Hallo,

seit einiger Zeit beschäftige ich mich intensiver mit dem Thema Shurikenjutsu und den unterschiedlichen Arten von Shuriken. Leider werden hier im Westen (und selbst in Japan!) Shuriken überwiegend mit Ninja und den sternförmigen Ausführungen (Ninjasternen) verbunden.

Das es auch ganz schlicht und einfach geht, ohne viel Klimmbimm möchte ich im folgenden Artikel etwas näher darlegen.

Allgemeines:

Die Kunst des Shuriken-Werfens ist seit der Sengoku-Jidai fester Bestandteil vieler Kenjutsu-Schulen. Insbesondere der Typus des Bo-Shuriken, also ein Stift/bzw. Nagel ähnlicher Wurfpfeil, fand als Sekunddärwaffe Bedeutung in den Schulen. Shuriken waren nie Tötungswaffen (es sei denn sie waren vergiftet), vielmehr dienten sie als Verwirr- und Überbrückungswaffen.

Wörtlich übersetzt bedeutet der Ausdruck: Eine Klinge (Ken) auf der Innenseite (Ri) der Hand (Shu).

Shuriken wurden auf kurze wie auch auf lange Distanzen eingesetzt und so ist es nicht verwunderlich, dass die normale Kampfdistanz zwischen 3 bzw. 4 ken lag (5,40m bzw. 7,20m / 1ken = 180cm).

Wie schon geschrieben war Shurikenjutsu ein integraler Bestandteil vieler Kenjutsu-Schulen, darunter so bekannte wie die:

  • Tenshin Shōden Katori Shintō ryū
  • Kashima Shin ryû oder die
  • Tatsumi ryu

Darüber hinaus haben sich aber auch Schulen entwickelt, die das Shurikenjutsu als ihre primäre Waffe unterrichteten. Darunter fallen u.a. die

  • Negishi ryu und die
  • Shirai ryu

Dies bedeutet aber nicht, dass es nicht auch Techniken in Kombination von Schwert und Shuriken gibt. So lehrt die Negishi ryu Techniken in denen das Werfen von Shuriken in das Iaijutsu integriert worden sind. Ähnliches gibt es in der Tenshin Shōden Katori Shintō ryū und der Chishin ryu.

Geworfen wird aus den unterschiedlichsten Positionen; im Normalfall aber aus einer Position über den Kopf oder rechts daneben. Insbesondere auf die Arbeit des Körpers wird viel Wert gelegt, da die Kraft zum Werfen nicht aus dem Arm, sondern aus dem Körper kommen soll. Daher ist es notwendig, den Shuriken mit dem Körper und der Bewegung in Einklang zu bringen. Nur durch das Zusammenspiel dieser Faktoren, entwickelt sich die nötige Kraft und Geschwindigkeit, um auch auf längere Distanz gezielt werfen zu können.

Zur Handhabung am Beispiel der Meifu Shinkage ryu: in der Meifu Shinkage ryu kommen zwei unterschiedliche Arten zum Ensatz, wie der Shuriken in der Hand liegen kann. Diese nennen sich Jiki-Dahô und Hanten-dahô.

Bei der Jiki-Dahô Griffweise liegt der Shuriken mit der Spitze vom Ausübenden weg in der Hand.

Bei Hanten-Dahô ist es genau andersrum: Der Shuriken liegt mit der Spitze zum Ausübenden in der Hand. Hanten-Dahô kommt bei längeren Distanzen zum Einsatz; Jiki-Dahô bei kurzen.

Zur Veranschaulichung zwei Bilder:

Typen und Schulen

Zu den heute bekanntesten (und noch existierenden) Schulen, die sich primär dem Shurikenjutsu verschrieben haben, gehören die Negishi ryu, Shirai ryu sowie Meifu Shinkage ryu.

Negishi ryu

Shirai ryu


Meifu Shinkage ryu


Darüber hinaus gibt es noch weitere Schulen die das Shurikenjutsu praktizieren, darunter die folgenden:

Tenshin Shōden Katori Shintō ryū

Chishin ryu

Die Chishin ryu geht auf Heibei Iijima zurück. Dieser war Schüler von Miyamoto Iori, dem Adoptivsohn von Miyamoto Musashi. Der Shuriken der Chishin ryu zeichnet sich durch sein hohes Gewicht und sein unorthodoxes Design aus. Diese Faktoren machen diesen Typ zu einem sehr wurffreundlichen Shuriken, den auch Anfänger ohne größere Probleme werfen können. Besonders zu erwähnen ist, dass im Gegensatz zu anderen Schulen, der rechte Fuß beim Wurf vorne ist, nicht der Linke (wie zB. in der Negishi ryu oder der Meifu Shinkage ryu). Darüber hinaus lehrt die Schule auch den Umgang mit dem Schwert in Verbindung mit dem Shurikenjutsu.

Enmei ryu

So, an dieser Stelle soll unser kleiner Exkurs enden. Demnächst, bei Zeit und Muße, gibt es mehr. Dann auch weitere Infos zu den einzelnen Typen.

Yours in Budo,

Micha

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