Hallo,

heute gibt es eine kleine Premiere auf „Life for a Sword“: Martin Stehli, ein bekennender Anhänger der Muso Jikiden Eishin ryu aus der Schweiz und darüber hinaus eine Person die sehr schätze, war vor kurzem in Japan und hat es sich nicht nehmen lassen, eine kleine Safari durch diverse Budo-Läden zu unternehmen. Seine Erlebnisse schildert er hier mit einem kleinen Gastbeitrag. Enjoy!
Yours in Budo,

Micha
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Budo-Shops in Japan – ein kleines Review

Ja, Budo-Shopping ist toll! Damit werden wohl die meisten, die sich mit japanischen Kampfkünsten befassen, einverstanden sein. Ein neuer Hakama, ein spezieller Obi, ein schönes Montsuki und natürlich die Waffen. 😉

Heutzutage kann man sich natürlich alles relativ bequem online bestellen. Und es gibt auch wirklich hervorragende Online-Shops… Aber nichts ersetzt das RICHTIGE Ladengeschäft, wo man anfassen, ausprobieren, anprobieren und sich auch noch unterhalten kann. Und das alles wird noch getoppt, wenn der Laden in Japan ist!

Diesen Sommer war ich wieder für einige Wochen auf Familienbesuch in Japan. Ideal also, um sich einige Geschäfte genauer anzusehen.

Ich war auf der Suche nach einem braunen Hakama, einem O-sode Iaido-Gi mit Juban, Obi und ….natürlich Sageo. Von den Dingern krieg ich nie genug! Die Einkaufsliste war also relativ umfangreich.

Dieses Jahr stand wieder mal Kyoto auf dem Programm und somit auch ein Besuch bei TOZANDO, einem der wirklich guten Online-Shops. In Kyoto gibt es zwei Ladengeschäfte von TOZANDO, eines davon spezialisiert auf Iaido, Koryu und japanische Schwerter.

TOZANDO Shogoin Storehttp://www.tozandoshop.com/

Adresse: 24 Enotomi, Shogoin, Sakyo-ku, Kyoto City

Der Laden besteht aus Erdgeschoss und erstem Stock. Oben findet man eine grosse Auswahl an Iaito, Shinken (antik sowie neu geschmiedet) sowie Rüstungen und Rüstungsteile. Unten gibt’s das Beigemüse… 😉

Wir wurden von Taniguchi-san, dem Filialleiter, begrüsst. Die Bedienung war sehr freundlich (man ist ja in Japan) aber leider wurde schnell klar, dass TOZANDO eben vorallem ein gut bestückter Online-Shop ist. Farbige Hakama gab es kaum. Es gab zwar einen Iaido-Gi mit grossen Ärmeln, aber leider in der falschen Grösse. Nachbestellung und Versand von Kyoto nach Chiba (wo wir wohnten) war zwar möglich, aber ich hatte ja noch Shops in Tokyo auf dem Programm. Online gibt es eine Riesenauswahl an verschiedenen Sageo. Im Laden ist nur ein Bruchteil davon vorhanden. Ich kaufte mir dann eher aus Verlegenheit zwei. Im Laden arbeitet seit einigen Jahren auch eine Schweizerin Teilzeit, allerdings nur an Samstagen. Ich habe sie nicht getroffen. Für alle die des Japanischen nicht mächtig sind, wohl eine gute Möglichkeit sich auf Deutsch bedienen zu lassen. Allerdings spricht Taniguchi-san auch Englisch.

Fazit: Für einen grossen, erfolgreichen Online-Händler lohnt sich heutzutage ein grosses Sortiment im Ladengeschäft kaum noch. Taniguchi-san verwies auch mehrere Male darauf, dass man dies und jenes sehr wohl online bestellen könne…

Ich möchte TOZANDO nicht Unrecht tun. Es gibt in Kyoto ein zweites Ladengeschäft, welches ich wegen Zeitmangels nicht besuchen konnte. Allerdings hat Taniguchi-san im Gespräch nie auf diesen zweiten Laden hingewiesen. Wohl im Wissen darum, dass ich meine Einkaufsliste auch dort nicht hätte abarbeiten können.

SAKURA-YAhttp://www.sakuraya.org/

Adresse: 1-3-4 Kudan-kita, Chiyoda-ku, Tokyo

Zurück in Kanto gings dann zu Sakura-ya in Tokyo. Leicht zu finden, da direkt beim Tokyo Budokan gelegen (die grosse Kudanshita-Kreuzung). Ein kleiner Laden mit einer eher bescheidenen Website. Der Online-Katalog besteht aus eingescannten Seiten. Heute ist man es sich ja gewohnt, dass Websites einfach perfekt sind. Selbstverständlich muss auch ein gut zu navigierender Online-Shop vorhanden sein. Und wenn man dann auf eine Website stösst, die all das nicht bietet, ist man leicht versucht das entsprechende Geschäft links liegen zu lassen. Das wäre ein grosser Fehler! Zumindest in meinem Fall wäre es das gewesen.

Der Laden ist nur im Erdgeschoss angesiedelt, die Fläche relativ klein. Es war eine ältere Dame (wohl die Chefin) und ein junger Mann im Anzug anwesend. Langer Rede, kurzer Sinn: Ich ging hier raus und auf meiner Einkaufsliste waren alle Positionen durchgestrichen! Mir wurden sicher fünfzehn Hakama in verschiedenen Ausführungen und Farben gezeigt, dann wurde es mir langsam peinlich… Ich entschied mich dann für einen dunkelbraunen Hakama mit feinen schwarzen Streifen. Herrlich! Auch der O-sode Iaido-Gi mit Juban war natürlich vorhanden, auch da hätte es diverse Farben zur Auswahl gehabt. Am Schluss genehmigte ich mir noch einen lindgrünen Kaku-Obi. Sageo hatte ich ja schon aus Kyoto, liess mir aber trotzdem die Auswahl zeigen. Ich war versucht noch ein Sageo zu kaufen, allerdings war es mir etwas zu teuer. Aber ich bin sicher nicht das letzte Mal hier gewesen….

Fazit: Die Chefin wie auch der Verkäufer waren sehr nett. Mit der Chefin hatte ich aber eigentlich erst am Schluss zu tun, wo es ans bezahlen ging. Der junge Verkäufer hat sich wirklich sehr bemüht, mir die vorhandenen Waren zu präsentieren. Es war klar, dass dieses Geschäft seine Kundschaft im Laden selbst zufriedenstellen muss. Daher auch die grosse Auswahl. P.S. Meinen Hakama hätte es im TOZANDO-Onlineshop nicht gegeben.

Es war erst später Vormittag und meine Streifzüge durch Tokyo mussten auch noch bewältigt werden. Daher konnte ich meinen Einkauf im Laden lassen und dann am Abend vor Ladenschluss abholen.

Da ich gerade in der Gegend war, ging ich noch die Buch-Antiquariate in Jinbocho abklappern. Auf Nachfrage fand ich dann auch einen Laden, der eine grosse Auswahl an alten Budo-Büchern führte. Leider ist mir der Geschäftsname entfallen. Aber mit rudimentären Japanisch-Kenntnissen sollte man das schon finden, zumal es nicht soviele gibt die auf Budo/Bujutsu spezialisiert sind. Es gab allerdings nichts, was ich unbedingt haben musste.

Ich gestehe, ich mag Shibuya. Rührt noch von früher her… 😉 Dieses Mal ist es mir tatsächlich passiert, dass ich dort unverhofft an einem Kendo-Shop vorbeikam.

SHOKODOhttp://www.shokodo.com/index.html

Adresse: 2-17-3 Dogenzaka, Shibuya-ku, Tokyo

Wer das Viertel Dogenzaka kennt, weiss, dass es die Gegend mit der wohl grössten Dichte an „Love Hotels“ ist… Und mitten drin ein Kendo-Shop! Leider war der Laden an diesem Tag geschlossen. Sah aber nach einem gut sortierten Geschäft aus, welches wohl hauptsächlich auf Kendo spezialisiert ist. Bemerkenswert fand ich den Werbeflyer (auf Englisch!) an der Türe. Da wurde ein Dojo für Nakanishi-ha Itto Ryu Kenjutsu beworben!

Ich hoffe, diese kurze Review hilft einigen bei ihren Shopping-Abenteuern in Japan weiter. Happy Hunting!

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