Hallo,

gut, man könnte mir jetzt Befangenheit vorwerfen, aber ich bin ein absoluter Fan der japanischen Sprache. Insbesondere auch der verschiedenen Dialekte, welche sich in nicht wenigen Teilen in sehr hohem Maße vom Hochjapanisch der Schulen und Universitäten unterscheidet.

Kampfkunst und Sprache – zwei Dinge, die auf essentieller Basis miteinander verwoben sind. Für Japaner ist der Gebrauch obligatorisch. Für Ausländer offenbart die japanische Sprache oftmals große Hürden. Natürlich, Sprache ist nicht ausschlaggebend – nicht in erster Linie – wenn es darum geht, Techniken und Kata übermittelt zu bekommen: Da wird hier und dort der Körper in die richtige Position gebracht, durch Beobachtung und Nachahmung die Bewegung verinnerlicht und durch Learning by Doing, Step-by-Step, ein Fuß vor den Anderen auf dem Weg in der Kunst gesetzt.

Sprache ist der Schlüssel zu einer Kultur, zu den Menschen, ihren Sitten und Gebräuchen. Sprache muss gelernt und gepflegt werden. Der Gebrauch der Sprache zeugt auch von dem Willen, sich integrieren zu wollen. Sei es in kleinen Worten oder ausschweifenden Reden. Sprache kann Barrieren zum Einsturz bringen, Vorurteile abbauen und Differenzen begleichen.

Sprache bietet dem Schüler jedoch die Möglichkeit, tiefer in das Bewusstsein seiner Kunst hinabzutauschen. Bücher wollen gelesen werden, Schriftrollen entziffert. Man möchte den Gesprächen der Lehrer lauschen, ihren Anweisungen folgen und an ihren Erfahrungen teilhaben. Sprache ist wie die Technik in der Kunst: Sie muss sich entwickeln. Jede Vokabel, jeder Satz, jedes Kommentar und jede Anmerkung, sei sie noch so klein und vielleicht unbedeutend, zeugt von Wichtigkeit. Sei es eine Liste der Kata, Techniken oder Kamae der Schule. Jedes Verständnis, welches wir durch die Sprache erreichen, manifestiert sich in uns. Sprache ist gleichzeitig Ausdruck und Empfang. Ein tieferes Verständnis für eine Kunst erlangt man nur durch unermüdliches Üben der Technik und der Sprache.

Schulen des Koryû Bujutsu waren seit jeher lokalen Gegebenheiten unterworfen. Sie waren oftmals nur in bestimmten Gebieten ansässig, sind dort entsprungen und nie über die Landesgrenzen hinaus getragen worden. Die regionale Verbundenheit lässt sich auch heutzutage noch für viele Schulen erkennen: Die Kashima Shintô ryû ist immer noch eng mit dem Kashima-Schrein in Ibaraki verbunden, die Owari-kan ryû ihrerseits mit dem ehemaligen Gebiet der Owari-han in der heutigen Präfektur Aichi. Selbst Schulen, die nur auf speziellen Inseln vorkamen, findet man heutzutage immer noch dort, wo sie entstanden sind, darunter die Kurama Yôshin ryû oder die Chikubujima ryû.

Die Takenouchi ryû, eine Schule des Sôgô Bujutsu, ist seit ihrer Gründung vor mehr als 400 Jahren in der Präfektur Okayama ansässig. Takenouchi Tôjûrô, 13. Oberhaupt der Sôdenke-Linie, hat – wie die folgenden Videos zeigen werden – ein ganz besonderes Verhältnis zur japanischen Sprache, insbesondere dem Dialekt, welcher in der Präfektur Okayama als Okayama-ben gesprochen wird. In kurzen Episoden unterrichtet er zwei junge Schüler in der Sprechweise seiner Heimat. Zwischendurch gibt es immer mal wieder kurze Einblicke in die Techniken der Schule. Auch wird an manch einer Stelle die Geschichte der Schule behandelt. Und was natürlich am wichtigsten ist: Alles wurde so aufbereitet, dass die (japanischen) Zuschauer ihre Kenntnisse im Okayama-ben vertiefen konnten.
Das Schönste ist aber die Leichtigkeit und die gehörige Portion Humor. Wer den japanischen Humor ein wenig kennt, weiß, was ich meine.

Yours in Budô,

Micha

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