Hallo,

im folgenden gibt es einen kleinen Artikel über die Jigen ryu, einer Schule für Kenjutsu aus Kagoshima. Der Text ist eine Übersetzung des Heftes „Summary of Jigen ryu“, welches ich im Jahre 2007 im Hombu Dojo in Kagoshima bekommen habe. Worte in Anführungszeichen sind 1 zu 1 Übersetzungen und können manchmal etwas unpassend wirken. Ich habe mich aber dazu entschlossen, so gut es geht am Originaltext zu bleiben. Für etwaige Fehler übernehme ich natürlich keine Haftung, nehme aber jede Korrektur dankend an. Trotzdem wünsche ich viel Spaß beim Lesen!

Yours in Budo,

Micha

Eine Zusammenfassung der Jigen ryu



1. Einleitung

Die Jigen ryu Heiho ist eine alte Schule der Schwertkampfkunst (Jigen bedeutet Offenbarung, ryu bedeute Schule/Strömung und Heiho Schwertkunst), weitergegeben in Generationen seit dem 16. Jahrhundert.
Die Schule war Bestandteil der Ausbildung der Samurai der Satsuma-han unter der Führung des Shimazu Clans.
In alten Tagen übten sich die Samurai aus Satsuma sehr hart im Studium der Jigen ryu, indem sie einen im Boden eingelassenen Pfahl am morgen 3000 Mal und am abend 8000 Mal schnitten.
Schwertkämpfer anderer Schulen waren sehr erstaunt von dem Können der Kämpfer aus Satsuma und ihren Fähigkeiten: „ein Schlag, keine Verteidigung“. Darüber hinaus waren sie aktiv im letzten Bürgerkrieg während der Meiji-Restauration und der Seinan Rebellion beteiligt.
Die Jigen ryu wurde unverändert überliefert und hat sich, seitdem sie in Satsuma zum ersten Mal auftauchte, in ihrer Form nicht verändert.

2. Die Herkunft der Jigen ryu

Der erste Gründer, Sose Yosouzaemon, lernte Tenshin Shoden Shinto ryu von Iizasa (Anm: dem Begründer der Tenshin Shoden Katori Shinto ryu). Später dachte er intensiv darüber nach, wie er seine Technik verbessern konnte und begründete daraufhin die Tenshinsho Jigen ryu. Sein Nachfolger wurde Kaneko Shinkurou gefolgt von Akasaka Yakurou. Dieser wurde buddhistischer Mönch und nannte sich von da an Zenkichi.
Togo Chui (1561 – 1643), Begründer der Jigen ryu, wurde in Kagoshima geboren. Im Jahre 1588 ging er in den Tennei Tempel in Kyoto, wo er den Zenpriester Zenkichi traf. Chui lernte alle geheimen Techniken und bekam seine Lizenz über die Tenshinsho Jigen ryu von Zenkichi. Danach kehrte er nach Kagoshima zuürck und trainierte alleine für 3 Jahre; im geheimen bei Tag, bei Regen mit einem Strohhut. Chui bestritt 46 Kämpfe und blieb immer ungeschlagen. Danach wurde er Lehrer für Schwertkunst im Lehen Satsuma und änderte den Namen seiner Schwertschule in Jigen ryu unter Anordnung von Shimazu Iehisa, dem Daimyo von Satsuma.
Sein Vermächtnis wurde innerhalb der Togo Familie über einen Zeitraum von mehr als 400 Jahren, von Chui zu dem 12. Soke Togo Shigenori (Anm: Vermutlich ist diese Zahl nicht mehr aktuell), weitergegeben.
Heutzutage ist es uns möglich, Schriftrollen der Jigen ryu zu bewundern, welche uns spirituelle und technische Aspekte der Schule näher bringen, basierend auf den Philosophien des Shintoismus, Buddhismus und Konfuzianismus.

3. Die Trainingsmethoden der Jigen ryu

Die Jigen ryu legt besonderen Wert auf schnelles und kraftvolles Schneiden. Die Ausübenden lernen daher wenige Techniken und schulen diese dafür umso intensiver.
Kamae (Einnehmen einer Körperhaltung) wird als Bewegung im richtigen Moment verstanden und bildet die Grundlage aller Fähigkeiten. Die tombo-no-kamae (Libellen-Stellung) ist die Form des natürlichen Anhebens der Hand zum Schlag. Oki-tombo-no-kamae (die Oki-Libellen-Stellung, vermutlich Große-Libellen Stellung) ist die Form des Abwärtsschneidens mit dem eigenen Schwert. Gyaku-tombo-no kamae (die umgekehrte Libellen Stellung) ist das Gegenteil von tombo-no-kamae, also auf der linken Seite anstatt der rechten.
Stehende Positionen legen Wert auf Stabilität und die bewusste Wahrnehmung der Körpermitte sowie auf die „Entspannung der Natürlichkeit“.
Der Griff des Schwertes ist beim Treffen des Gegner fest, sonst locker aber nicht geöffnet. Ring- und kleiner Finger greifen besonders eng.
Suburi wird so ausgeführt, dass der linke Ellenbogen den eigenen Körper berührt und sich während der Übung nicht bewegt. Die rechte Hand soll sich so bewegen, als würde man einen Stein werfen. Dies ist das wichtigste Prinzip der Jigen ryu. Wenn jemands Ellbogen zum Zentrum eines Kreises wird, hat das Ende des Schwertes die größte Kraft und Geschwindigkeit dank der Zentrifugalkraft.
Tategi-uchi (das Schneiden eines Pfahls) ist nicht nur dazu da, Arme und Beine zu stärken, nein, es lehrt auch, Distanz und das Abschätzen des richtigen Moments für einen Schnitt. Der Ausübende muss sich den Pfahl als einen Gegner vorstellen: „sieh auf Höhe der Augen, geh nah an den Pfahl, schneide mit kesa-giri (ein diagonaler Schnitt) und schreie „EI“, da ein lauter Schrei dir Kraft und Mut gibt.“
Der Körper beugt sich nie nach vorne; die Schultern gehen nie auf und ab und die Fersen berühren stets den Boden.

4. Die Stufen der Jigen ryu

In der Jigen ryu wird das Prinzip der kata gelehrt (ausgeübt in Partnerform), welches für jede Stufe angewandt wird. Dieses System verlangt, dass ein Ausübender nur ein „Gewinner“ sein kann, wenn er Fortschritte sowohl in technischen wie auch spirituellen Aspekten der Schule macht.
Chui lernte 12 Schlagtechniken der Tenshinsho Jigen ryu, heutzutage gelehrt von Shodan (1. Dan) bis Yondan (4. Dan), und entwickelte später ein weiteres System, welches er als die Stufen Shodo und Ryodo der Schule hinzufügte.
Shodo (die erste Stufe) besteht aus dem Ausüben der kata Enpi, Kodachi, Seki und Mitsutachi. Die kata Enpi beinhaltet die Bewegungen der 12 Schlagtechniken. Sie wird zuerst gelehrt und ist die Grundschule der Jigen ryu.
Ryodo (die zweite Stufe) besteht aus Mochigakari, Hayasya, Nagabokutou und Hurigakari.
Die vier Stufen staffeln sich wie folgt:
Shodan (Ryu, Sou, Etsu), Nidan (sun, Man, Sen), Sandan (Hei, An, Kou) und Yondan (Kei, Dou, Shin). Um diese zu lernen, gebrauch es ausdauerndes Training von Shodo und Ryodo für mehr als 10 Jahre.

5. Die grundlegenden Prinzipien der Jigen ryu

  • Ziehe dein Schwert nicht, außer für den Angriff!

Dies ist der Ausdruck dafür, dass rüdes Verhalten nicht gestattet ist und die Wichtigkeit der „Unschuld“ (frei von weltlichen Gedanken).
Jemand fragte Chui einmal, wie man siegreich sein könne. Chui antwortete: „Ziehe niemals dein Schwert und du wirst siegen“. Der Mann vertraute Chui und zog niemals sein Schwert, erst im Angriff seines Gegners. Er zog sein Schwert voller Unbewusstheit und gewann. Als er wieder zu sich fand, sah er, dass sein Gegner tot am Boden lag.

  • Zweifel nicht an deinem ersten Streich. Dein zweiter wird nie siegen!

Wenn der Schüler sein Schwert ziehen muss, darf er im Angesicht seiner Feinde nicht zögern. Bei Tunieren kann er Punkte um Punkte sammeln, trotzdem gibt es nur eine Chance und ein Scheitern. Der Zweck der Jigen ryu ist es, Feinde zu töten; kein Sport zu sein.

  • Dass Schwert ist Dein Mittel um den Gegner zu zerstören. Kein Mittel zur Verteidigung!

Diese Worte bedeuten, dass das Schwert kein Schild ist. Die Theorie anderer Schulen geht darauf hinaus, sich gegen verschiedene Angriffe sinnvoll zu verteidigen und im Gegenzug erfolgreich den Kampf zu beenden. Ihre Kunst geht also in die verschiedensten Richtungen. In der Jigen ryu sieht es dahingehend so aus, dass die Wichtigkeit auf schnellen und kraftvollen Streichen gelegt wird, damit der Gegner nicht mehr reagieren kann.

  • Zeige deine Kunst nicht in der Öffentlichkeit!

Die Kunst der Jigen ryu ist geheim, der Schüler soll stolz darauf sein und nicht damit prahlen. Darüber hinaus macht ihn Einzeltraining stärker, denn er muss mehr über sich nachdenken um weiterzukommen.

6. Die Regeln im Dojo

  • Sitze im Dojo nach dem Alter geordnet
  • Praktiziere barfuß
  • Praktiziere in Alltagskleidung. Es gibt keine Uniform
  • Du solltest Rei ausführen beim Betreten und Verlassen des Dojo
  • Du sollst Rei nur beim Annehmen und Wiedergeben des Bokuto ausführen. Wenn du dem Partner gegenüber stehst, musst du kein Rei machen.
  • Du sollst dich gegen den Uhrzeigersinn drehen (Anm: Vermutlich ist damit gemeint, dass man als Anfänger nicht mit seines gleichen trainieren soll, sondern mit den höchsten Praktizierenden der Schule)

Ende

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