Hallo,

obwohl ich selbst kein Jôdô praktiziere, habe ich letzter Zeit großen Gefallen an dieser Waffe und ihren Schulen bekommen. Die berühmteste ist wohl die Shinto Muso ryu¹ von Muso Gonnosuke, begründet in der Keicho-Ära (1596 – 1615) und bis heute eine der populärsten Schulen für Jôdô².

Gonnosuke war Schüler der Tenshin Shôden Katori Shintô ryû und bekam in dieser auch eine menkyo-Lizenz. Man sagt darüber hinaus, dass er ebenfalls in die inneren Techniken der Kashima Shin ryû initiiert wurde (Ichi no tachi). Er war ein überaus erfolgreicher Kämpfer und ging aus vielen Duellen als Sieger hervor. Heutzutage ist besonders sein Kampf gegen Miyamoto Musashi uns in Erinnerung geblieben. Gonnosuke wurde besiegt und ging daraufhin in die heutige Präfektur Fukuoka um sich ganz dem Studium der Kampfkunst zu widmen und herauszufinden, wieso er gegen Musashi verloren hatte. Auf dem heiligen Boden des Kamedo-Jinja erschien ihm eines Nachts ein kleiner Junge im Traum und übermittelte ihm folgende Nachricht:

丸木を以て、水月を知れ
Maruki wo motte, suigetsu wo shire
Kenne den Solarplexus³ mit einem runden Stab

Mit diesem Spruch als seinen Kern schuf Gonnosuke die Shinto Muso ryu und entwickelte hierfür einen Stab mit den Maßen 4 shaku 2 sun 1 bu lang und 8 bu als Durchmesser (128cm Länge und 2,4cm Durchmesser). Der Jô sollte die Synthese dreier Waffengattungen darstelle: Dem Yari, der Naginata und dem Schwert. Anschließend soll er wieder gegen Musashi angetreten sein und ihn diesesmal besiegt haben. Von dieser Zeit an fand die Schule in der Kuroda-han in Fukuoka großen Zuspruch: Über viele Jahre wurde sie nur den Mitgliedern dieser Han gelehrt.

In der jüngeren Geschichte Japans wurde die Schule insbesondere durch die Verdienste von Shimizu Takaji weit verbreitet. Donn F. Draeger und Pascal Krieger waren beide Schüler von Shimizu-sensei und wurden von ihm auch in andere Schulen eingeführt, damit sie ihr Studium der Kampfkünste so gut wie möglich absolvieren konnten.

Hamaji Kouichi-sensei, einer der längsten Schüler von Shimizu-sensei und erster Präsident des Aijôkai (Aichi Jô Kai – die Jô-Gruppe der Präfektur Aichi) hat sein ganzes Leben den Lehren und Prinzipien des Jôdô gewidmet und das Andenken seiner Lehrer fortgeführt. Vor einigen Jahren wurde ein Tape gefunden mit einer Aufzeichnung eines Gesprächs zwischen Hamaji-sensei und Herrn Gerald Toff aus dem Jahre 1977. Ort des Ganzen war das Heim von Hamaji-sensei. Dieses Gespräch wurde 2008 in Buchform herausgebracht. Es gibt interessante und wirklich schöne Einblicke in das Studium des Jô der Meiji- und Taisho-Ära und die wahre Bedeutung des Budô. Dieses Gespräch bildet den ersten Teil des Buches. Der Zweite behandelt die 13 goldenen Regeln des Jô und ihre Bedeutung. Dabei handelt es sich um 13 kurze Kapitel mit Anweisungen und Ratschlägen bezüglich des Studiums des Jô. Name des Ganzen:

杖の品格

Jô no hinkaku

Die Erhabenheit des Jô

Dieses Buch gibt es zum einen als Printausgabe für 15 Euro oder aber als frei verfügbare, kostenlose .pdf-Version. Allerdings empfehle ich die Printausgabe. Ein Buch macht sich einfach schöner im Regal als ein hässlicher, schwarzer Ordner. Und nun das wichtigste: Der Link.

Jo no hinkaku

Viel Spaß!

Yours in Budo,

Micha

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Anmerkungen

¹ 神道夢想流

² Andere Schulen die den Gebrauch des Jô sind u.a. Muhi Muteki ryu, Suio ryu und die Imaeda Shin ryu. Zu letzterer gibt es hier auf Life for a Sword ebenfalls einen kurzen Artikel.

³ Krieger spricht hier von Solarplexus. Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff „Suigetsu“ 水月: Wasser und Mond; Reflexion des Mondes im Wasser; sich gegenüber stehende Gefechtsformationen, Quelle: http://www.wadoku.de

  Shimizu Takaji (1896–1978), inoffizieller 25. Soke der Shinto Muso ryu

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