Als ich damals anfing mich mit Kampfkunst zu beschäftigen, fanden zwei sehr bekannte Bücher ihren Weg in meine Sammlung. Zum einen das „Hagakure“ von Yamamoto Tsunetomo, zum anderen das „Go rin no sho“ von Miyamoto Musashi.

In beiden wird der Samurai als todesverachtend dargestellt und sollte nach bestimmten Idealen sein Leben ausrichten. Er sollte den Tod hinnehmen als etwas das unumgänglich ist, als etwas alltägliches, etwas natürliches.
Schlechte Übersetzungen und Missinterpretationen bringen dann solch Sätze wie „Der Weg des Krieger liegt im Sterben“ zu Tage. Natürlich, wir wissen nicht (oder ich weiß es nicht) wie es zur damaligen Zeit wirklich war, nur, wie geht man heutzutage mit so etwas um?

Was geht in einem vor, wenn man einen geliebten Menschen verliert? Trauer und Schmerz hat vermutlich jeder von uns in dieser Hinsicht erlebt.

In den Kampfkünsten wird gelehrt, respektvoll und gutmütig miteinander umzugehen. Man wird für sein Drumherum sensibilisiert. Man stößt sich nicht an irgendwelche Kanten, sondern steht in Harmonie mit seinen Mitmenschen. Man geht intensiver durch das Leben, die Wahrnehmung verschärft sich, die Sinne werden geschult.
Hilft uns dieses „Wissen“ bzw. unser Studium im Todesfall? Wenn ein geliebter Mensch von uns geht oder wir das Leid und den Schmerz uns Nahestehender sehen, gehen wir diese Situation dann anders an? Fühlen wir die gleiche Leere in uns, oder ist das, was geschehen ist, uns vielleicht intensiver bewusst als es dem Ungeübten ist? Schult die Ausbildung in den Kampfkünsten auch solch tief in der Psyche des Menschen verwurzelte Gefühle wie Trauer oder Schmerz? Lernen wir besser mit ihnen umzugehen, den sprichwörtlichen „kühlen Kopf“ zu bewahren?

Ich glaube, das der Schmerz und die Trauer jedem Menschen auf ihre Weisen begegnen. Jeder Mensch trauert auf seine Weise, jeder Mensch geht anders mit diesen Gefühlen um.

Die Ausbildung in den Kampfkünsten gibt uns vielleicht nur den nötigen Halt um mit klarerem Verstand an die Sache herangehen zu können. Im Keiko geht man an seine Grenzen, physisch wie psychisch. Bei der Trauer um einen lieben Menschen lastet alles auf der mentalen Stärke jedes Einzelnen. Und diese Stärke mag uns vielleicht helfen über unsere Trauer hinwegzukommen.

Advertisements