3: Das Gefängnis in Denma-chô

Warum also ein Artikel über Hinrichtung und Folter? Und wieso ein Besuch im Kriminalmuseum? Nun – ganz einfach: Weil es dazu gehört. Die schöne, tolle Samuraiwelt mit all ihrem Zen, Blumenstecken und Tee-Trinken ist nur eine Facette (ist sie es wirklich?) einer Gesellschaft, die strengsten Regeln und Normen unterlag und noch immer unterliegt. Dieses „an die Regeln“ halten kann man selbst heutzutage noch beobachten, wenn man sich einfach mal anschaut, wie die Japaner erzogen und auf Gehorsam getrimmt werden. Keiner tanzt aus der Reihe, und wenn doch – siehe den armen Juristen der einen Brief an den Tenno überreicht hat – hagelt es Schelte von allen Seiten. Der Nagel der übersteht wird eingeschlagen – der wohl treffendste Satz zu dem Thema. Das die Japaner nicht zimperlich waren, kann man an den obigen Artikeln und den Fotos erkennen. Ein System, welches auf das strikte Einhalten von Regeln fixiert ist, kann sich keine Auswüchse leisten – denn dann würde es Kratzer bekommen. Ohne Kontrolle keine Ordnung, ohne Ordnung keine Sicherheit.

Mag in der heutigen Zeit gar nicht mal so weit hergeholt sein.

Yours in Budô,

Micha

Ps: Wer sich die Ausstellung gerne einmal anschauen möchte: Das Uni-Gebäude befindet sich in geringer Reichweite zur JR-Station Ochanomizu. Das Museum ist im Keller des Hauptgebäudes angesiedelt. Der Eintritt ist kostenlos.

"Wäre ich ein Tautropfen, so würde ich auf der Spitze eines Blattes Zuflucht suchen. Aber da ich ein Mensch bin, habe ich keinen Ort auf der ganzen Welt." - Saigo Takamori
Juni 2018
M D M D F S S
« Mai    
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
252627282930  

Blog Stats

  • 74,119 hits
Advertisements
%d Bloggern gefällt das: