Nun, eigentlich gefällt mir der Titel nur bedingt, trifft es den Kern dieses Eintrags doch nur zum Teil. Obwohl mir „Hinrichtung und Folter in der Edo-Periode“ eher passgenau erschien, beließ ich es bei obigem. Nicht, dass noch die falschen Leute auf diesen Blog gezogen werden..
Am gestrigen Mittwoch hatte ich mir etwas eher makaberes vorgenommen: Die Meiji Universität hat eine Daueraustellung zum Thema Kriminalistik und Rechtsprechung mit einigen interessanten Exponaten und Schriftstücken, darunter Gesetzestexte, Verbrecherstatistiken und viele, viele Utensilien zur Festhaltung, Inhaftierung, Folter und Hinrichtung von Strafgefangenen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht zu sehr ins Detail gehen, sondern auf den wie ich finde sehr guten englischen Blog JAPAN THIS! verweisen, welcher sich normalerweise mit der Geschichte Tôkyôs und den einzelnen Stadtteilen beschäftigt.

Im vorliegenden Fall hat der Herausgeber im Zuge eine Serie von Artikeln die drei großen Orte für Hinrichtungen in direkter Nähe zur Hauptstadt Edo beschrieben. Dabei handelt es sich um die Orte Suzugamori (Shinagawa), Kozukappara (Minami-Senjû) und Denma-chô.

Der erste Artikel bietet eine leichte Einführung in das Thema und lässt sich hier finden.

Die nächsten drei Artikel befassen sich mit den oben beschriebenen Orten. Als Warnung: Manche der Fotos sind nicht schön. Gekreuzigte und auf Pfählen Aufgespießte sind nicht jedermanns Sache. Gleiches gilt für die Fotos, die ich weiter unten im Artikel eingepflegt habe, obwohl ich darauf achtete, nicht zu sehr in die Ekelkiste zu greifen. Man verzeihe auch die teils schlechte Aufnahmequalität. Die Belichtung war nicht die Beste und im Zoombereich war es wirlich anstrengend gute Fotos zu machen. Einige Exponate stammen übrigens auch aus anderen Ländern, darunter ein Buch aus Österreich, eine eiserne Jungfrau sowie eine Guillotine.

Artikel Nr. 1: Suzugamori Shikeijô

Artikel Nr. 2: Kozukappara Shikeijô

Artikel Nr. 3: Das Gefängnis in Denma-chô

Warum also ein Artikel über Hinrichtung und Folter? Und wieso ein Besuch im Kriminalmuseum? Nun – ganz einfach: Weil es dazu gehört. Die schöne, tolle Samuraiwelt mit all ihrem Zen, Blumenstecken und Tee-Trinken ist nur eine Facette (ist sie es wirklich?) einer Gesellschaft, die strengsten Regeln und Normen unterlag und noch immer unterliegt. Dieses „an die Regeln“ halten kann man selbst heutzutage noch beobachten, wenn man sich einfach mal anschaut, wie die Japaner erzogen und auf Gehorsam getrimmt werden. Keiner tanzt aus der Reihe, und wenn doch – siehe den armen Juristen der einen Brief an den Tenno überreicht hat – hagelt es Schelte von allen Seiten. Der Nagel der übersteht wird eingeschlagen – der wohl treffendste Satz zu dem Thema. Das die Japaner nicht zimperlich waren, kann man an den obigen Artikeln und den Fotos erkennen. Ein System, welches auf das strikte Einhalten von Regeln fixiert ist, kann sich keine Auswüchse leisten – denn dann würde es Kratzer bekommen. Ohne Kontrolle keine Ordnung, ohne Ordnung keine Sicherheit.

Mag in der heutigen Zeit gar nicht mal so weit hergeholt sein.

Yours in Budô,

Micha

Ps: Wer sich die Ausstellung gerne einmal anschauen möchte: Das Uni-Gebäude befindet sich in geringer Reichweite zur JR-Station Ochanomizu. Das Museum ist im Keller des Hauptgebäudes angesiedelt. Der Eintritt ist kostenlos.

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