Das Internet ist voll von Foren, die sich mehr oder minder seriös mit dem Thema Budo und dergleichen auseinander setzen. Ein Thema welches irgendwie immer und überall aufgewärmt wird, betrifft die so-genannten „Fake ryu“, erfundene Schulen für Kampfkunst , denen man eine scheinbar legitime Geschichte hinterlegt hat, um so möglichst viele Schüler in die Dojo zu locken. Bisher war es immer üblich, nur ausser-japanische Dojo und Schulen ins Visier zu nehmen, auf martialartsplanet.com wurde jetzt aber auch einmal eine japanische Schule ins Kreuzfeuer genommen. Bei der besagten Schule handelt es sich um die Tenshinsho Jigen ryu. Ausschlaggebend war die Frage, ob man Fake ryu von „richtigen“ Schulen unterscheiden könne.
Zunächst aber hier der Link zum entsprechenden Thema:
http://www.martialartsplanet.com/forums/showthread.php?t=89693
Im betreffenen Forum lässt sich der User iB1337 sehr negativ über die oben genannte Schule aus. Zunächst ist er überaus respektlos und wie sich später heraus stellt auch etwas fehlgeleitet. Aber dazu später mehr. Jedenfalls schaltet sich irgendwann ein Japaner ein, der Mitglied der Tenshinsho Jigen ryu ist. Es entbrennt eine sehr interessante Diskussion über die Legitimität der Schule und deren Geschichte. Irgendwann geht das Ganze auf die sozio-budo-gesellschaftliche Ebene und Dinge wie Respekt, Höflichkeit, usw. kommen zur Sprache. Der Japaner nutzt geschickt sein Wissen um den User iB1337 gehörig die Ohren zu waschen. Besonders Seite 3 liesst sich köstlich! Als auch noch das Dojo von Kuroda sensei und seine Dojo-Regeln ins Gespräch kommen, wird es böse, bitter böse. iB1337 ist irgendwann so klein geworden, dass er doch tatsächlich den Japaner mit „Sensei“ anspricht und kleinlaut zugibt, welch Fehler er begangen hat. Aber lest selbst.
Jedenfalls ist dieses wieder ein typisches Beispiel für Überheblichkeit in den Kampfkünsten. Von Leuten die, so wie der User iB1337, in Japan Koryu studieren, sollte man ein wenig mehr Zurückhaltung erwarten, besonders wenn es sich bewahrheiten würde, dass er Schüler von Kuroda sensei sein sollte. Dessen Regeln besagen u.a. folgendes:
5.他流儀、他武道の批判をしないこと。
6. Please refrain from making negative comments in reference to other forms or styles of BUDO.
Tja, Regeln gebrochen, Leben verwirkt.
Koryu in Japan studieren zu dürfen, bedeutet nicht nur, dass man eine Menge Glück hatte, sondern auch gewissen Regeln unterstellt ist und man darüber hinaus auch ein hohes Maß an Verantwortung übernehmen muss. Man wird in eine Gesellschaft aufgenommen in der man sich bewähren muss. Ob Ausländer oder Japaner, jeder muss seinen Platz in dieser Gesellschaft finden. Unterschiede werden nicht gemacht. Jeder ist gleich. Dinge wie Höflichkeit, Demut, Dankbarkeit oder Aufrichtigkeit sind nicht nur lose Worte, sie sind essentieller Bestandteil des Budo-Konstrukts. Erkennt man dieses nicht, erkennt man auch nicht was wirklich hinter der Technik steckt. iB1337 hat, ob Schüler von Kuroda sensei oder nicht, einen schweren Fehler begangen, indem er über andere geurteilt hat ohne direkt die Schule zu kennen bzw. in sie involviert zu sein. Kurz gesagt: warum sollte man geistige Kraft aufwenden um andere Leute zu diffamieren? Jeder ist sein eigen Glückes Schmied. Die Überheblichkeit, die der User iB1337 an den Tag gelegt hat, war der falsche Weg. Da half es am Ende auch nicht, Schadensbegrenzung zu betreiben. Die Worte wurden geschrieben, alles wurde gesagt. Darum ist es auch nicht verwerflich, wenn das japanische Mitglied der Tenshinsho Jigen ryu die Sache ein wenig persönlicher nimmt und versucht, in diesem Sinne einiges richtig zu stellen, ohne Rücksicht auf die Gefühlslage des Gegenüber. Einfach mal öfters nachdenken, bevor man seine Meinung ins Internet stellt. In den meisten Fällen lohnt sich die geschriebene Arbeit garnicht.
Der Aufwand dafür ist viel zu groß.
Ich für meinen Teil gehe lieber trainieren.
Yours in Budo,
Micha

4 comments
Comments feed for this article
Oktober 3, 2009 um 11:23
Bastian
Naja, das trifft doch teils aber auch auf die ganz „Großen“ (vollkommen und auch mehr oder minder) etablierter Stile und Richtungen zu. Da wird einerseits gemeckert über die fehlende oder schlecht beherrschte Etikette in deutschen Dôjô und nach dem Training wird dann munter über die „Gaijin Ryû“ hergezogen. Da wird die Etikette dann schnell mal nur noch zum Etikett.
Ich habe das früher teils auch gemacht, aus diversen Gründen. Mittlerweile sehe ich es wie Du.
Zudem mein Leitspruch: „Jeder Schüler hat die Schule, die er verdient und jede Schule hat die Schüler, die sie verdient.“
Oktober 4, 2009 um 12:25
lifeforasword
Schön gesagt, wirklich.
Deinen Leitspruch kann ich ebenfalls so unterstreichen. Wichtig ist, dass man seinen eigenen Weg geht und sich nicht verbiegen lässt. Und man sich auch nicht manipulieren lässt.
Bei dir sonst alles gut?
Oktober 9, 2009 um 11:27
Bastian
Muss ja… Ferien bald vorbei, Arbeiten müssen beendet werden. Muss außerdem noch für den JLPT im Dezember lernen…
Wann gehen Deine Einführungsveranstaltungen los?
Oktober 11, 2009 um 6:50
lifeforasword
JLPT LVL 2? Wünsche dir viel Glück dabei!
Ich bin schon fleißig am studieren
Japanisch läuft, alles andere auch. Macht Spaß und ich freue mich auf die Zeit.