Bach

Bisher war ich der Meinung, dass Esoterik mir beim Studium der Kampfkünste nicht wirklich helfen kann. Ich machte mir nichts aus alten Doktrin die vor Jahrhunderten aufgestellt worden sind und nur von den wenigsten heute noch verstanden werden. Die Lehren von In-Yo (Yin – Yang) oder dem esoterischen Buddhismus (Mikkyo) habe ich immer aussen vor gelassen und mich nur auf die reine Kata und die Geschichte meiner Schule fixiert.

Dies war ein großer Fehler.

Am Wochenende war ich bei einem meiner Lehrer eingeladen und er zeigte mir einige seiner Bücher zum Thema Philosophie in den Kampfkünsten, speziell auch zu meiner Schule. Dabei erklärte er mir dass die Esoterik der Grundpfeiler vieler (wenn nicht sogar aller) alten Kampfkunstschulen darstellt, doch wird dieses heutzutage nur von den wenigsten realisiert und auch angewendet bzw. ins Studium mit eingebunden. Nur, wie bringt man die Esoterik in dass eigentliche Keiko? Dazu muss man den Hintergrund der Schule kennen und den Sinn der Kata und des Kihon. Warum parieren wir dort, warum schneiden wir hier? Was steckt hinter dem Ganzen?

Otake Sensei beschreibt in seinem Buch „The Deity and the Sword“ sehr anschaulich den esoterischen Part seiner Schule. In diesem Buch gibt ein Bild – Ritsu-ken, welches die Grundpfeiler dieser Schule darstellt. Den Mond, die Sonne und die fünf Elemente. In-Yo-Gogyu.
Alles muss in Harmonie zu einander stehen. Kein Licht ohne Schatten, kein Plus ohne Minus, keine Aktion ohne Reaktion. Befasst man sich mit den höheren Kata der Schule wird man erkennen dass genau dieses Prinzip zur Geltung kommt. Es sieht so aus als würde die ganze Kata im ständigen Gleichgewicht der Partner stehen. Es mag manchmal sogar fast tänzerisch aussehen wie beide enge Wege gehen, Schnitte und Stiche ausführen die mit der Konterbewegung wiederum aufgefangen werden um ihrerseits ebenfalls wieder aufgefangen zu werden. So entwickelt sich die Kata bis sie beide am Schluss wieder in der Grundstellung wiederfinden.

Wenn man diese Prinzipien versteht, sich mit den Elementen auseinander setzt und dieses auf die Kata und Kihon überträgt erkennt man dass mehr hinter dem Ganzen steckt. Esoterik ist der Schlüssel (oder einer der Wege) zu den wahren Hintergründen der Kampfkunst. Versteht man diese Prinzipien versteht man die Kata. Versteht man die Kata, versteht man denn Sinn der Schule. Versteht man den Sinn, kommt es nicht mehr drauf an ob man pariert oder schneidet, denn dann ist es vollkommen egal welche Bewegung man ausführt. Dass einzige was passiert ist dass man eines der wichtigsten Dinge der Kampfkunst verstanden hat.

Was dass ist muss jeder für seine Kampfkunst finden.
Mein Lehrer hat mir nen Schubs in die richtige Richtung gegeben und ich sehe meine Kampfkunst jetzt mit anderen Augen. Und dass hat nichts mit Übernatürlichkeit und Hirngespinsten zu tun sondern einfach mit dem Sein der Kampfkunst und den Beweggründen der Gründer dieser Schulen.

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