Hallo,

anbei die Ankündigung des nächsten Moto-ha yôshin ryû Lehrgangs in Bremen. Wie im Februar 2011 wird ein Teil des Seminars aus dem Iaijutsu bestehen, dieses Mal aus den Techniken der Mugai ryû.

Lehrgangsleitung: Tim Weigel, okuden no maki, Moto-ha yôshin ryû

Termin: 04. u. 05. Februar 2012

Ort: Aikido-Zen e.V. Bremen

Kosten: 30,00 Euro p.P. / Wochenende (Ermäßigt: 27,00 Euro)

Hier der Text aus der Ausschreibung:

„Die Moto-ha yôshin ryu von Yasumoto Akiyoshi ist ein Zweig der Hontai yoshinryu takai ryu
(17. Jh.). Das System dieser Schule umfasst klassisches Jûjutsu und Waffentechniken. Das
Basiswissen der Schule wird durch formale Techniksequenzen (Kata) vermittelt.
Mugai ryu (1694) ist eine Schwertkampfschule von Tsuji Gettan Sukemochi und leitet sich u.a.
von der Yamaguchi ryu ab. Sie beinhaltet schnörkellose und zielgerichtete Abwehr- und
Angriffstechniken.
An diesem Wochenende werden wir Grundtechniken aus dem traditionellem Jûjutsu und den
Waffentechniken dieser beiden Schulen kennen lernen.“

Wer sich einen Überblick über diese Seminare verschaffen möchte, findet hier auf den Seiten von „Life for a Sword“ einige interessante Reviews.

Die Ausschreibung findet sich weiter unten oder auf der Seite des Aikido-Zen e.V. Bremens:

www.aikido-zen-bremen.de

Ausschreibung Kobudo Seminar Bremen

Von meiner Seite aus jedenfalls eine absolute Empfehlung!

Yours in Budo,

Micha

… wünsche ich allen Lesern ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2012. Möge es jedem Suchenden neue Horizonte offenbaren.

Das Jahr ging wieder einmal viel zu schnell rum. Es ist viel passiert. Vielleicht schaut sich der ein oder andere von Ihnen ja nochmal die Beitrage des letzten Jahres an. Ein paar Interessante waren schon mit dabei, wie ich finde.

Das nächste Jahr wird mit Sicherheit neue Gelegenheiten zum Bloggen bieten. Wenn ich alleine an den kommenden April denke, ziehen sich meine Mundwinkel gleich automatisch ganz leicht nach oben. Drei Embu, ein Koryukai, anschließend die GoldenWeek, dazu ein bis zwei Schulbesuche.

Life for a Sword wird weiter wachsen – vielen Dank für die bisherige Treue und ein tolles, neues Jahr!

Yours in Budo,
Micha

Wo stehe ich im Dojo?

Diese Frage mag auf den ersten Blick ein wenig schwammig erscheinen, doch gibt sie uns die Möglichkeit zu einigen interessanten Beobachtungen und Denkansätzen in Bezug auf das japanische Gesellschaftssystem und ihrer Anwendung, bspw. im Dojo.

Die japanische Gesellschaft unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von einer – man verzeihe mir die saloppe Verallgemeinerung – westlichen Kultur und ihrer Denkweise. Ist in einer westlichen Gesellschaft das Individualbewusstsein stark ausgeprägt (Ich stehe im Mittelpunkt), ist im japanischen Gegenstück die Gruppe und das dazugehörige Gruppenbewusstsein die vorherrschende Kraft (Wir als Ganzes). Dieses Gruppenprinzip spiegelt sich in den beiden Worten Uchi 内 und Soto 外 wieder. Uchi bezeichnet den inneren Kreis, also die Gruppe an sich und Soto all diejenigen, die dieser Gruppe nicht angehören. Solch Gruppen finden sich überall, angefangen bei der Familie, der Firma, dem Nachbarschaftsclub oder dem Dojo. Solch Gruppenzugehörigkeiten halten nicht selten ein lebenlang und die Bindung zwischen den Mitgliedern hat außerhalb der Gruppe oftmals eine positive Wirkung auf das Handeln bzw. den Verlauf der eigenen Entwicklung. So ist es nicht unüblich, dass Mitglieder der Gruppe untereinander Vermittlungsgeschäfte tätigen um sich gegenseitig z.B. eine bessere Anstellung zu verschaffen. Stichwort hierfür wäre wohl das allgemein bekannte Vitamin B. Oftmals ist es auch so, dass man beim Erstkontakt direkt gefragt wird, bei welcher Firma man angestellt ist oder welche Universität man zur Zeit besucht. Dieses soll von Anfang an die Gruppenzugehörigkeit identifizieren und (bei identischer Zugehörigkeit) noch vorhandene Mauern einreißen und neue Möglichkeiten bieten. Denn wie oben schon erwähnt sind Gruppenzugehörigkeiten langlebig, und so kann es passieren, dass man mit Menschen in Kontakt tritt, die ebenfalls dieser Gruppe angehören, jetzt vielleicht nur keine aktive Rolle mehr einnehmen (ein Beispiel wäre die Universität).
Ein weiterer Aspekt der hierbei erwähnt werden muss, ist das sogenannte Sempai 先輩 – Kohai 後輩 – System. Hierbei handelt es sich um streng hierarchisches auf Erfahrung bzw. auf Zugehörigkeit zur Gruppe aufgebautes System, bei dem der Ältere, also der Sempai und damit derjenige der länger Mitglied der Gruppe ist, über den Kohai, den Jüngeren, wacht und ihn in die Gruppe integriert und für sie sozialisiert. Er vermittelt Regeln, Werte und Normen und stellt sicher, dass der Jüngere den Anforderungen stand hält und als vollwertiges Mitglied den angestammten Platz in der Gruppe einnehmen kann. Der Kohai wiederum versucht diesen Anforderungen gerecht zu werden und integriert sich in die Gruppe durch z.B. Mehrarbeit, Verrichtung niederer Aufgaben oder der Tatsache, am Anfang nicht im Mittelpunkt zu stehen. Dieses trifft inbesondere auch in den Kampfkünsten zu, dazu aber später mehr.
Jeder Kohai wird irgendwann ein Sempai und jeder Sempai war irgendwann mal ein Kohai. Bei diesem System spielt nicht das biologische Alter eine Rolle, sondern einzig und allein die Zugehörigkeit zur Gruppe.
Gehen wir das Ganze Thema nun aus Sicht eines Schülers im Dojo an, so lassen sich einige Dinge herauskristalisieren. Hier einige Beispiele:

  • Benutzte Waffen werden nie von Älteren weggebracht sondern immer von den jüngsten Mitgliedern im Dojo
  • Das Dojo wird vor Beginn des Trainings von den Jünsten geputzt. Oftmals erscheinen diese bis zu einer Stunde früher um das beim letzten Mal gelernte zu wiederholen und für Ordnung im Dojo zu sorgen
  • Bei (kleinen) Feierlichkeiten im Dojo werden die Jüngsten damit beauftragt, Einkaufen zu gehen und die Tische aufzustellen
  • Bei Feiern im allgemeinen trägt der Jüngere Sorge um das Wohl des Älteren und sorgt für dessen leibliches und persönliches Wohl (Nachbestellung von Essen und Trinken, Zigaretten, usw.)
  • Bei außerdojo Aktivitäten (Reisen) trägt der Jüngere nicht nur seine eigenen Sachen sondern oftmals noch die der Lehrer oder der Sempai, meistens die Waffentaschen
  • Als Neuling hält man per se den Unterricht der anderen auf. Sensei muss sich extra Zeit nehmen und kann somit den Älteren nichts vermitteln. Daher wird nur ab und an etwas erklärt und dann für längere Zeit nichts gesagt. Der Schüler muss sich selbst eingehend mit der Technik auseinander setzen

Diese Liste lässt sich beliebig weiter führen, doch möge dieses für den Zweck der Sache genügen.
Wie man sieht, ist der Entwicklungsprozess und auch das Tätigkeitsfeld und die damit einhergehenden Erwartungen strikt festgelegt und es wird erwartet, diesen nachzukommen. Integration ist hier das Stichwort. Man wird angehalten, ein gesundes Gruppenbewusstsein zu entwickeln. Die Tätigkeiten dienen nicht dem eigenen Zweck sondern immer dem Zweck der Gruppe und der Erhaltung der Harmonie in dieser Gruppe. Wird diese gestört, gerät das ganze Gruppengefühl aus den Fugen. Manchmal mögen sie stumpfsinnig und vielleicht auch erniedrigend wirken, doch zielen sie auf ein bestimmtes Ziel, der Erhaltung des Gruppengefühls und das Überwinden der eigenen Engstirnigkeit, um sich von einer Ich bezogenen Persönlichkeit zu einer auf die Gruppe orientierte zu entwickeln. Durch den Dienst an der eigenen Gruppe soll die Mutter-Gruppe, also das japanische Volk an sich, profitieren und wachsen, da hier wieder nicht das Individuum im Mittelpunkt steht sondern die Ziele und das Gefüge der Gruppe.

In unserem westlichen Kulturkreis und ich beziehe mich jetzt explizit auf Deutschland, gibt es solche starken Bindungen und Gruppengefüge nicht. Jedenfalls nicht in dem Maße. Schaut man sich die hiesigen Dojo-Strukturen an, erkennt man grobe Unterschiede zwischen Deutschland und Japan. Oftmals fehlt in Deutschland ein Lehrer mit langer Erfahrung (+40 Jahre Erfahrung in einer Kampfkunst) und eine weitere Schicht an Seniorschülern. Wenn jemand unter diese Kategorie fallen würde, dann am ehesten Frank Thiele-sensei mit seiner starken Bindung zu Hirano-sensei. Prinzipiell ist dieses Phänomen auch kein Wunder: Kampfkunst, insbesondere das Koryu-Bujutsu, ist erst in den letzten 15-20 Jahren wirklich aktiv in Deutschland geworden. So ist die Katori Shinto ryu rund 15 Jahre aktiv und die Moto-ha Yoshin ryu rund 7 Jahre. Derartige Strukturen wie sie in Japan zu finden sind, sind dementsprechend nicht zu finden. Wie auch? Wichtig ist, dass die Verbindung nach Japan in einer stetigen Wechselwirkung stehen: Im Idealfall kommt Sensei einmal im Jahr nach Deutschland und eine Gruppe um den deutschen Verteter fliegt ein oder mehrmals nach Japan um sich weiterbilden zu lassen. Hierbei ist es dann auch wichtig, die Unterschiede im eigenen Training und der eigenen Dojo-Struktur zu erkennen. Oftmals ist japanisches Training härter und fordernder. Dies liegt nicht nur an dem höheren Level der Mitglieder in Japan, sondern auch an der oftmals sehr starken kulturellen Prägung. Und hier kommt wieder das eigene Ich ins Spiel: Manch japanischer Lehrer/Senior sieht zwischen einem japanischen und einem ausländischen Studenten keinen Unterschied. Wenn der Japaner sich nicht entsprechend benimmt, hagelt es Züchtigung und Zurechtweisung. Gleiches gilt für den Ausländer, im Guten wie im Schlechten. Da man Teil der Gruppe ist, spielt es keine Rolle welcher Nationalität man angehört. Im Ideallfall gibt es nur die Identität mit der Schule, nicht mit der Nationalität.

Wichtig ist, den kulturellen Kontext der Schule nicht zu vergessen. Die Worte SenseiSempaiKohai sind nicht nur leere Container, sondern spiegeln Prinzipien und Verhaltensweisen wieder. Uchi und Soto bilden auf der anderen Seite eine strikte Abtrennung zwischen einzelnen Gruppen und Interessenverbänden. Die eigene Verantwortung als Schüler darf nicht vernachlässigt werden und spiegelt sie sich auch nur im Kleinen wieder. Jeder Dienst an der Gruppe fördert ihr Vorankommen und Wachstum. Titel und Namen sind nicht von Bedeutung. Wichtig ist ein gesundes Miteinander mit klar definierten Regeln und Verhaltenweisen. Ein Dojo ist eben kein Kinderspielplatz sondern ein in sich geschlossenes Gesellschaftssystem. Dies möge man, vielleicht auch nur im Ansatz, im eigenen Training bedenken.

Es macht schon viel aus, wenn man beim nächsten gemeinsamen Trinken einfach eine Kiste Bier beisteuert. Die Gruppe wird es einem danken…

     大雨 – Ooame – starker Regen

Es ist kurz nach vier, der Regen prasselt in unbändigen Reihen vom Himmel herab auf das Gelände des Katori-Schreins in der Präfektur Chiba. Es ist schon nahezu dunkel geworden und es liegt eine fast mystische Ruhe über diesem Platz. Nein – eigentlich ist es nicht die Ruhe des Platzes, sondern die meine. Entspannt und mit einem Lächeln – ja, diese Situation hatte wirklich etwas komisches an sich, ging ich in Richtung Hauptschrein: In der einen Hand den Regenschirm, mehr schlecht als recht schützend und in der anderen den hochgezogegenen Hakama – schließlich möchte man nicht voller Matsch in eines der größten Shinto-Heiligtümer Japans eintreten…

Der Wind pfeift, der Regen ist unaufhaltbar vorangeschritten und erste kleine Seen sind erkennbar. Wir sitzen im Schrein und sind Teil einer Shinto-Zeremonie. Im Zuge jeden Gasshukus – also einer Art „Trainingslager“ – findet alljählich auch diese Art der Zeremonie am Katori-Schrein statt. Nur dass es dieses Jahr der Wettergott nicht wirklich gut mit uns meinte. Draußen stürmte und regnete aus Kübeln, die Krähen saßen scheiend auf den Dächern der umliegenden Gebäude und die Blätter der Bäume untermalten dieses kleine Orchester mit lautem Rasseln im Takte der Windböen.

Eigentlich war eine Vorführung zu Ehren der Gottheit vor dem Schrein angedacht. Nur dieses hätte bei dem Wetter nicht wirklich dem Status einer Gottheit entsprochen. Also wurde in kurzer Absprache mit der Organisation das Ganze in ein naheliegendes Gebäude verschoben. Dort, in Ausrichtung auf das Hauptgebäude des Katori-Jingu, wurde nun der Gottheit die seit Jahrhunderten überlieferte Kunst vom Katori-Schrein dargeboten. Es war wirklich ein bemerkendes Gefühl, welches mich in diesem Moment durchströmte. Selten zuvor wurde mein Körper beim Anblick meines Lehrers so durchgerüttel wie jetzt bei der Vorführung. Sein Kiai ging mir bis ins Mark und verweilte dort eine Weile bis meine innere und vermutlich auch äußerlich sichtbare Anspannung nachließ. Es war, als hätte für einen Moment Stille geherrscht, als hätte der Atem der Welt für einen Zug inne gehalten um nur die Gottheit und diesen Herren dort in zweisamer Ruhe darbieten  zu lassen.

Ich selbst durfte mit einem Freund aus Belgien ebenfalls der Gottheit unsere Kunst vorführen. Ich muss gestehen, es war meine erste öffentliche Vorführung in Japan und – persönlich gesehen – eine kleine Ehre. Wahrlich: Diese ganze Situation war mehr als sureal. All das Getöse von draußen drang nach innen und wir stimmten mit lautem, hallenden Kiai in dieses Singsang ein. Und selbst 2,3 Zuschauer verweilten für einen Moment vor dem kleinen Schauspiel und fragten sich vermutlich, was diese Herren dort oben gerade veranstalten. Ja, Kampfkunst – gerade das Koryu Bujutsu – ist in Japan weitesgehend unbekannt. Für manche sind wir einfach nur Samurai-Cosplayer und für andere – na ja, ihr könnt es euch denken…

Der geneigte Leser verzeihe mir bitte die manchmal etwas vielleicht zu bildlich gewählte Darstellung, doch es hat wirklich wie aus Eimern gegossen. Alles in Allem war das Gasshuku wirklich sehr gut. Es wurde gut trainiert – natürlich im Hombu-Dojo und im Beisein von Iizasa-soke sowie natürlich gut gegessen und getrunken. Wie jedes Jahr wurde das Gasshuku mit einem Besuch in einem gut 200 Jahre alten Unagi-Restaurant (Aal) eröffnet. Welch Gaumenschmauß! Der Tisch des abendlichen Banketts wurde reichlich gedeckt und Soke erzählte die ein oder andere Anekdote. Die Stimmung war gut und das Nijikai – also die Veranstaltung nach der eigentlichen Veranstaltung und nebenbei fast noch wichtiger als erstere – ging bis in die Nacht hinein. Es folgte ein kurzer Schlaf, ein gutes japanischen Frühstück und eine kleine Wanderung von 40 Minuten zu Fuß vom Ryokan zum Hombu-Dojo. Vier Ausländer, nur bekleidet in Hakama und Dogi – welch Anblick! Komischerweise waren gerade die Touristen es, die ungläublig dreinblickten. Den Einheimischen war dieses Schauspiel nicht unbekannt…
Es ging weiter mit ein paar Stunden Training – dieses Mal lag der Fokus auf den Langwaffen und dem Iai – und einem anschließendem Essen, wieder im Beisein des Soke und – wenn ich richtig verstanden habe – auch dessen Nachfolger. Dieser hat auf mich einen sehr netten Eindruck gemacht und er wird hoffentlich irgendwann auch wieder unterrichten.
Zu guter Letzt wurde das Dojo gereinigt und wieder verschlossen. Anschließend wurde dem Grab des Begründers noch ein kurzer Besuch abgestattet und die Heimreise konnte angetreten werden.


Für mich war es das zweite Gasshuku, aber das erste mit solch einer hohen Teilnehmerzahl. 13 Teilnehmer, davon 5 Ausländer, sowas hat man wirklich selten. Alle haben fleißig und konzentriert trainiert, auch wenn es den Anschein hatte, dass das Training im Hombu-Dojo in Anwesenheit von Soke gleich noch eine Spur – wie sagt man – intensiver ist. Ich war jedenfalls am Ende des Wochenendes mental und körperlich sehr, sehr müde. Aber es hat sich gelohnt!

Yours in Budo,

Micha


Hallo,

heute war ein wirklich besonderer Tag im Sugino-Dojo in Kawasaki: Die En ryu 円流 gab sich die Ehre und besuchte unser Dojo um ein gemeinsames Kôryûkai 交流会 abzuhalten. Das Wort Kôryû 交流 bedeutet dabei „Austausch“ und kai 会 „Treffen“ oder „Zusammenkunft“. Masaki-sensei und einiger seiner Schüler kamen, um uns einen Einblick in ihre Schule zu geben. Gezeigt wurden verschiedene Teile des Curriculums, darunter Kama-jutsu, Jojutsu, Taijutsu, Iaijutsu und einige andere Dinge. Im Anschluss demonstrieren die Mitglieder des Sugino-Dojo einen Teil des Curriculums der Shinto ryû 神道流. Da bist zum anschließenden Essen noch etwas Zeit blieb, ging es dann ans fachsimpeln und ausprobieren: Techniken wurden gezeigt, erläutert und im freundlichen Austausch wurde über die Matte geworfen, die Luft geschnitten und viel gelacht und erfahren. Alle hatten sichtlich Spaß und die Mitglieder der En ryu waren sehr freundlich und zuvorkommend. Ja – ich muss wirklich sagen: Jujutsu gefällt mir wahrlich! Insbesondere auch deren Jojutsu war sehr beeindruckend. Masaki-sensei bot eine wirklich eindrucksvolle Vorstellung.

Die En ryu ist noch relativ jung. Leider habe ich nicht wirklich viele Informationen, aber sie basiert auf der Asayama Ichiden ryu sowie der Muhi ryu. Kein Wunder: hatte mich schon gefragt, woher ich manche Kamae und Techniken kannte. Daher war meine Überraschung umso größer als im nachfolgenden Gespräch dieses geklärt worden ist.
Die Schule ist beheimatet in der Präfektur Kanagawa und ist so gut wie unbekannt. Keine Informationen im Netz, nichts auf Youtube. Sehr charmant wie ich finde…

Nach getaner Arbeit ging es dann zum gemeinsamen Feiern in ein nahegelegenes Restaurant. Bei gutem Essen und gutem Sake wurde dieser wundervolle Tag gebührend zelebriert. Beide Schulen werden im kommenden Jahr ein großes Embu zusammen machen – darauf freue ich mich schon sehr. Dann gibt es vielleicht auch ein paar bewegte Bilder.
Alle waren so nett und zuvorkommend, richtig herzlich und freundschaftlich. So muss gute Kampfkunst aussehen: Schweißtreibend im Dojo, erfrischend danach. Keiko hört halt nicht an der Dojo-Tür auf…

Ich für meinen Teil hatte ungemein viel Spaß und habe viel gelernt. Und im Dezember werde ich mich im voller Länger von ihrem Training überzeugen können…

Yours in Budo,

Micha

Hallo,

Anfang der Woche bin ich mit meiner Freundin für einen Kurztrip in die Präfektur Nagano gefahren, ca. 4 Autostunden von Tokyo entfernt, mitten in den japanischen Alpen. Nagano ist nicht nur bekannt für die Olympischen Spiele aus dem Jahre 1998, sondern auch für wirklich gutes Essen (Soba!), guten Weißweins sowie einer Fülle an kulturellen Sehenswürdigkeiten, darunter die badenden Affen von Jigokudani, dem Zenkoji-Tempel in der Stadt Nagano oder das wunderschöne Schloss von Matsumoto.

Drei Tage nahmen wir uns Zeit, um drei verschiedene Sehenswürdigkeiten zu besuchen: Den Zenkoji, das Schloss in Matsumoto sowie die Stadt an sich und die alte Schule für Literatur und Kriegskunst in Matsushiro. Über Letztere habe ich bereits in der Vergangenheit berichtet und jetzt endlich konnte ich mich selbst von der Schönheit dieser Stätte überzeugen. Es hat sich gelohnt!

Vom Zenkoji selbst gibt es leider keine besonders schönen Fotos. Zu dem Zeitpunkt war er zum Großteil verhangen und somit sind nur Fotos von den Bereichen um den Tempel entstanden.

Da der Tempel kurz vor der Schließung stand, entschlossen wir uns für den ersten Tag es ruhig angehen zu lassen und dafür den Auslöser der Kamera am nächsten Tag umso öfter quälen zu können.

Die Stadt Matsumoto liegt etwas mehr als eine Stunde per Zug von Nagano-Stadt entfernt. Eine einfache Fahrt kostet 1100 Yen und ist wirklich zu empfehlen. Man sieht viel von der Natur, den Bergen und hat nicht so das Gefühl in Eile sein zu müssen. Vom Bahnhof Matsumoto liegt das Schloss nur knappe 15 Minuten zu Fuß entfernt. Die Stadt an sich ist wirklich sehr hübsch und macht einen freundlichen und hellen Eindruck: Hier ein Fluß, dort ein paar Bäume, da ein paar ältere Gebäude…

Das Schloss wurde 1504 erbaut und war bis zum Beginn der Meiji-Restauration im Jahre 1868 in Gebrauch. Im zweiten Stock des Hauptgebäudes befindet sich ein kleines Museum für Schusswaffen, worunter sich auch einige kleine interessante Stücke befanden, darunter einige Revolver, Pistolen in Schwertmontierung und Kombinationen aus Schusswaffe und Dolch.

Der Tag war wunderschön, das Wetter unglaublich gut und die Fotos sprechen bestimmt für sich.

Am Tag unserer Rückkehr ging es dann noch in das kleine Örtchen Matsushiro. Mit dem örtlichen Bus vom Bahnhof Nagano ist man in 25 Minuten dort. Die Fahrt kostet (einfacher Weg) 600 Yen. Austieg ist der Bahnhof Matsushiro und die Schule für Literatur und Kriegskunst ist innerhalb von nicht mal 10 Minuten per pedes zu erreichen.
Matsushiro ist wirklich ruhig, hat aber eine lange Geschichte auf die die Bewohner sichtlich stolz sind: Überall sieht man das Wappen der Sanada-Familie, die 6 Münzen in zwei Reihen, welche dieses Gebiet vor der Meiji-Restaurierung verwalteten. Heutzutage ist nicht nur die Schule für Literatur und Kriegskunst übrig geblieben, sondern auch die ehemalige Residenz der Sanada-Familie, einige weitere Samurai-Häuser und es wurde in unmittelbarer Nähe zu diesen Gebäuden ein Museum zu Ehren der Sanada-Familie erbaut. Dort hat man Einsicht in die Familienstücke und bekommt einen guten Einblick in die Geschichte dieser Familie.

Auf die Geschichte der Schule möchte ich hier nicht noch einmal eingehen. Dem interessierten Leser sei mein voriger Bericht ans Herz gelegt: Die alte Schule für Literatur und Kriegskunst in Matsushiro

Also, dieser Besuch war wirklich das Highlight! Obwohl anfangs noch eine etwas größere Touristengruppe anwesend war, wurde es später sehr ruhig und man konnte die Geschichte und den Geruch dieser Stätte wahrlich in sich aufsaugen. Die einzelnen Hallen – darunter eine Fechthalle für Schwert- und Speerkampf sowie eine Jujutsu-Halle – hatten wunderbar alten, benutzen, leicht schwindgenden Holzfußboden. Obwohl es draußen gut warm war, war es innen angenehm kühl und frisch. Die Decken waren hoch genug und durch viele starke Holzpfosten verstärkt und bieten Platz für viele Übende. Besonders die Speer-Halle hatte es mir angetan. Selten so einen guten Boden gesehen und eine so schlichte und schöne Architektur. Dort zu trainieren – das müsste unglaublich sein. Und dieses scheint sogar möglich zu sein. Die Kyujutsu-Anlage wird heutzutage immer noch genutzt und auch die einzelnen Fechthallen sind ab und an noch im Gebrauch. Hm – ob man auch als Privatmensch diese vielleicht nutzen darf..? Hm..

Genug berichtet. Es war ein wirklich toller Urlaub und ich blicke mit einem Lächeln auf die Stunden zurück. Dem Leser wünsche ich nun viel Freude mit dem Fotos. Wer gerne Bilder in hoher Auflösung haben möchte, möge sich bitte bei mir melden. Gerade die Fotos vom Schloss sind toll geworden.

Yours in Budo,

Micha

Servus,

nach dem Embu am Kashima Jingu im letzten Monat, stand am gestrigen Donnerstag das zweite große Embu-Highlight für mich auf dem Programm: Das alljährliche Embu am Meiji-Schrein. Wie jedes Jahr findet das Embu am 3. November – dem Tag der Kultur – in den Gärten des Meiji-Schreins statt. Auch dieses Jahr haben sich über 50 Schulen eingefunden um ihre Künste zu demonstrieren. Die gefühlte Hälfte konnte man fast den diversen Yagyu Shinkage/Shingan ryu sowie Muso Shinden/Jikiden Eishin ryu zuschreiben. Nichtsdestotrotz gab es auch einige kleine Perlen, darunter z.B. das Embu der Kiraku ryu oder die Darbietung eines kleinen Jungen der Kurama ryu. Ein Highlight war natürlich auch die abschließende Vorführung der Morishige ryu, einer Schule in deren Fokus sich der Umgang mit diversen Feuerwaffen befindet. Parallel zum Kobudo-Embu gibt es auch immer eine Yabusame-Vorführung, Pfeil und Bogen zu Pferd. Dieses habe ich mir dieses Jahr nicht angesehen, nur ab und an mal kurz über die Schulter. Ebenso habe ich, im Vergleich zum Kashima Jingu, relativ wenig Videos geschossen. Ich wollte einfach mal wieder wirklich zugucken und nicht nur das Geschehen über das Display meine Kamera bewundern müssen.

Das ganze Embu war fast schon so eine Art großes Picknick: Überall waren Planen auf dem Boden ausgebreitet und die einzelnen Schulen haben sich untereinander unterhalten, Angehörige waren mit Kindern da und selbst einige Damen im Kimono waren zugegen. Alles in Allem war es ein wirklich runder und schöner Tag, auch wenn nach gut 6 Stunden die Füße nur noch nach Hause wollten…

Anbei gibt es die Videos. Die Fotos folgen weiter unten. Über Feedback oder etwaige Fragen würde ich mich wie immer sehr freuen.

Mit den besten Grüßen aus Tokyo,

Micha

Negishi ryu Shurikenjutsu

Muso Shinden ryu Tsumei Iai

Yagyu Shingan ryu Jujutsu

Kiraku ryu

Tenshin Shoden Katori Shinto ryu

Kurama ryu Kenjutsu

Muso Shinden ryu Iai

Okinawa Kobudo

Ishiguro ryu

Morishige ryu Hojutsu

Hallo,

heute war ich mit einem Freund in Kanda, genauer gesagt eigentlich in Jimbocho. Das Viertel ist bekannt für allerlei Antiquariate für jedes nur erdenkliche Thema. Kein Wunder, dass sich dort auch der ein oder andere Laden findet, in dem der geneigte Anhänger der schönen Künste auch zum Zuge kommt.

Tja, und das kam heute dabei raus:

Ganz rechts: „Nakamura Taizaburo – Iaikendo“ aus dem Jahre 1974. Besonders nett sind die Tanren-Übungen am Ende des Buches. Mein Highlight!

Links daneben: „Osano Jun – Nihon Dento Bujutsu Shintai“ aus dem Jahre 1989. Rundumschlag durch einige Gebiete des Koryu-Bujutsu mit vielen, wirklich netten Bildern.

Die anderen beiden gab es als kleines Gimmick oben drauf. Ein paar schöne Bilder, sehr geschichtlich gehalten, aber ich mag die Serie einfach. Zudem ist in dem einen Buch etwas über die Shinsengumi geschrieben.

Tja, mein Bücherregal füllt sich so langsam. Preis der vier Bücher: knappe 40 Euro. Schnäppchen, wie ich finde.

Yours in Budo,

Micha

Das Embu war seit einigen Minuten vorbei.

Wirklich weit bin ich seit meiner Ankunft vor etwas mehr als vier Stunden nicht gekommen: Die Bühne war bereits aufgebaut und der Platz vor ihr war mehr als gut gefüllt. Allerhand Gruppen tummelten sich. Je länger man sich mit der Materie beschäftigt, desto eher erkennt man einige bekannte Individuen zwischen der großen Ansammlung dieser altehrwürdigen Schulen der Kriegskunst. Hier ein bekannter Soke, dort ein Shihan den man vor einigen Wochen noch auf DVD bewundern konnte. Die Stimmung war gut und jedem sah man die Lust auf diese Vorführung sichtlich an. Nachdem die letzte Gruppe ihre Vorführung beendet hatte – mit ein wenig Verspätung dank einer shintoistischen Hochzeit – begann der Abbau der Bühne und ich hatte endlich etwas Zeit, mir das Gelände des Kashima-Jingu ein wenig näher anzusehen. Die hohen Bäume, das Hauptgebäude des Schreins, das Gehege mit den Rehen – es kam mir alles doch wieder sehr vertraut vor: Vor knapp 5 Jahren war ich schon einmal hier. Auf den ersten Blick hatte sich nichts verändert, aber wenn man genau hinsah, konnte man noch Spuren des Erdbebens und des letzten Taifuns erkennen. Kashima wurde ebenfalls getroffen. Das große Taikai zu Ehren der Gottheit des Kashima Schreins stand daher auch unter dem Banner der Trauer und der Hoffnung nach dem großen Erdbeben vom 11. März 2011. Es sollte signalisieren: Wir sind immer noch hier.

Je weiter ich mich vom eigentlichen Schrein entfernte, desto näher kam ich an einen anderen Ort, der ebenfalls noch auf dem Gelände des Kashima Jingu zu finden ist. Ein, so sagt man, heiliger Teich mit einigen Koi-Karpfen darin war mein Ziel. Bevor ich mich auf den Weg zurück zum Bahnhof machen wollte, wäre ein Besuch bei diesen schönen Tieren sicher lohnenswert. Und das war es! Nicht nur die Krähen sind in Japan groß – die Fische stehen ihnen in nichts nach! Besonders diese hier, mit ihren schönen Mustern, der ruhigen Eleganz, wie sie so bestimmt und ohne Ziel durchs Wasser gleiten. Wahrlich ein toller Anblick!
Ich wollte mich also auf den Heimweg machen, als plötzlich das Spiel einer Flöte in mein Ohr drang. Als ich dem Geräusch nachging, sah ich, dass ein Mann im Schutze eines Pavillions eine sehr asiatisch klingende Melodie auf seiner Flöte spielte. Wie ich später erfuhr, handelte es sich bei diesem Instrument um eine Okarina und der Mann ist Mitglied einer Gruppe von Musikern, die sich der Natur sehr verbunden fühlt und daher oftmals in Wäldern und Parks spielt. Der Klang der Flöte hatte es mir jedenfalls ungemein angetan und ich wollte diesen Mann kennen lernen.



Kamimori-san ist leidenschaftlicher Flötenspieler und nahm sich ein wenig Zeit, mir seine Instrumente zu zeigen und zu demonstrieren. Dieses tat er anhand eines Songs, den ich früher oftmals bei meinen Eltern im Radio gehört habe: Top of the World von The Carpenters. Schon irgendwie komisch: Da sitzt man auf dem Gelände eines der größten Shinto-Heiligtümer Japans und lässt die Gedanken schweifen beim Hören von The Carpenters. Irgendwie surreal…
Nachdem das Flötenspiel vorüber war, bedankte ich mich und zog wieder meines Weges. Der Bahnhof war nicht weit, ca. 10 Minuten bei gutem Schritt und nicht ganz so skrupellosen Autofahrern. Eine Station lag allerdings noch vor mir – ein Besuch der Statue von Tsukuhara Bokuden. Diese befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof. Er schaut dabei von einer leichten Anhöhe auf sein Land hinab – dort, wo er vor Jahrhunderten die Kampfkunst erlernte und bis heute als Legende verehrt wird.

Diese Stadt lebt, liebt ihre Geschichte.

Wahrlich.



Tja Freunde, was soll ich sagen? Es war toll! So ein Embu, gerade in solch einer Umgebung, macht einfach ungemein viel Spaß! Die Gruppen hatten sichtlich ihre Freude und das Publikum war auch guter Dinge. Manchmal hatte man sogar das Gefühl, dass einige Gruppen eigene Groupies mitgebracht hatten, damit diese nach der jeweiligen Vorführung für ordentlich Geklatsche sorgen konnten. Komischerweise war diesbezüglich die Katori Shinto ryu ganz vorne mit dabei…
Ingesamt nahmen 32 Gruppen an den Feierlichkeiten teil. Die Ehre der Eröffnung gebührte natürlich – wer hätte es anders gedacht – der Kashima Shinto ryu, der, so kann man fast sagen, Hausschule des Kashima Jingu. Es war ein wirklicher Tag im Sinne des Schreins und Tsukahara Bokudens, dem Begründer der Kashima Shinto ryu. Überall hangen Plakate und Poster, wurden Flyer und Handzettel verteilt, die die neue Serie des Privatsenders NHK BS bewerben sollte. Den am gestrigen Sonntag lief der Pilot. Und ich muss sagen: so schlecht war er gar nicht mal…

Kommen wir aber (endlich!) zu den wirklich interessanten Dingen: Den Videos & Fotos! Viel Spaß damit!
Und immer daran denken: Das nächste Embu, kommt bestimmt…

Hokushin Itto ryu Kenjutsu

Muhi Muteki ryu Jojutsu

Motobu ryu Udundi

Muso Jikiden Eishin ryu Komei Jyuku Iaijutsu

Daito ryu Aikijujutsu

Jikishinkage ryu Naginatajutsu

Shibukawa ryu Jujutsu

Shingyoto ryu Kenjutsu

Iga ryu Katsushin ryu Jujutsu

Yagyu Shingan ryu Katchu Heiho

Enshin ryu Suemonogiri 1

Enshin ryu Suemonogiri 2

Shingetsu Muso Yanagi ryu

Sekiguchi ryu

Jigen ryu Hyoho

Takenouchi ryu Jujutsu

Zum Schluss noch ein paar Fotos. Bitte verzeiht die eher bescheidene Qualität, aber ich habe sie während der Videoaufzeichung aufgenommen.

Yours in Budo,
Micha

Mit etwas Verspätung erscheint hier jetzt das Review zu dem Bujutsu-Karate-Seminar mit Stephan Yamamoto in Bremen von vor ein paar Wochen. Ich bitte die Verzögerung zu entschuldigen.

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Hallo,

am letzten Wochenende fand ein ganz spezielles Seminar in den Hallen des Aikido-Zen Dojo in Bremen statt. Der Lehrer war Stephan Yamamoto, 4. Dan Shotokan-ryu sowie 3. Dan Muso Jikiden Eishin ryu Iaido. Thema des Ganzen: Bujutsu Karate. Nein, eigentlich war es ein Aikido-Seminar. Oder doch eher ein Judo-Seminar? Koryu-Bujutsu? Hm…Ich bin mir garnicht mehr so sicher.

Der Leser wird sich jetzt vermutlich die Fragen stellen, was diese merkwürdigen Ausführungen zu bedeuten haben. Aber dazu später mehr…

Es waren knapp 15 Teilnehmer anwesend. Kommend aus dem Karate, Judo sowie dem Koryu Bujutsu, hatten alle eine unterschiedliche Erwartung an das Seminar. Müsste man einen Oberbegriff für das Thema das Seminares finden, würde das Ganze vermutlich unter dem Schirm der Körperarbeit laufen müssen.

Stephan Yamamoto kommt ursprünglich aus dem Shotokan-ryu Karate-do sowie dem Iaido der Muso Jikiden Eishin ryu. Obwohl es als Karate-Seminar ausgeschrieben war, kamen mehr als die Häfte der anwesenden Teilnehmer nicht aus dem Karate-Bereich.

Also, worum ging es?
Es ging um Bewegung – funktionaler Bewegung. Also eigentlich darum, wie man sich auf natürliche (denn das haben wir heutzutage fast vergessen!) bewegt und wie man diese Prinzipien der Bewegungslehre auf das Karate, Judo, Koryu Bujutsu übertragen und auch wieder finden lassen kann. Zur Konditionierung des Körpers – und ja, dieses war von Nöten! – wurden Übungen aus dem Yoga, der Feldenkrais-Lehre sowie dem Hojo-Undo den eigentlichen Übungen vorgezogen. Wie viel man doch mit natürlicher Kraft alles bewirken kann – und wie viele unterschiedliche Stellen man gezielt ansteuern und reaktivieren kann. Viele der Teilnehmer sagten nach dem Seminar, sie hätten Teile ihres Körpers gespürt, die sie vorher fast vergessen hatten, respektive nicht wahrnahmen. Es wurde also versucht ein neues Körpergefühl zu kreieren. Das so etwas nicht an einem Wochenende geschehen kann, ist klar.

Das große andere Thema war die Verknüpfung dieser Prinzipien – nein, anders – dieser Bewegungslehre mit dem Prinzip der Kata. Kata als Träger von Prinzipien der jeweiligen Schule. Anhand einer Kata aus dem Shotokan-ryu wurde dann versucht, diese (für viele) neue Bewegungslehre umzusetzen. Dabei war ein nicht unwesentlicher Teil die Erklärung der Anwendungen. Einige werden es vielleicht kennen: Man macht eine Kata ohne das Prinzip dahinter zu kennen, die Anwendung oder den Fluss. Stephan Yamamoto hat über das ganze Wochenende Würfe, Schläge und allerlei andere Dinge gezeigt, die sich später in der Kata wiedergefunden haben. Dass diese vielleicht nur eine Möglichkeit der Anwendung darstellen, ist klar – doch sie veranschaulichte auf einfache Art und Weise worauf es im Karate, Judo, Aikido oder dem Koryu Bujutsu ankommt: den Körper nicht gegen seinen Willen zu manipulieren, sondern ihm das Gefühl der Natürlichkeit wiederzugeben.

Die Würfe wurden ohne Kraft sondern allein durch Körperbewegung, Gleichgewichtsverlagerung und viel Smooth durchgeführt. Und: es klappt! SV-Legastheniker und Straßenrüpel werden enttäuscht sein: es ging primär nicht ums Kämpfen. Jedenfalls nicht im Sinne der SV. Vielmehr wurde das, was schon seit Jahrhunderten in den Kampfkünsten existiert, extrahiert und anschaulich anhand der Kata verdeutlicht. Ich möchte Stephan Yamamoto noch nicht auf die Stufe eines Ushiro Kenji oder Akira Hino heben. Dass würde schon ein bisschen über den eigentlichen Zweck hinausgehen. Aber dass was er macht geht exakt in die selbe Richtung.

Den Teilnehmern hat es sichtlich Spaß gemacht. Auch die Arbeit am Boden und einige nette andere Spielereien beleuchteten Dinge, die den meisten bisher verborgen waren.

Ich persönlich freue mich schon auf das nächste Seminar in Bremen! Stephan Yamamoto wird immer ein gern gesehener Gast sein!

Yours in Budo,

Micha

"Wäre ich ein Tautropfen, so würde ich auf der Spitze eines Blattes Zuflucht suchen. Aber da ich ein Mensch bin, habe ich keinen Ort auf der ganzen Welt." - Saigo Takamori

 

Januar 2012
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