Hallo,

Anfang der Woche bin ich mit meiner Freundin für einen Kurztrip in die Präfektur Nagano gefahren, ca. 4 Autostunden von Tokyo entfernt, mitten in den japanischen Alpen. Nagano ist nicht nur bekannt für die Olympischen Spiele aus dem Jahre 1998, sondern auch für wirklich gutes Essen (Soba!), guten Weißweins sowie einer Fülle an kulturellen Sehenswürdigkeiten, darunter die badenden Affen von Jigokudani, dem Zenkoji-Tempel in der Stadt Nagano oder das wunderschöne Schloss von Matsumoto.

Drei Tage nahmen wir uns Zeit, um drei verschiedene Sehenswürdigkeiten zu besuchen: Den Zenkoji, das Schloss in Matsumoto sowie die Stadt an sich und die alte Schule für Literatur und Kriegskunst in Matsushiro. Über Letztere habe ich bereits in der Vergangenheit berichtet und jetzt endlich konnte ich mich selbst von der Schönheit dieser Stätte überzeugen. Es hat sich gelohnt!

Vom Zenkoji selbst gibt es leider keine besonders schönen Fotos. Zu dem Zeitpunkt war er zum Großteil verhangen und somit sind nur Fotos von den Bereichen um den Tempel entstanden.

Da der Tempel kurz vor der Schließung stand, entschlossen wir uns für den ersten Tag es ruhig angehen zu lassen und dafür den Auslöser der Kamera am nächsten Tag umso öfter quälen zu können.

Die Stadt Matsumoto liegt etwas mehr als eine Stunde per Zug von Nagano-Stadt entfernt. Eine einfache Fahrt kostet 1100 Yen und ist wirklich zu empfehlen. Man sieht viel von der Natur, den Bergen und hat nicht so das Gefühl in Eile sein zu müssen. Vom Bahnhof Matsumoto liegt das Schloss nur knappe 15 Minuten zu Fuß entfernt. Die Stadt an sich ist wirklich sehr hübsch und macht einen freundlichen und hellen Eindruck: Hier ein Fluß, dort ein paar Bäume, da ein paar ältere Gebäude…

Das Schloss wurde 1504 erbaut und war bis zum Beginn der Meiji-Restauration im Jahre 1868 in Gebrauch. Im zweiten Stock des Hauptgebäudes befindet sich ein kleines Museum für Schusswaffen, worunter sich auch einige kleine interessante Stücke befanden, darunter einige Revolver, Pistolen in Schwertmontierung und Kombinationen aus Schusswaffe und Dolch.

Der Tag war wunderschön, das Wetter unglaublich gut und die Fotos sprechen bestimmt für sich.

Am Tag unserer Rückkehr ging es dann noch in das kleine Örtchen Matsushiro. Mit dem örtlichen Bus vom Bahnhof Nagano ist man in 25 Minuten dort. Die Fahrt kostet (einfacher Weg) 600 Yen. Austieg ist der Bahnhof Matsushiro und die Schule für Literatur und Kriegskunst ist innerhalb von nicht mal 10 Minuten per pedes zu erreichen.
Matsushiro ist wirklich ruhig, hat aber eine lange Geschichte auf die die Bewohner sichtlich stolz sind: Überall sieht man das Wappen der Sanada-Familie, die 6 Münzen in zwei Reihen, welche dieses Gebiet vor der Meiji-Restaurierung verwalteten. Heutzutage ist nicht nur die Schule für Literatur und Kriegskunst übrig geblieben, sondern auch die ehemalige Residenz der Sanada-Familie, einige weitere Samurai-Häuser und es wurde in unmittelbarer Nähe zu diesen Gebäuden ein Museum zu Ehren der Sanada-Familie erbaut. Dort hat man Einsicht in die Familienstücke und bekommt einen guten Einblick in die Geschichte dieser Familie.

Auf die Geschichte der Schule möchte ich hier nicht noch einmal eingehen. Dem interessierten Leser sei mein voriger Bericht ans Herz gelegt: Die alte Schule für Literatur und Kriegskunst in Matsushiro

Also, dieser Besuch war wirklich das Highlight! Obwohl anfangs noch eine etwas größere Touristengruppe anwesend war, wurde es später sehr ruhig und man konnte die Geschichte und den Geruch dieser Stätte wahrlich in sich aufsaugen. Die einzelnen Hallen – darunter eine Fechthalle für Schwert- und Speerkampf sowie eine Jujutsu-Halle – hatten wunderbar alten, benutzen, leicht schwindgenden Holzfußboden. Obwohl es draußen gut warm war, war es innen angenehm kühl und frisch. Die Decken waren hoch genug und durch viele starke Holzpfosten verstärkt und bieten Platz für viele Übende. Besonders die Speer-Halle hatte es mir angetan. Selten so einen guten Boden gesehen und eine so schlichte und schöne Architektur. Dort zu trainieren – das müsste unglaublich sein. Und dieses scheint sogar möglich zu sein. Die Kyujutsu-Anlage wird heutzutage immer noch genutzt und auch die einzelnen Fechthallen sind ab und an noch im Gebrauch. Hm – ob man auch als Privatmensch diese vielleicht nutzen darf..? Hm..

Genug berichtet. Es war ein wirklich toller Urlaub und ich blicke mit einem Lächeln auf die Stunden zurück. Dem Leser wünsche ich nun viel Freude mit dem Fotos. Wer gerne Bilder in hoher Auflösung haben möchte, möge sich bitte bei mir melden. Gerade die Fotos vom Schloss sind toll geworden.

Yours in Budo,

Micha

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