The show must go on…

Seit vier Jahren nun findet alljährlich im Herbst das Enbu der Nihon Kobudô Kyôkai am Kashima Schrein (Kashima Jingû) in der Präfektur Ibaraki statt. Das Wetter zeigte anfangs zwar noch auf Regen, doch war es ein sehr angenehmer und trockener Tag, obwohl es die Nacht davor und am frühen Morgen noch ordentlich geschüttet hatte.

In diesem Jahr haben sich 33 Schulen eingefunden, um der Gottheit des Schreins – Takemikazuchi no Ôkami – ihre Aufwartung zu machen. Wie auch der Katori Schrein in der Präfektur Chiba, so hat der Kashima Schrein eine unweigerliche Bindung zu den klassischen Kampfkünsten. Tsukahara Bokuden, einer der berühmtesten Schwertkämpfer in der japanischen Geschichte, lernte die Techniken des Kashima no Tachi – der (manchmal auch als mystisch bezeichneten) Techniken des Schwertes von Kashima. Eine Legende besagt, dass sowohl die Gottheit aus Kashima, wie auch jene aus Katori (Futsunushi no mikoto), von einer anderen Gottheit mit Namen Marishiten in den Kriegskünsten unterrichtet worden sei. Diese Art der Kriegskunst sollen jene dann wiederum an Iizasa Chôisai – Begründer der Katori Shintô ryû – und Tsukahara Bokuden weitergegeben haben. Interessant ist hierbei, dass der Ursprung der Schwerttechniken beider Schulen – laut Legende – auf Marishiten beruhen, einer Gottheit aus dem Mahayana bzw. Vajrayana-Buddhismus. Aber ich schweife ab…

Unter diesen 33 Schulen waren auch einige, die zum ersten Mal mit dabei waren, darunter die Taisha ryû, die Chikubujima ryû sowie die Toda ryû. Alle drei Enbu haben mir persönlich sehr gut gefallen – insbesondere jenes der Taisha ryû. Der letzte Sôke, Yamakita-sensei, ist leider im Februar diesen Jahres verstorben. Seine Schüler sind aber mit sehr viel Eifer und Elan dabei, die Schule für die nächsten Generationen zu bewahren und weiterzugeben. Die Chikubujima ryû hat mich auch sehr beeindruckt, war es doch das erste Mal, dass ich sie live auf einem Enbu sehen konnte. Durch meinen Kontakt zum Shibu-Leiter in Tôkyô hatte ich zudem das Vergnügen, den aktuellen Sôke kennenlernen zu dürfen.

Ebenfalls mit von der Partie war die Shingyôto ryû aus Kameyama. Wie in meinem letzten Beitrag geschrieben, hatte ich bereits Kontakt zur Schule und freut mich daher sehr, als Kobayashi-sensei mich wiedererkannte. Ich war vor einigen Wochen zwecks Recherchen im Nationalmuseum hier in Tôkyô und hatte dabei ein Densho der Shingyôtô ryû gefunden. Ich fertigte eine Kopie an und brachte hiervon eine weitere mit nach Kashima um sie Sensei zu geben. Er war sehr erfreut und stellte mir im Zuge dessen einen seiner Schuler vor. Dieser ist Historiker und hat mir seine Hilfe in Bezug auf meine Recherchen über die Shintô ryû angeboten (hier soll es nämlich eine Verbindung zwischen der Shintô ryû und der Shingyôtô ryû geben).

Den Auftakt machte – wie in jedem Jahr – die „Hausschule“ des Schreins, die Kashima Shintô ryû um Yoshikawa-Sôke. Ein Bekannter von mir war ebenfalls mit von der Partie und zeigte die Omote no Tachi. Nachdem Enbu ergab sich ein kurzes Gespräch, indem ich das Honbu-Dôjô der Schule erwähnte. Es folgte eine Einladung und – wenige Minuten nach der letzten Vorführung – ging es zum Honbu-Dôjô der Schule, einem 120 Jahre alten Gebäude aus Holz, im Besitz der Yoshikawa-Familie und in Fußreichweite vom Schrein entfernt. Oh, das war wirklich toll. Sehr klein, schöner Holzfußbuden, genau mein Fall! Dieses Dôjô kommt auf jedenfall mit auf die Liste für meine Rubrik „Das Dôjô: Kampf. Kunst. Kultur“.

Anbei mal der Zeit- und Schulplan:

10:15 Kashima Shintô ryû 鹿島新當流剣術
10:23 Okinawa Gojû ryû Bujutsu沖 縄剛柔流武術
10:31 Kanemaki ryû Battôjutsu 鐘捲流抜刀術
10:39 Shingyôtô ryû Kenjutsu 心形刀流剣術
10:47 Hôki ryû Iaijutsu 伯耆流居合術
10:55 Daitô ryû Aikijûjutsu Takumakai 大東流合気柔術琢磨会
11:03 Taisha ryû Kenpô タイ捨流剣法
11:11 Hôzôin ryû Takada-ha Sôjutsu 宝蔵院流高田派槍術
11:19 Chikubujima ryû Bôjutsu 竹生島流棒術
11:27 Tôda ryû Kenjutsu 當田流剣術
11:35 Enshin ryû Iai Suemono Giri Kenpô 円心流居合据物斬剣法
11:43 Kiraku ryû Jûjutsu 気楽流柔術
11:51 Sekiguchi ryû Battôjutsu 関口流抜刀術
11:59 Shingetsu Musô Yanagi ryû Jûjutsu 心月無想柳流柔術
12:07 Yagyû Shinkge ryû Heihô Kenjutsu 柳生新陰流兵法剣術
12:15 Jikishinkage ryû Naginatajutsu 直心影流薙刀術
12:23 Hokushin Ittô ryû Kenjutsu 北辰一刀流剣術
12:31 Araki ryû Kenpô 荒木流拳法
12:39 Kurama ryû Kenjutsu 鞍馬流剣術
12:47 Ryûkyû Ôke Hiden Motobu Udundi 琉球王家秘伝本部御殿手
12:55 Musô Jikiden Eishin rû Iaijutsu 無雙直傳英信流居合術
13:03 Tatsumi ryû Heihô 立身流兵法
13:11 Kingai ryû Karate Okinawa Kobujutsu 金硬流唐手沖縄古武術
13:19 Iga ryûha Katsushin ryû Jûjutsu 為我流派勝新流柔術
13:27 Shintô Munen ryû Kenjutsu 神道無念流剣術
13:35 Tenjin Shinyô ryû Jûjutsu 天神真楊流柔術
13:43 Muhi Muteki ryû Jôjutsu 無比無敵流杖術
13:51 Daitô ryû Aikijûjutsu 大東流合気柔術
13:59 Araki ryû Gunyô Kogusoku 荒木流軍用小具足
14:07 Tennen Rishin ryû Kenjutsu 天然理心流剣術
14:15 Hasegawa ryû Yawarajutsu 長谷川流和術
14:23 Tenshin Shôden Katori Shintô ryû Kenjutsu 天真正伝香取神道流剣術

Sandro – ein Bekannter von der Tennen Rishin ryû – führte ebenfalls mit seiner Gruppe vor. Mit ihm, seinen Senpai und einem weiteren Freund aus Tôkyô, ging es dann zurück Richtung Heimat.

Es war ein wirklich toller Tag in Ibaraki, auch wenn ich noch etwas angeschlagen war, dank einer sehr nervenden Erkältung. Ich konnte neue Kontakte knüpfen, Alte pflegen und vier Stunden lang einfach nur gutes Kobudô bewundern. Und das bei der Location!

Das nächste Enbu steht schon an: Nächsten Donnerstag in Tôkyô. Mit dabei: Tatsumi ryû und Chikubujima ryû! Und dann folgt Anfang November schon das Enbu am Meiji Schrein. Zwischendurch gibt es noch eine Fahrt nach Katori, auf die ich mich schon ganz besonders freue.

Anbei nun ein paar Fotos. Diverse Videos folgen in den nächsten Tagen.

Yours in Budô,
Micha

Wie im Beitrag über meine Fahrt nach Mie angekündigt, hier also ein Weiterer über die Shingyôtô ryû und das Enbujô aus der Rubik: „Das Dôjô. Kampf. Kunst. Kultur“

Kameyama ist der Sitz der Shingyôtô ryû, so wie sie von Yamazaki Setsuryûken im Jahre 1864 aus Edo nach Kameyama gebracht worden ist. Bei meinem Besuch im August 2013 konnte ich Dank Kobayashi-sensei, momentaner Lehrverantwortlicher, einen Blick in die Hallen des Dôjôs werfen.

Das alte Dôjô wurde von einem Bushi aus der Kameyama-han – Yamazaki Setsuryûken – im Jahre 1865 errichtet (Yamazaki war zum Zeitpunkt seiner Rückkehr nach Kameyama im Jahr 1864 37 Jahre alt). Yamazaki lernte Shingyôtô ryû im Iba-Dôjô (einem der vier großen Dôjô der Bakumatsu-Zeit) und wurde nach Erhalt der Menkyo Kaiden-Lizenz (er fungierte zudem als Shihan-dai, also als Lehrkraft im Dôjô) und der Rückkehr nach Kameyama Lehrer für Kenjutsu in der Kameyama-han.

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In der Lehrlinie der Shingyôtô ryû aus Kameyama nimmt Kobayashi-sensei, der Herr der mir freundlicherweise das Enbujô gezeigt hat, den 6. Platz als Shihan der Schule ein. 1865 beauftragte Ishigawa Fusanobu (15. Oberhaupt der Kameyama-han) Yamazaki mit dem Bau eines Budôjô, einem Ort zum Studium des Weg der Kriegskünste. Als Ort wählte er das heutige Minamino-chô. Yamazaki orientierte sich dabei an den baulichen Eigenschaften des Iba-Dôjô in Edo. Das Dôjô hatte dabei eine Grundfläche von 50 Tsubo (ca. 165m²). Von dieser Zeit an trug das Dôjô den Namen „Enbujô“. Bis zu jener Zeit wurden allerdings primär andere Schulen unterrichtet, darunter Yagyû Shinkage ryû sowie Kashima Shintô ryû, doch wurde dieses im Jahre 1870 duch ein Dekret von Ishikawa Noriyuki (16. Oberhaupt der Kameyama-han) geändert, welches besagte, dass von nun an nur noch die Shingyôtô ryû als einzige Schule für die Krieger der Kameyama-han gelehrt werden solle.

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Nach Abschaffung der Daimyate im Jahre 1871 gewährte man Yamazaki trotzdem die Forführung seines Unterichts, und selbst mit Verkündung des Haitôrei, der Aufhebung des Rechts zur Tragung des Schwertpaares in 1876, wurde der Unterricht fortgeführt. Mit eigenem Geld kaufte er Ausrüstung, darunter Keikogi, Shinai, Bogû, etc. und stellte sie seinen Schülern kostenfrei zur Verfügung, welches anhielt, bis sie selbst eine Anstellung gefunden hatten und die Kosten aufbringen konnten. Zur Instandhaltung und Verwaltung des Enbujô wurde eine Organisation mit Namen „Sekishinsha“ begründet, welche zum Teil von den Schülern verwaltet worden ist (und heutzutage immer noch existiert).

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Im Jahre 1882 wurde auf Geheiß des Sekishinsha das Dôjô-Gebäude in das heutige Honmaru-chô umgesetzt. Im Jahr 1893 kam es zu einem Vorfall und Yamazaki wählte den Freitod durch Seppkuku. Am 1. Oktober 1899 errichteten die Schüler ihm zu Ehren einen Grabstein, zu dessem Fuß sie das Tantô, mit welchem Yamazaki Seppuku beging, vergruben. Im Jahre 1907 wurde das Enbujô nochmals verlegt, dieses Mal jedoch an den Platz, an dem es auch heutzutage noch zu finden ist. 1950 wurde das Gebäude als Kulturgut der Stadt Kameyama ausgezeichnet. Im darauffolgendem Jahr wurde diese Ehre auch der Shingyôtô ryû zuteil.

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1970 zog die Präfektur Mie nach und erkannte ebenfalls die Schule als präfekturales Kulturgut an. Am 16. Januar 1985 ereignete sich allerdings eine Tragödie und das Dôjô fiel einem Feuer zum Opfer. Durch die Hilfe vieler Freiwilliger konnte das Dôjô jedoch wieder aufgebaut werden und drei Jahre später (1988) wiedereröffnet werden. Man orientierte sich dabei am alten Enbujô und versuchte den Neubau – von innen wie auch von außen – so nah wie möglich am Original zu halten.

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Soviel also zur Geschichte des Enbujô. Ich hatte Glück, da als Kobayashi-sensei den Anfruf bekam, er schon halb auf dem Weg in die Stadt war.

Kobayashi-sensei war so freundlich und stellte sich geduldig meinen Fragen und erklärte mir die Geschichte der Schule sehr eingehend. Die Zahl der Praktizierenden beläuft sich auf momentan knapp 25 Mitglieder. Der Boden besteht aus Kiefernholz und war so, wie man sich einen Dôjô-Boden vorzustellen hat: Wohl benutzt, leicht federnd, guten Halt bietend, einfach perfekt. Nach etwas mehr als einer halben Stunde bekam ich noch ein paar Flyer und wir verabredeten uns für den kommenden Sonntag – geplant war das Kensosai, das Enbu zu Ehren von Aisu Ikôsai in Minami-Ise. Dazu aber später mehr.

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Anbei ein Video der Shingyôtô ryû, aufgenommen am Kashima Jingû, 2011:

Yours in Budô,

Micha

Nun, obwohl ich angekündigt hatte, mich größtenteils auf das Seishûn 18 Kippu zu verlassen, gönnte ich mir für die Fahrt nach Mie doch den Luxus eines Bustickets – für schlappe 3500 Yen (ca. 27 Euro) ging es mit einem sehr komfortablen Highway-Bus von Tôkyô nach Nagoya.  Dauer: 5 1/2 Stunden. Mit an Bord: Ein umfangreiches Entertainmentsystem mit Filmen, Serien und Musik. Auch hier ein Tipp: Falls ihr mal günstig durchs Land kommen wollt, gebt den Fernreisebussen (sowohl Nacht-  wie auch Tagbussen) eine Chance. Obwohl es in den letzten Monaten des öfteren zu Unfällen kam (eine entsprechende Reaktion in Form einer Verschärfung der gesetzlichen Betimmungen für Fernreisen wurde bereits erlassen), ist diese Art und Weise zu Reisen immer noch eine sehr günstige und angenehme Alternative zu den preislich doch höher angesiedelten Shinkansen, den japanischen Schnellzügen.

Nun, da war ich also in Nagoya, doch nur zwecks Umsteigen. Weitergehen sollte es nach Mie, genauer gesagt in die kleine Stadt Kuwana. Es war Donnerstag Mittag, doch sollte Nagoya am Samstag nochmals ein Besuch abgestattet werden.

In Kuwana erwartete mich Russ Ebert, einigen vielleicht bekannt durch seinen Youtube-Channel (mekugi) und seinem Onlineshop, dem Futagotrader. Russ praktiziert neben Shintô Musô ryû Jôjutsu auch Kukamishin ryû sowie Hôten ryû. Nach Ankunft bei ihm Zuhause haben wir es uns also nicht nehmen lassen, ein wenig zu trainieren. Russ schnappte sich seine Ausrüstung und schon ging es raus in die Hitze, um bei gut 35 Grad Isshin ryû Kusarigamajutsu sowie Ikkaku ryû zu trainieren. Den Abend verbrachten wir bei guten Drinks, leckerem Essen und vielen Gesprächen zum Thema Budô und dem Leben in Japan.

Am nächsten Tag machte ich mich früh auf Richtung Kameyama und Matsusaka. Kameyama ist bekannt für seine alte Station an der Tokaidô, der Hauptverkehrsader im feudalen Japan. Doch ist Kameyama auch bekannt als Sitz der Shingyôtô ryû, einer Schule des Sôgô-Bujutsu, welche unter anderem den Umgang mit dem Schwert (Kenjutsu, Battô, Ryôtô), diversen Langwaffen und Taijutsu lehrt. Das Dôjô der Schule – genannt Enbûjô – befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Kameyama Jinja. So war es auch, dass ich zwar das Dôjô vorfand, es aber geschlossen war. Ich hatte irgendwie schon damit gerechnet. Also holte ich meine Kamera hervor und begann, so gut es geht die Impressionen und baulichen Eigenheiten festzuhalten. Ein wenig enttäuscht ging ich nun weiter zum Schrein. Als ich mich dort umsah, kam eine ältere Frau auf mich zu. Wie ich später erfuhr, handelte es sich dabei um die Verwalterin des Schreins. Sie fragte mich nach meiner Herkunft und dem Grund für meinen Besuch und ich erklärte ihr, dass ich primär wegen der Shingyôtô ryû gekommen sei. (An dieser Stelle möchte ich gerne auf meinen Artikel über den Besuch bei der Kôgen Ittô ryû verweisen und auf die spezielle Art der Hilfsbereitschaft in Japan, denn was jetzt kommt, spielt in der gleichen Kategorie). Jedenfalls erklärte ich ihr, dass ich selbst Kobudô studieren würde und deswegen nach Kameyama gekommen sei. Als ich ihr zudem sagte, dass das Dôjô momentan geschlossen sei, entfachte dieses wohl den Derwish-Mode in ihr und sie bat mich, kurz Platz zu nehmen, sie würde nur eben einen Anruf tätigen. Jedenfalls machte sie sich auf ins Haus und kam kurze Zeit später mit der Nachricht zurück, es sei jemand auf dem Wegm der mit das Dôjô aufschliessen würde. Ich saß also im Vorraum des Verwaltungsgebäudes des Schreins und wartete, in meinem Rücken der lauwarme Wind des Ventilators, den die alte Dame freundlicherweise dort plaziert hatte, in der weisen Voraussicht, dass ich sonst ganz dahingeschmolzen wäre, dank der Hitze. Jedenfalls traf kurze Zeit späte die besagte Person ein. Dabei handelte es sich um niemand geringeren als Kobayashi-sensei, momentaner Hauptlehrer für Shingyôtô ryû. Nach einer kurzen Begrüßung und einer Vorstellung meinerseits, ging es also endlich in die Hallen des Kameyama Enbûjô.

STOPP! Da ich ja die schöne Kategorie „Das Dôjô. Kampf. Kunst. Kultur“ habe, wird der Teil über das Enbujô dort zu finden sein.

Nun, Kameyama war also abgehakt. Schrein, Dôjô, persönliche Führung von Sensei – der Tag fing ja gut an. Leider sollte es – in Sachen Budô – dabei bleiben. Meine zweite Station sollte sich in der Stadt Matsusaka finden, südlich von Kameyama und bekannt für Matsusaka-gyû, Rindfleisch aus Matsusaka, von dem gesagt wird, es zähle zu den drei besten Fleischsorten in Japan (Stichwort Kuh + Bier = Yummi). Grund für meine Fahrt nach Matsusaka war der eigentliche Besuch bei Mimura-sensei, Lehrer für Ryûgô ryû Kenjutsu und Bokuden ryû Kusarigamajutsu. Leider war sein Haus etwas am Rand von Matsusaka und ich wusste nicht, wie man am besten hinkommen könnte. Ich sandte vorab zwar einen Brief, dieser blieb aber unbeantwortet (wie sich später herausstellen sollte, konnte sich Mimura-sensei trotzdem an mich erinnern und an mein Vorhaben, ihn besuchen zu kommen). Jedenfalls steuerte ich nach Ankunft zunächst das örtliche Tourismuszentrum an und fragte dort nach Auskunft. Tja, und wie es so läuft in Japan, kannte zufällig eine Mitarbeiterin jenen Mimura-sensei, da sie vor mehr als 30 Jahren selbst bei ihm Kendô gelernt hatte. Jedenfalls hat sie es sich nicht nehmen lassen und telefonierte kurze Zeit später mit Sensei. Dieser sei sehr beschäftigt mit der Reisernte und könne mich daher nicht empfangen. Zudem würde er beide Schulen schon seit einigen Jahren nicht mehr unterrichten. Ob einige seiner alten Schüler immer noch dabei wären, könnte man mir nicht sagen. Tja, da saß ich nun also. Wäre sein Haus leichter zu erreichen gewesen, wäre ich vermutlich ganz naiv einfach vorbeigefahren – manche Leute muss man wohl einfach zu ihrem Glück zwingen. Bitte, man möge mich nicht falsch verstehen. Ich möchte niemanden bedrängen oder mich aufzwingen – nur finde ich, dass solch wunderbare Dinge wie die alten Schulen nicht in Vergessenheit geraten sollten. Insbesondere die Bokuden ryû Kusarigama, von der gesagt wird, Mimura-sensei sei der letzte Lehrer dieser Schule. Nun, ich für meinen Teil beschloss jedoch, nach meiner Rückkehr nach Tôkyô nochmal den schriftlichen Kontakt suchen zu wollen. Auch wenn es nur von theoretischer Natur ist, so würde ich doch gerne – auch wenn es nur Bruchstücke sind – mehr über diese beiden Schulen erfahren.
Ich verließ also das Tourismuszentrum und machte mich auf, die Stadt ein wenig zu erkunden. Dabei war mein Ziel die Überbleibsel des Schloss Matsusaka. Das was noch steht, die Mauern, ein paar Bäume und Co., ist wirklich interessant anzusehen. Wenn man also gerade in der Stadt ist, sollte man die paar Minuten Fußweg ruhig in Kauf nehmen. Oh, und falls jemand in Geld schwimmen sollte: Das Rind soll überaus gut sein – aber für 300 Gram 15.000 Yen – ich weiß ja nicht.

Somit endete Tag 2 in Mie mit zwei Erlebnissen, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Der nächste Tag, Samstag, stand ganz im Zeichen der Burg Nagoya. Ein weiterer Kumpane aus Tôkyô kam hinzu (Steven R., besser bekannt unter dem Label „Gudkarma“) und gemeinsam mit Russ Familie ging es Richtung Burg. Unser Guide sollte kein geringerer sein als Chriss Glenn, ein „Nagoya Original“. Historiker, Autor, Radio DJ, Helikopterpilot – ausgestattet mit einer Stimme, die selbst James Earl Jones alle Ehre machen würde. Die Burg Nagoya ist sozusagen sein zweiter Wohnsitz, obwohl man dieses wohl auch über Sekigahara sagen könnte, den Ort, der Japans Zukunft massgeblich beeinflusst hat und über den Chriss momentan ein Buch schreibt. Jedenfalls begann die Tour in den äußeren Ringen der Burg mit detaillierten Erklärungen über ihre Geschichte, den Bau und die jeweiligen Hausherren. Es folgte eine weitere Führung durch den nach der Restauration wiedereröffneten Palast sowie die inneren Räume der Burg. Nach mehreren Stunden und diversen ungläubigen Blicken seitens anderer Besucher (Chriss Glenn, Promi, ne?), ging es zurück Richtung Kuwana. Der Tag wurde bei gutem chinesischem Essen und diversen alkoholischen Getränken verabschiedet.

Der eigentliche Grund für unseren Besuch in Mie – obwohl Kameyama, Matsusaka und Nagoya auch toll waren – war das Kensôsai-Enbu zu Ehren von Aisu Ikôsai, Gründer der Kage ryû. Das Enbu wird alljährlich am letzten bzw. vorletzten Wochenende im August in der kleinen Stadt Minami-Ise ausgetragen. Normalerweise wird hierzu der Grund eines Schreins genutzt, inmitten von hohen Bambushainen, umgeben vom Gesang der Zikaden. Leider hatte es der Wettergott in diesem Jahr nicht gut mit den Teilnehmern gemeint, und so wurde das Enbu aufgrund von Regen in das örtliche Kendôjô verlegt. Dieses hatte jedoch den Vorteil, dass es nicht so unsaglich heiß war und man sich wenigstens ein wenig hinsetzen konnte. Man suchte sich einen guten Platz, kramte seine Kamera hervor und wartete auf den Beginn der Vorführungen. Das Enbu begann gegen 9:30 Uhr und endete um 13:30 Uhr. Obwohl Schwertschulen in der Überzahl waren, gab es auch Vorführungen von Schulen des Naginatajutsu und des Sôjutsu. Im Ganzen war das Enbu sehr interessant. Kobayashi-sensei habe ich ebenfalls wieder getroffen. Trotzdem gab es auch ein paar Naja-Momente, bei denen ich wirklich an den jeweiligen Vorführenden gezweifelt habe. Nun, eigentlich nicht direkt an der Person an sich, sondern der Schule und der Art und Weise ihrer Technikausführung. Insbesondere eine Iai-Schule ist mir im Gedächtnis geblieben: Ich kann einfach nicht verstehen, wieso man die Handgelenke beim Schneiden überstrecken sollte. Ungesund, keine stabile Verbindung zwischen Hand und Schwert – nein, absolut nicht mein Fall. Ich glaube auch, dass ich deren Demo gar nicht erst gefilmt hatte – aber vielleicht finde ich auf YouTube einen kurzen Ausschnitt. Meine absoluten Highlights waren zum einen die Jikishinkage ryû-Vorführung zweier Damen, sowie jene der Shingyôtô ryû und eine klasse Tachi Uchi no Kurai-Darbietung einer Musô Jikiden Eishin ryû-Gruppe aus Ôsaka. Im Folgenden die Teilnehmerliste:

  • Nihon Kendô Kata
  • Hokushin Shinnô ryû Iai
  • Yagyû Seigô ryû Iai
  • Musô Jikiden Eishin ryû Iai
  • Bukutô ni yoru Kendô Kihon waza Keikohô (Basics in Kendô)
  • Hôki ryû
  • Hikita Shinkage ryû
  • Toyama ryû
  • Tennen Rishin ryû
  • Nihon Buyô
  • Yagyû Shinkage ryû Heihô
  • Musô Jikiden Eishin ryû
  • Ono-ha Ittô ryû
  • Yamato Yagyû Shinkage ryû Heihô
  • Jikishinkage ryû Naginatajutsu
  • Yagyû Shinkage ryû Heihô
  • Aisu Kage ryû
  • Kage ryû
  • Owari-kan ryû
  • Shingyôtô ryû

Zum Abschluss gab es noch ein kleines Shiai der örtlichen Kendô-Kindergruppe, bei dem jeder ein bzw. drei (bei den Älteren) Luftballons auf dem Men befestigt hatte.

Das Enbu endete um die Mittagszeit. Anschließend wurde an alle Teilnehmer und Gäste ein kaltes Nudelgericht sowie Sushi herausgegeben. Sehr lecker und eine tolle Geste zum Abschluss. Zusammen mit Steven ging es anschließend zurück Richtung Tôkyô über Nagoya. Vier interessante Tage kamen ihrem Ende entgegen. Hat sich gelohnt wie ich finde.

Und nun, ein paar Fotos.

Yours in Budô,

Micha

Servus,

nun, der japanische Sommer hat mich mit voller Wucht erwischt. Ich bin jetzt seit etwas mehr als einer Woche wieder zurück in Japan, aber mein Körper ist irgendwie immer noch in Europa. Hitze, Feuchtigkeit, das viele durch die Gegend laufen – der Körper schreit förmlich nach Flüssigkeit, einer Klimaanlage und so wenig Bewegung wie möglich. Aber Japan wäre nicht Japan, wenn man wenigstens dem letzten Teil irgendwie entgegen wirken würde. Was bleibt einem also anderes übrig als sich ins Dôjô zu bewegen und – genau – ordentlich zu trainieren.

Nun, bevor der Ernst des Lebens wieder seinen Weg geht, sollte man die einem noch verbleibende Zeit nach bestem Wissen nutzen. Und was bietet sich da besseres an, als ein paar kleine Tagestouren? In Japan gibt es das sogenannte Seishun Jûhachi Kippu, mit dem man (als Einzelperson) an fünf Tagen unbegrenzt die Lokalzüge der Japanischen Bahn (Japan Railways) benutzen kann. Also fünf Tickets an fünf Tagen, so weit einem es die Zeit erlaubt. Theoretisch ist es damit möglich, innerhalb eines Tages von Tôkyô nach Kyûshû zu fahren. Das Ticket kostet 11,500 Yen (also 2,300 Yen pro Tag) und ist eine sehr günstige Alternative zu den teuren Shinkansen-Zügen (und in manchen Fällen auch zu den Fernverkehrsbussen).

Ich habe mir also gedacht: Was ist innerhalb eines Tages machbar und steht in direkter Beziehung zu den Koryû? Nun, dabei kamen mir ein paar Ideen:

  • Besuch der Stadt Mito (Mito-Tôbukan, Taya no Bôjutsu, etc.)
  • Besuch bei der Maniwa nen ryû in Takasaki
  • Besuch des Katori-Schrein in Chiba sowie des Kashima-Schrein in Ibaraki
  • Fahrt nach Mie zum Kensosai, einem Enbu zu Ehren von Aisu Ikôsai (okay, hier werde ich ein paar Nächte bleiben. Koryû-technisch wird es aber (hoffentlich!) auch hoch hergehen

Nun, da fehlt aber noch eine Fahrt. Wohin soll die Reise gehen? Vorschläge?

Yours in Budô,

Micha

Ps: Als kleine Neuheit möchte ich den geneigten Leser auf meine neu eingerichtete Bücherecke verweisen. Den entsprechenden Link findet man oben in der Leiste.

Liebe Leser,

wie einige von euch bereits mitbekommen haben, werde ich Anfang August zurück nach Japan gehen. Somit wird – und davon gehe ich sehr stark aus – diesem Blog auch wieder neues Leben eingehaucht werden. Damit einhergehend würde ich ihm auch gerne einen neuen Anstrich verpassen. Da ich aber in Sachen Webdesign keine Erfahrungen habe, suche ich an dieser Stelle tatkräftige Unterstützung bei der Gestaltung von „Life for a Sword 2.0“. Solltet ihr also Lust & Zeit haben, könnt ihr euch als Dank auf ein kleines CarePaket aus Japan freuen.

Wo soll der Weg also hinführen?
Nun, die Liste ist lang: Diverse Dôjô-Besuche – insbesondere für meine Rubrik „Das Dôjô“ – stehen auf dem Programm. Die alljährlichen Enbu werden natürlich auch in Zukunft ihren Platz hier finden. Fokussieren werde ich meinen Blick zudem auf die kleineren und unbekannteren Schulen Japans, also denjenigen, welche selbst in Japan, wenn überhaupt, nur am Rande in Erscheinung treten. Zudem möchte ich gerne meine Suchdienste bezüglich japanischer Literatur (natürlich mit Fokus auf die Kampfkünste) anbieten. Oben in der Auswahlleiste soll daher in naher Zukunft der Bereich „Book Corner“ mit Leben gefüllt werden.
Trainiert wird sowieso – wie sollte es auch anders sein? Das Gefühl kennen wohl alle von uns: Ohne geht es einfach nicht. Im Zuge meines Trainings werde ich zudem die Recherchen an meinem Buchprojekt vorantreiben. Und wie man es sich vielleicht denken kann, steht daber die Shintô ryû im Vordergrund.

Es gibt noch viel zu erleben – schauen wir mal, was die Zukunft so zu bieten hat!

Yours in Budô,
Micha

Hallo,

für alle Freunde des klassischen Jûjutsu, bietet sich am 14. und 15 September eine ganz besondere Gelegenheit in den Hallen des Yôshinkan-Dôjô in Itzehoe.

Paul Masters, shihanke und menkyo kaiden in der Tenjin Shinyô ryû, wird am 14. September eine Einführung in die Techniken der Schule geben. Am 15. September wird Tim Weigel, okuden no maki, ein Training in der Moto-ha Yôshin ryû leiten.

Weitere Informationen finden sich in der Ausschreibung und auf der Internetseite des Yôshinkan-Dôjô: http://www.yoshinkan-dojo.de

Yours in Budô,
Micha

Hallo,

heute ist ein neues Forum für Koryû-Bujutsu an den Start gegangen.

Es ist unter www.koryuforum.de erreichbar.

In Anlehnung an e-budo und budoforum.net ist es von Nöten, sich mit Klarnamen zu registrieren. Offenheit, Respekt und ein angemessenes Diskussionsniveau werden daher als obligatorisch angesehen.

Die Betreiber würden sich über regen Zuwachs freuen!

Yours in Budô,

Micha

Hallo,

spricht man von den japanischen Kampf- und Kriegskünsten, sei es unter dem Banner der Begriffe Budô, Kobudô, Koryû Bujutsu oder Bugei, geht man in aller Regel von einer Ausbildung innerhalb des Kriegerstandes¹ aus. Im Laufe ihrer Geschichte haben sich jedoch aus den Schulen des Koryû Bujutsu eigene Traditionen entwickelt, welche insbesondere unter der Landbevölkerung, also denjenigen, denen es nicht gestattet war, Schwerter zu führen, Anklang fanden. Obwohl es natürlich auch Schulen gab, die klassischerweise dem Koryû Bujutsu entsprangen und, wie beispielsweise die Tennen Rishin ryû 天然理心流, im großen Maße auch weiterhin ihre Kunst an Nicht-Bushi weitergaben, enstanden doch jene, welche explizit der Landbevölkerung zu Gute kommen sollten und sich heutzutage insbesondere auf kulturellen Festlichkeiten, sogenannten Matsuri 祭り, beobachten lassen. Viele dieser Schulen kann man unter den Begriffen Bô no te 棒の手 (Die Methode des Bô) oder Bô odori 棒踊り (Bô-Tanz) zusammenfassen, wobei letzterer Begriff in vielen Fällen sehr schlüssig die Art und Weise der Ausführung der Techniken beschreibt, als eine Art religiösen Tanz, um u.a. für reiche Ernten und Glück im Jahr zu bitten. Jedoch gibt es auch Schulen, welche schlicht die Bezeichnung des Bôjutsu 棒術 verwenden, worunter man aber nicht nur den Umgang mit dem Bô versteht, sondern auch Techniken mit dem Schwert oder der Naginata.

Es scheint nicht verwunderlich, dass viele dieser Schulen enge Beziehungen zu Shintô-Schreinen pflegen und oftmals auch nur zu bestimmten Zeiten im Jahr ihre Künste darbieten. Insbesondere in der Präfektur Aichi, ca. 300 Km von der Hauptstand Tôkyô im Westen den Landes gelegen, hat sich bis heute eine Vielzahl dieser Schulen bewahrt, welche in den meisten Fällen direkt aus den Schulen des Koryû Bujutsu entstanden sind, darunter bekannte Vertreter wie die Shinkage ryû 新影流棒術, die Tôgun ryû 東軍流 oder die Musô ryû 夢想流.

In der Stadt Kumagaya, in der heutigen Präfektur Saitama, hat sich eine sehr spezielle Art der Katori Shintô ryû 香取神道流 erhalten, welche sich selbst als Shintô Katori ryû Bôjutsu 神道香取流棒術 bezeichnet. Diese Ausprägung hat ihren Ursprung im 17. Jahrhundert und geht auf Nakatsugawa Matauemon 中津川亦右衛門 zurück. Insgesamt umfasst diese Schule 24 Methoden, jeweils unterteilt in 12 Omote-Formen, welche öffentlich auf Enbu gezeigt werden, sowie 12 Ura-Formen, die als geheime Techniken zur Selbstverteidigung ausgelegt sind. Zweimal pro Jahr, jeweils im Frühjahr (am zweiten Sonntag im April) und im Sommer (dritter Sonntag im Juli), werden die Techniken der Schule der Öffentlichkeit gezeigt. 1958 wurde die Schule zum geistigen Kulturschatz der Stadt Kumagaya ernannt.

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Grundlegend finden sich klare Anzeichung für die auch jetzt noch gegebene Verbindung zwischen der Ursprungsschule und der Shintô Katori ryû. Der Name der Schule sorgt anfangs vielleicht für Verwirrungen. Obwohl die Schule Bôjutsu im Namen trägt, sind die Techniken reines Kenjutsu. Der Grund hierfür liegt, wie schon erwähnt, an der Tatsache, dass das einfache Volk unter Restriktionen stand, welche das Tragen von bestimmten Waffen verbot. Da der Bô in diesem Sinne nicht betroffen war, fügte man der Schule diesen Namenszusatz an und konnte somit die Fortführung der Schule sicherstellen.

Das folgende Video zeigt jenes Shintô Katori ryû und sollte inbesondere von Schülern der Katori Shintô ryû genauer in Augenschein genommen werden:

Wie schon erwähnt hat sich insbesondere in der Präfektur Aichi eine reichhaltige Kultur dieser Kunstform bewahrt. Die Städte Toyoda und Owari-asahi blicken auf eine Lange Tradition des Bô no te zurück. Allein in Letzterer finden sich folgende fünf Schulen: Muni ryû 無二流, Gentô ryû 検藤流, Jikishinga ryû 直心我流, Tôgun ryû 東軍流 sowie die Jikishimusô Tôgun ryû 直師夢想東軍流. Anbei eine kleine Auswahl an beweglichen Bildern. Man bemerke die Umgebung.

Kamata ryû 鎌田流, ebenfalls aus der Präfektur Aichi:

Tendô Kamata ryû 天道鎌田流 (Stadt Toyota)

Jikishimusô Tôgun ryû 直師夢想東軍流

Das folgende Video ist gut 20 Minuten lang und zeigt das Bôjutsu der Muhi ryû, welche in der Präfektur Ibaraki bis in die heutige Zeit überliefert worden ist. Die Techniken werden auch als Taya no bôjutsu 田谷の棒術, nach dem Ort der Ausübung, benannt. Obwohl der kämpferische Aspekt im Vergleich zu den vorangegangen Videos höher ist, hat diese Schule eine ebenfalls sehr enge Bindung zum Kasuga-Schrein der Stadt Mito in Ibaraki. Die Techniken selbst gehen bis auf die Schlacht von Sekigahara zurück. Die Schule wurde ab dem Jahre 1783 in Taya gelehrt und hat bis zum heutigen Tag mehr als 700 Schüler in den Techniken unterrichtet. Im Video sieht man kurz eine sehr dicke Schriftrolle. Dabei handelt es sich um das Schülerregister, welches von Generation zu Generation weitergereicht worden ist. Im Jahr 2011 wurde die Schule zum geistigen Kulturschatz der Stadt Mito ernannt.

Wie man sieht, haben sich neben den kriegerischen Traditionen ganz eigene, charakteristische Stile der Landbevölkerung entwickelt. Ebenso ist es nicht verwunderlich, dass gerade diese Art der Traditionspflege sich über Generationen hinweg gehalten hat, scheinen sie sich doch auch heutzutage noch  unheimlicher Popularität zu erfreuen.

Yours in Budô,
Micha

¹Auf eine genaue Definition des Kriegerstandes wird an dieser Stelle abgesehen, doch ist den meisten Lesern sicherlich bewusst, auf welche Personengruppen ich abziele.

 

Hallo,

fast schon eine Tradition und immer eine große Freude: Der alljährliche Frühjahrslehrgang der Moto-ha Yôshin ryû in Bremen unter der Leitung von Tim Weigel aus dem Yoshinkan Dojo in Itzehoe.

Wie auch in den vergangen Jahren, werden wir uns hauptsächlich mit den Techniken der Moto-ha Yôshin ryû beschäftigen, darüber hinaus aber auch einen kurzen Abstecher in den Techniken der Mugai Shinden Mugai ryû machen, einer Schule welche in ihrem Ursprung auf die Lehren von Tsuji Gettan Sukemochi zurückgeht.

Für weitere Informationen zu beiden Schulen empfiehlt sich ein Blick auf die Seite des Yoshinkan Dojo: Yoshinkan Dojo

Der Lehrgang findet am 6. und 7. April 2013 in den Hallen des AikidoZen e.V. Bremens statt.

Die Kosten belaufen sich auf 30 € (27€ ermäßigt) für das gesamte Wochenende. Eine kostenlose Übernachtung ist natürlich im Dojo möglich.

Für weitere Information: Hier die Ausschreibung oder ein Besuch auf der Seite des AikidoZen e.V.

Ich würde mich freuen, einige Leser auf dem Lehrgang willkommen heißen zu dürfen.

Yours in Budô,

Micha

 

 

Hallo,

gut, man könnte mir jetzt Befangenheit vorwerfen, aber ich bin ein absoluter Fan der japanischen Sprache. Insbesondere auch der verschiedenen Dialekte, welche sich in nicht wenigen Teilen in sehr hohem Maße vom Hochjapanisch der Schulen und Universitäten unterscheidet.

Kampfkunst und Sprache – zwei Dinge, die auf essentieller Basis miteinander verwoben sind. Für Japaner ist der Gebrauch obligatorisch. Für Ausländer offenbart die japanische Sprache oftmals große Hürden. Natürlich, Sprache ist nicht ausschlaggebend – nicht in erster Linie – wenn es darum geht, Techniken und Kata übermittelt zu bekommen: Da wird hier und dort der Körper in die richtige Position gebracht, durch Beobachtung und Nachahmung die Bewegung verinnerlicht und durch Learning by Doing, Step-by-Step, ein Fuß vor den Anderen auf dem Weg in der Kunst gesetzt.

Sprache ist der Schlüssel zu einer Kultur, zu den Menschen, ihren Sitten und Gebräuchen. Sprache muss gelernt und gepflegt werden. Der Gebrauch der Sprache zeugt auch von dem Willen, sich integrieren zu wollen. Sei es in kleinen Worten oder ausschweifenden Reden. Sprache kann Barrieren zum Einsturz bringen, Vorurteile abbauen und Differenzen begleichen.

Sprache bietet dem Schüler jedoch die Möglichkeit, tiefer in das Bewusstsein seiner Kunst hinabzutauschen. Bücher wollen gelesen werden, Schriftrollen entziffert. Man möchte den Gesprächen der Lehrer lauschen, ihren Anweisungen folgen und an ihren Erfahrungen teilhaben. Sprache ist wie die Technik in der Kunst: Sie muss sich entwickeln. Jede Vokabel, jeder Satz, jedes Kommentar und jede Anmerkung, sei sie noch so klein und vielleicht unbedeutend, zeugt von Wichtigkeit. Sei es eine Liste der Kata, Techniken oder Kamae der Schule. Jedes Verständnis, welches wir durch die Sprache erreichen, manifestiert sich in uns. Sprache ist gleichzeitig Ausdruck und Empfang. Ein tieferes Verständnis für eine Kunst erlangt man nur durch unermüdliches Üben der Technik und der Sprache.

Schulen des Koryû Bujutsu waren seit jeher lokalen Gegebenheiten unterworfen. Sie waren oftmals nur in bestimmten Gebieten ansässig, sind dort entsprungen und nie über die Landesgrenzen hinaus getragen worden. Die regionale Verbundenheit lässt sich auch heutzutage noch für viele Schulen erkennen: Die Kashima Shintô ryû ist immer noch eng mit dem Kashima-Schrein in Ibaraki verbunden, die Owari-kan ryû ihrerseits mit dem ehemaligen Gebiet der Owari-han in der heutigen Präfektur Aichi. Selbst Schulen, die nur auf speziellen Inseln vorkamen, findet man heutzutage immer noch dort, wo sie entstanden sind, darunter die Kurama Yôshin ryû oder die Chikubujima ryû.

Die Takenouchi ryû, eine Schule des Sôgô Bujutsu, ist seit ihrer Gründung vor mehr als 400 Jahren in der Präfektur Okayama ansässig. Takenouchi Tôjûrô, 13. Oberhaupt der Sôdenke-Linie, hat – wie die folgenden Videos zeigen werden – ein ganz besonderes Verhältnis zur japanischen Sprache, insbesondere dem Dialekt, welcher in der Präfektur Okayama als Okayama-ben gesprochen wird. In kurzen Episoden unterrichtet er zwei junge Schüler in der Sprechweise seiner Heimat. Zwischendurch gibt es immer mal wieder kurze Einblicke in die Techniken der Schule. Auch wird an manch einer Stelle die Geschichte der Schule behandelt. Und was natürlich am wichtigsten ist: Alles wurde so aufbereitet, dass die (japanischen) Zuschauer ihre Kenntnisse im Okayama-ben vertiefen konnten.
Das Schönste ist aber die Leichtigkeit und die gehörige Portion Humor. Wer den japanischen Humor ein wenig kennt, weiß, was ich meine.

Yours in Budô,

Micha

"Wäre ich ein Tautropfen, so würde ich auf der Spitze eines Blattes Zuflucht suchen. Aber da ich ein Mensch bin, habe ich keinen Ort auf der ganzen Welt." - Saigo Takamori
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