Mit etwas Verspätung erscheint hier jetzt das Review zu dem Bujutsu-Karate-Seminar mit Stephan Yamamoto in Bremen von vor ein paar Wochen. Ich bitte die Verzögerung zu entschuldigen.

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Hallo,

am letzten Wochenende fand ein ganz spezielles Seminar in den Hallen des Aikido-Zen Dojo in Bremen statt. Der Lehrer war Stephan Yamamoto, 4. Dan Shotokan-ryu sowie 3. Dan Muso Jikiden Eishin ryu Iaido. Thema des Ganzen: Bujutsu Karate. Nein, eigentlich war es ein Aikido-Seminar. Oder doch eher ein Judo-Seminar? Koryu-Bujutsu? Hm…Ich bin mir garnicht mehr so sicher.

Der Leser wird sich jetzt vermutlich die Fragen stellen, was diese merkwürdigen Ausführungen zu bedeuten haben. Aber dazu später mehr…

Es waren knapp 15 Teilnehmer anwesend. Kommend aus dem Karate, Judo sowie dem Koryu Bujutsu, hatten alle eine unterschiedliche Erwartung an das Seminar. Müsste man einen Oberbegriff für das Thema das Seminares finden, würde das Ganze vermutlich unter dem Schirm der Körperarbeit laufen müssen.

Stephan Yamamoto kommt ursprünglich aus dem Shotokan-ryu Karate-do sowie dem Iaido der Muso Jikiden Eishin ryu. Obwohl es als Karate-Seminar ausgeschrieben war, kamen mehr als die Häfte der anwesenden Teilnehmer nicht aus dem Karate-Bereich.

Also, worum ging es?
Es ging um Bewegung – funktionaler Bewegung. Also eigentlich darum, wie man sich auf natürliche (denn das haben wir heutzutage fast vergessen!) bewegt und wie man diese Prinzipien der Bewegungslehre auf das Karate, Judo, Koryu Bujutsu übertragen und auch wieder finden lassen kann. Zur Konditionierung des Körpers – und ja, dieses war von Nöten! – wurden Übungen aus dem Yoga, der Feldenkrais-Lehre sowie dem Hojo-Undo den eigentlichen Übungen vorgezogen. Wie viel man doch mit natürlicher Kraft alles bewirken kann – und wie viele unterschiedliche Stellen man gezielt ansteuern und reaktivieren kann. Viele der Teilnehmer sagten nach dem Seminar, sie hätten Teile ihres Körpers gespürt, die sie vorher fast vergessen hatten, respektive nicht wahrnahmen. Es wurde also versucht ein neues Körpergefühl zu kreieren. Das so etwas nicht an einem Wochenende geschehen kann, ist klar.

Das große andere Thema war die Verknüpfung dieser Prinzipien – nein, anders – dieser Bewegungslehre mit dem Prinzip der Kata. Kata als Träger von Prinzipien der jeweiligen Schule. Anhand einer Kata aus dem Shotokan-ryu wurde dann versucht, diese (für viele) neue Bewegungslehre umzusetzen. Dabei war ein nicht unwesentlicher Teil die Erklärung der Anwendungen. Einige werden es vielleicht kennen: Man macht eine Kata ohne das Prinzip dahinter zu kennen, die Anwendung oder den Fluss. Stephan Yamamoto hat über das ganze Wochenende Würfe, Schläge und allerlei andere Dinge gezeigt, die sich später in der Kata wiedergefunden haben. Dass diese vielleicht nur eine Möglichkeit der Anwendung darstellen, ist klar – doch sie veranschaulichte auf einfache Art und Weise worauf es im Karate, Judo, Aikido oder dem Koryu Bujutsu ankommt: den Körper nicht gegen seinen Willen zu manipulieren, sondern ihm das Gefühl der Natürlichkeit wiederzugeben.

Die Würfe wurden ohne Kraft sondern allein durch Körperbewegung, Gleichgewichtsverlagerung und viel Smooth durchgeführt. Und: es klappt! SV-Legastheniker und Straßenrüpel werden enttäuscht sein: es ging primär nicht ums Kämpfen. Jedenfalls nicht im Sinne der SV. Vielmehr wurde das, was schon seit Jahrhunderten in den Kampfkünsten existiert, extrahiert und anschaulich anhand der Kata verdeutlicht. Ich möchte Stephan Yamamoto noch nicht auf die Stufe eines Ushiro Kenji oder Akira Hino heben. Dass würde schon ein bisschen über den eigentlichen Zweck hinausgehen. Aber dass was er macht geht exakt in die selbe Richtung.

Den Teilnehmern hat es sichtlich Spaß gemacht. Auch die Arbeit am Boden und einige nette andere Spielereien beleuchteten Dinge, die den meisten bisher verborgen waren.

Ich persönlich freue mich schon auf das nächste Seminar in Bremen! Stephan Yamamoto wird immer ein gern gesehener Gast sein!

Yours in Budo,

Micha

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