Hallo,

am letzten Wochenende war es endlich soweit: das lang geplante Seminar der Niten Ichi ryu 二天一流 sollte endlich stattfinden. Chris de Jongh aus den Niederlanden hat uns im Aikido-Zen-Dojo Bremen besucht und eine Einführung in das Curriculum der Schule gegeben. Geübt wurden am Samstag Techniken des Itto-Seiho (Langschwert gegen Langschwert) und am Sonntag Techniken des Kodachi-Seiho (Kurzschwert gegen Langschwert). Wir waren ingesamt 14 Teilnehmer + Chris de Jongh und sein Ukedachi. Sowohl Mitglieder des Aikido-Zen wie auch Mitglieder anderer Dojo fanden den Weg zu uns. Die längste Anreise hatte ein Schüler des Kobukan-Dojo aus Bonn.

Das Besondere der Niten Ichi ryu (im Vergleich zur Katori Shinto ryu bspw.) sind ihre sehr kurzen und direkten Techniken. Alles schien sehr natürlich, von der Fußstellung, der Hüftposition, wie auch dem Anheben des Schwertes zum Schlag und dessen Ausführung. Die mentale Komponente hat ebenfalls eine große Rolle gespielt: man stand sich gegenüber, ging aufeinander zu und batz! – alles war vorbei. Man ging zurück in die Ausgangsposition, atmete durch und began wieder von vorne. Keine Schnörkel, keine blumigen Bewegungen. Ausweichen, in den Raum des Gegners eintreten, Kontakt suchen, schneiden, stoßen, halten, stechen, brechen.

殺す ー 壊す

töten und zerstören

Niten Ichi ryu ist ein Vollkontakt-Stil. Und das merkt man auch. Blink blink zwinker zwinker. Oftmals geschah es, dass man unweigerlich blinzeln musste. Der laute Ton des Aufeinandertreffen der Schwerter, dieses hohe klack!, hat kein einziges Mal seine Wirkung verloren. Gerade bei einer Kata die fast selbstmörderischen Einsatz verlangt hat, war es nahezu unmöglich, Ruhe und Entspannung zu bewahren. Klack – entweder er oder ich – direkt, erbarmungslos, eindeutig.

Wer sich einen Überblick über die Techniken verschaffen möchte, dem sei das folgende Video ans Herz gelegt. Aufgenommen beim diesjährigen Embu der Nihon Kobudo Kyokai im Tokyo Budokan.

Ab der zweiten Minute: Ukedachi nimmt sein Schwert hoch, bedrohlich, fordernd, drückend. Shidachi reagiert und nimmt sein Schwert vor den eigenen Körper. Locker, entspannt, abwartend. Beide bewegen sich aufeinander zu, Ukedachi schneidet und – klack! – da war es wieder.

Aisen! – Aisen!

Sonntag, kurz vor 15 Uhr: man steht sich gegenüber, die Schwerter gekreuzt. Man senkt sich nieder, die Schwerter werden zurück an die Seite genommen. Man steht auf, geht zurück zum Anfang. Verbeugung. Das Seminar ist rum. Abschließendes Reishiki, danach noch ein Gruppenfoto. Man kann die Erleichterung in den Gesichtern der Teilnehmer sehen. Diese Anspannung des Wochenendes ist weg. Verschwunden. Ausgeatmet. Man sieht aber auch ihre Zufriedenheit, ihre Dankbarkeit.

Danke.

Als Mitorganisator bedanke ich mich ganz herzlich bei Chris de Jongh und Siewert Baar aus den Niederlanden für ihr Kommen. Es war wirklich sehr interessant, ein weiteres Mal Gelegenheit gehabt zu haben, in diese wunderschöne Schule hinein schnuppern zu dürfen. Ich hoffe, dass man sich irgendwann wiedersehen wird. Vielleicht hier in Bremen, vielleicht in den Niederlanden, vielleicht in Japan. Um es mit den Worten des Gründers zu sagen:

Es gibt viele Wege – den der Erlösung in Buddhas Lehre,

den Weg des Lernens bei Konfuzius, den Weg des Arztes, Krankheiten

zu heilen, den des Dichters, das Verseschmieden zu lehren.

Teetrinken und Bogenschießen haben ihren Weg.

Jeder kann sich in dem üben, was seinem Talent entspricht.

Doch nur wenige erfreuen sich am Weg der Kampfkunst.

Ich bin froh, dass solche Menschen ebenfalls auf diesem Weg wandern.

Yours in Budo,

Micha

 

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