Hallo,

in den letzten Wochen habe ich mich ja immer öfters darüber beschwert, „Iai-müde“ zu werden. Ich muss sagen, am letzten Wochenende hat sich dieses Gefühl nicht bemerkbar gemacht.

Das hatte natürlich verschiedene Gründe:

Grund Nr. 1 war die Ausrichtung eines eher ungewöhnlichen Enbu in Matsushiro, genauer gesagt in der alten Schule für Literatur und Kriegskunst (Matsushirohan Bunbu Gakko), die ich hier bereits in der Vergangenheit vorgestellt hatte. Am letzten Sonntag fand zum 13. Mal das Frühlingsenbu des Matsushirohan Budokai statt, einer Vereinigung zum Erhalt und der Förderung der Kampfkünste des ehemaligen Lehen Matsushiro. Damit wären wir auch bei Grund Nr. 2: Die Location. Austragsunsort war die grosse Speerhalle auf dem Gelände der Schule. Holzfussboden, verhangene Wände, eine hohe Decke, zwischenzeitlich ordentlicher Regen mit ein wenig Donner: Die Atmosphäre hätte nicht besser sein können. Das Publikum bestand vielleicht aus, sagen wir, nicht einmal 50 Personen, die alle innerhalb der Halle Platz fanden. Grund Nr. 3 waren natürlich die anwesenden Schulen. Besonders lang viel die Vorführung der Muso Jikiden ryu aus. Ebenfalls gut gefallen haben mir die beiden Vorführungen von Osano Jun (Sekiguchi Shinshin ryu Jujutus sowie Sekiguchi ryu Iaijutsu) sowie diejenigen der Tamiya ryu und Hokushin Itto ryu. Gerade letztere hat mir ungemein imponiert. Obwohl ich eigentlich kein Fan der Itto ryu-Fechtstile bin, muss ich gestehen, dass mir die Hokushin Itto ryu ausgesprochen gut gefallen hat. Besonders auch deren Iai hatte ein paar nette Eigenheiten, insbesondere das Chiburi, das Betrachten der Klinge nach den Schnitten oder das Reinigen eben jener am Hakama.

Ein wenig, sagen wir – abgedreht – war die Vorführung der Mugai ryu, welche sich selbst als „schrecklichste Iai-Schule“ bezeichnet haben. Gerade der Herr im Video der der Kamera am nächsten ist, war ein unglaublicher Selbstdarsteller. Für meinen Geschmack ein wenig too much.

Alles in allem war es aber ein wunderbares Enbu. Nach knapp drei Stunden war das Ganze vorüber. Bepackt mit allerhand Videos, einem tollen Programmheft und einigen Informationsblättern über Matsushiro ging es dann Richtung Nagano Station und anschliessend zurück nach Toyohashi.

Am Samstag Abend hatte ich mich nach vorheriger Absprache mit Osano-sensei getroffen. Osano ist Inhaber mehrerer Menkyo Kaiden und darüber hinaus passionierter Autor und Researcher in Sachen Kampfkunst. Wir hatten eine ungemein interessante Zeit zusammen und er stellte sich bereitwillig meinen Fragen. Ich kam oftmals nicht aus dem Staunen heraus. Solch ein Fundus an Wissen findet man selten. Osano-sensei wird im Juli Zwecks eines Jubiläums nach Berlin kommen. Für nähere Informationen verweise ich auf folgende Seite: www.isba-world.com

Die Zahl der Schulen die am Enbu teilnahmen, war genau richtig um nicht starke Müdigkeitsgefühle beim Publikum hervorzurufen. Eine gute Auswahl, interessante Darbietungen und alles in einem Gebäude, welches mehr als 150 Jahre auf den Buckel hat. Ein perfekter Ort für ein perfektes Enbu.

Yours in Budo,

Micha

 

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